Baufenster werden verlegt Hoferweiterungen: Werlte schafft Flächen für Landwirte

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Ein Landwirt aus Werlte will Platz für 60.000 Masthähnchen schaffen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpaEin Landwirt aus Werlte will Platz für 60.000 Masthähnchen schaffen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

Werlte. In Werlte wollen zwei Landwirte ihre Betriebe erweitern. Der Bau- und Wirtschaftsausschuss der Gemeinde hat während seiner Sitzung am Donnerstag die Voraussetzungen für die Vorhaben geschaffen. Doch die Beschlüsse kamen nicht ohne kontroverse Diskussionen zustande.

„In beiden Fällen geht es darum, die Zersiedlung der Landschaft zu verhindern und den Tierhaltern dennoch die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln“, machte Ausschussvorsitzender Wilhelm Bruns (CDU) deutlich.

Massive Proteste aus der Bevölkerung

In Bockholte beabsichtigt ein Landwirt, zwei Legehennenställe zur Bruteierproduktion mit 50.000 Elterntieren zu errichten. Im Gegenzug will er die Arbeit mit seinen aktuell 990 Plätzen für Mastschweine aufgeben. Wie Bauamtsleiter Dieter Cloppenburg mitteilte, sahen die ersten Überlegungen des Landwirts einen Bau der Ställe unweit der Wohnsiedlung vor. „Das hat massive Proteste aus der Bevölkerung hervorgerufen“, so Cloppenburg. In Gesprächen mit der Verwaltung habe sich der Landwirt bereit erklärt, seine Erweiterung rund 750 Meter entfernt zu realisieren. „Durch die Verlegung des Baufensters wird die Entfernung zur Ortsmitte deutlich vergrößert, was weniger Emissionen bedeutet“, erklärte das CDU-Ausschussmitglied Werner Stürmeyer. Wie Cloppenburg weiter ausführte, sei der neue Standort bereits mit den Anliegern besprochen worden. „Die äußerten keine Bedenken und machten deutlich, dass sie nicht generell gegen die Tierhaltungsanlage seien.“

Weiter von der Ortsmitte entfernt

Ähnlich stellt sich das Vorhaben eines weiteren Landwirtes aus Werlte dar. Er beabsichtigt seine Arbeit in der Betriebssparte mit 65 Mastbullen einzustellen und im Gegenzug Platz für 60.000 Masthähnchen zu schaffen. Auch er zeigte sich nach Gesprächen mit der Verwaltung bereit, seinen Hof in südliche Richtung zu erweitern und sich damit weiter von der Ortsmitte zu entfernen. „Hier gewinnen wir Abstand zur Siedlung und möglichen weiteren Baugebieten“, so Stürmeyer.

„Hier wird Agrarindustrie betrieben, obwohl wir schon zugepflastert sind mit Ställen“

In beiden Fällen votierten die fünf Ausschussmitglieder der Christdemokraten geschlossen für eine jeweilige Änderung des Bebauungsplans. Der Rat entscheidet nun, ob die nächsten Verfahrensschritte eingeleitet werden. Gegen den Beschluss stimmten die beiden SPD-Vertreter Maria Scholübbers und Werner Röben. „Ich kann es nicht nachvollziehen. Hier wird Agrarindustrie betrieben, obwohl wir schon zugepflastert sind mit Ställen. Und ein Ende ist nicht in Sicht“, wetterte Scholübbers. Sie hätte kein Problem mit Hoferweiterungen, wenn die Landwirte die Arbeit mit den bisherigen Tieren ausweiten würden. „Doch hier reden wir über komplett unterschiedliche Materien, wenn von Bullen auf Hähnchen umgestiegen wird.“

SPD soll Konzept vorlegen

Erster Samtgemeinderat Christian Rüve stellte klar, dass es bei den beiden Vorhaben nicht um neue Flächen, sondern um Verlagerungen gehe. Und auch der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins, Josef Kolbeck, griff in der Einwohnerfragestunde noch einmal das Thema auf. „Ich erwarte, dass die SPD uns ein Konzept für den Erhalt der Landwirtschaft vorlegt und nicht nur gegen alles ist.“ Scholübbers reagierte direkt: „Das ist nicht unsere Aufgabe. Eines ist aber klar: So kann es nicht weitergehen.“


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