Anzeige im Landkreis Cloppenburg Bei Mäharbeiten getötetes Rehkitz beschäftigt Polizei

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Eigentümer größerer Grasflächen sind verpflichtet, vor Mäharbeiten nach Niederwild zu suchen. Tun sie das nicht, können sie sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar machen. Symbolfoto: Matthias Balk/dpaEigentümer größerer Grasflächen sind verpflichtet, vor Mäharbeiten nach Niederwild zu suchen. Tun sie das nicht, können sie sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar machen. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa

Saterland/Papenburg. Ein vermutlich bei Mäharbeiten auf einem Feld bei Saterland getötetes Rehkitz beschäftigt derzeit die Polizei im Landkreis Cloppenburg. Das Landvolk Emsland sensibilisiert jedes Jahr aufs Neue die Landwirte für das Thema.

Einem 52-jährigen Saterländer wird vorgeworfen, am Montag, 22. Mai 2017, zwischen 6 und 22 Uhr, durch das Abmähen einer Grünfläche ein Rehkitz getötet zu haben. „Bei uns ist eine entsprechende Anzeige eingegangen, deshalb ermitteln wir wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz“, bestätigte Maren Fokken, Sprecherin der Polizeiinspektion Cloppenburg / Vechta, auf Anfrage unserer Redaktion. Ob und in wiefern sich der Mann strafbar gemacht hat, werden die weiteren Ermittlungen zeigen.

Anstatt zu fliehen, verharren Kitze reglos auf dem Boden, wenn ihnen Gefahr droht. Nach Angaben der Stiftung Wald bleiben die weiblichen Rehe (Ricken) täglich zum Säugen nur für 35 Minuten bei ihren Jungen. Das Alleinlassen der Kitze ist eine Art Schutz: So verhindern sie, dass potenzielle Feinde auf die Jungtiere aufmerksam werden.

Technik kann unterstützen

Im Landkreis Emsland hat es derartige Anzeigen bisher nicht gegeben, teilte Achim van Remmerden, Sprecher der Polizei im Emsland, auf Anfrage mit. Nach Angaben von Lambert Hüring, Geschäftsführer des Landvolks Emsland, unternimmt die Landwirte-Vereinigung jedes Jahr große Anstrengungen, um für das Thema zu sensibilisieren. Dazu gehört immer im Frühjahr eine Information über das Mitteilungsblatt, das alle Landwirte im Emsland erhalten. „Darin fordern wir die Landwirte auf, die Flächen im Vorfeld von Mäharbeiten aktiv zu kontrollieren, in Zusammenarbeit mit Jägern für eine Vergrämung von Wildtieren zu sorgen oder eine entsprechende Technik einzusetzen“, so der Geschäftsführer. Möglich sei beispielsweise ein Wärmebild-Sensor, der an der Frontscheibe des Ackerschleppers angebracht werden kann und piept, wenn sich ein Tier im Gras befindet. Laut Hüring kosten Einsteigergeräte nur um die 30 Euro. Möglich sei auch, Jäger oder Unternehmen zu beauftragen, die beispielsweise mit Drohnen die Flächen abfliegen.

Laut Hüring sind Eigentümer größerer Grünflächen, die abgemäht werden sollen, gesetzlich nicht verpflichtet, das Gras vor den Mäharbeiten nach Niederwild abzusuchen. Jedoch gebe es so etwas wie eine Sorgfaltspflicht, sehr aufmerksam zu sein bei den Mäharbeiten und bei verletzten oder gar getöteten Tieren für eine fachgerechte Beseitigung zu sorgen.

Bisher keine Anzeigen im Emsland

Nach Ansicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind neben dem intensiven Absuchen der Fläche vor den Mäharbeiten auch wildtierschonende Mähverfahren (Mahdrichtung, Schnitthöhe, Mähzeitpunkt) sinnvoll, um Mähtode zu reduzieren. „Allein das menschliche Auge ist kaum in der Lage, die gut getarnten und sich drückenden Wildtiere zu entdecken“, so das Ministerium.

Ein weiterer Vorteil für die Landwirte ist nach Angaben von Landvolk-Geschäftsführer Hüring, dass die Silage nicht verunreinigt wird. „Bei Kadavern in der Silage droht Botulismus, was ein schwerwiegendes Problem beim Verfüttern wäre“, erklärt der Agraringenieur.


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