Bilder aus der Vergangenheit Historiker aus der Region tagen in Rastdorf

Forschungsergebnisse vorgestellt, von links: Paul Thoben, Stellvertretender Vorsitzender der Studiengesellschaft, Johannes Hoffmeister, Sören Groß, Heinz Klene und Wilhelm Rülander, Vorsitzender der Studiengesellschaft. Foto: Manfred FickersForschungsergebnisse vorgestellt, von links: Paul Thoben, Stellvertretender Vorsitzender der Studiengesellschaft, Johannes Hoffmeister, Sören Groß, Heinz Klene und Wilhelm Rülander, Vorsitzender der Studiengesellschaft. Foto: Manfred Fickers

Rastdorf. Das 75-jährige Bestehen machte Rastdorf zum richtigen Ort für die Jahrestagung und Mitgliederversammlung der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte. In Vorträgen berichteten Historiker darüber, wie sie Forschungslücken schließen.

Bürgermeister Hans Flüteotto war überrascht, wie groß das Interesse war, ebenso der stellvertretende Vorsitzende der Studiengesellschaft, Paul Thoben, der die Tagung leitete. Im Heimathaus wurden die Sitzplätze knapp. Heinz Kleene, Meppen, sprach über die Geschichte des Hümmlng-Dorfes Wahn, das der Erweiterung des Krupp’schen Schießplatzes 1936 bis 1943 weichen musste. Er stellte dabei den engen Zusammenhalt der Wahner heraus, der bis heute zu spüren ist. Umgesiedelt wurden die Wahner, aber auch andere Bewohner von Ortschaften am Schießplatzrand in die vor 75 Jahren gegründeten Ortschaften Lathen-Wah n und Rastdorf , aber auch in den Osten Deutschlands und ab 1940 ins deutsch besetzte Polen. Von dort flüchteten viele 1945 zurück ins Emsland.

Sören Groß aus Jena berichtete vom Forschungsprojekt zu Friedrike Wieking, die 1891 in Gildehaus geboren worden ist. Nach der Ausbildung zur Staatlich anerkannten Wohlfahrtspflegerin arbeiteten sie in Fürsorgestellen für „sittlich gefährdete“ Mädchen und Frauen. In Berlin gehörte sie von Anfang an zur 1927 gegründeten Weiblichen Kriminalpolizei. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten richtete sie sich an deren politischen Zielen aus. Wieking wurden die ab 1940 geschaffenen Jugendkonzentrationslager unterstellt. Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte sie 1943, als sie zur Regierungsdirektorin im Reichskriminalamt befördert wurde. 1945 wurde sie vom sowjetischen Geheimdienst NKWD inhaftiert und saß bis 1950 in Lagern ein, ohne dass ihr ein Prozess gemacht wurde. Bis zu ihrem Tod 1958 lebe sie in West-Berlin.

Auf bislang kaum bekannte Quellen zur Geschichte der Region machte Johannes Hoffmeister, Münster, aufmerksam. Er hat die Fotosammlung des Naturfotografen und Naturschützers Hermann Reichling (1890 – 1948) ausgewertet. Der damalige Leiter des Provinzialmuseums für Naturkunde Münster unternahm Reisen in das Weser-Ems-Gebiet, bei der er Pflanze, Tiere, Landschaften, aber auch die Einwohner mit der Kamera portraitierte und dabei den Wandel dokumentierte. Das Gildehäuser Venn, das Dalum-Wietmarscher Moor , die Heidelandschaften des Hümmling finden sich unter den Motiven, aber auch der Bau von Dalum-Siedlung ist bildlich festgehalten worden.

Mehrere tausend Glasplattennegative aus dem Nachlass von Reichling sind vom LWL-Museumsamt seit 2013 digitalisiert worden. Ein Bildband soll ab dem 17. November im Buchhandel sein, kündigte Hoffmeister an. Im LWL-Museum für Naturkunde in Münster wird eine Auswahl ab dem 18. November 2016 in einer Ausstellung zu sehen sein, die bis Oktober 2018 durch mehrere Orte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen reist. 5000 Fotografien sind unter www.reichling-fotosammlung.lwl.org zu finden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN