Projekt in Werlte durchgeführt Oberschüler erforschen ihre Familiengeschichte

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Die Werlter Schüler haben ihre Familiengeschichte erforscht. Foto: Emsländische LandschaftDie Werlter Schüler haben ihre Familiengeschichte erforscht. Foto: Emsländische Landschaft

Werlte. Unter dem Motto „Familiengeschichte als Migrationsgeschichte“ hat der Migrationsforscher der Universität Osnabrück, Professor Christoph Rass, jetzt mit Schülern der Albert-Trautmann-Schule in Werlte einen Workshop durchgeführt.

Bereits im Vorfeld hatten sich die Sechstklässler, unterstützt durch ihre Lehrerin Lydia Horstmann, auf Spurensuche begeben und ihre Familiengeschichte über Dokumente und Interviews mit Familienangehörigen rekonstruiert. Über vier Generationen – also über rund ein Jahrhundert – sammelten sie die Lebensdaten und Wohnorte von sich selbst, ihren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern.

Anschließend wurden auf Grundlage dieser Daten für jeden Schüler ein sogenanntes GIS-Modell erstellt, das die Wanderbewegungen der Familie auf dem Papier nachvollziehbar macht.

Dabei entdeckten die Schüler zum Teil Überraschendes, denn besonders die Wanderbewegungen ihrer Urgroßeltern wurden im 20. Jahrhundert durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. Stationierungen in Russland während des Krieges oder die Vertreibung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten führte dazu, dass oftmals weite Strecken durch Europa zurückgelegt wurden.

Prägend für die Region Emsland waren in der jüngsten Geschichte der Zuzug der Spätaussiedler zu Beginn der 1990er Jahre, der sich auch in den Familienwanderungen der Kinder der Klasse 6b niederschlägt. Etwa die Hälfte der Schüler konnte diese Wanderbewegung auf ihren Karten nachvollziehen.

Zu zeigen, dass Migration und Mobilität Phänomene sind, von denen die meisten Familien im Laufe der Geschichte betroffen sind, ist das Anliegen von Christoph Rass. „Migration ist aus Sicht der Historiker kein neuer Prozess. Menschen sind auf lange Sicht fast immer unterwegs. Dabei wechseln sich Sesshaftigkeit und Mobilität ab“, so der Forscher.

Und es seien nicht etwa die Sesshaften, die in der Mehrzahl sind. Das Leben des Großteils der Menschen zeichne sich durch Mobilität aus. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben Flucht, Vertreibung und Kriegen spielten auch Arbeitsmigration und Abenteuerlust eine Rolle, so Rass.


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