Jüngste Hümmlinggemeinde Rastdorf feiert 75-jähriges Bestehen mit rund 400 Gästen

Von Hermann-Josef Döbber

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Rastdorf. Hervorragend angekommen ist bei knapp 400 Gästen der Festkommers, mit dem die Gemeinde Rastdorf am Freitagabend die dreitägigen Veranstaltungen zum 75-jährigen Bestehen des Ortes begann. Parallel damit feierte die jüngste Gemeinde auf dem Hümmling ihre traditionelle Kirmes.

Ein sichtlich stolzer Bürgermeister Hans Flüteotte unternahm in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste zu Beginn der Feier „einen kleinen Gang durch die Geschichte der Gemeinde Rastdorf, die vom Ehrenamt getragen wird.“ Er erinnerte zunächst an die Gründung infolge der Erweiterung des Kruppschen Schießplatzes. 101 der Wahner Familien hätten in Rastdorf eine neue Heimat gefunden. „97 betrieben anfangs Landwirtschaft, vier bauten sich einen Handwerksbetrieb auf.“ Im Lauf der Jahre habe sich vieles grundlegend geändert. „Handwerk und Industrie haben Oberhand bekommen, auch durch das vor rund 15 Jahren angelegte Gewerbegebiet.“

Ein festes Standbein im Ort seien zudem Menschen geworden, die den Metropolen den Rücken gekehrt hätten. Im Zuge der Dorferneuerung sei auch ein Dorfladen entstanden. „Diese Einkaufsmöglichkeit ist ein Glücksfall für Rastdorf, viele andere Orte sind inzwischen unserer Initiative gefolgt.“

Eine wirkungsvolle, im wesentlichen ehrenamtliche Hilfe für ältere Einwohner sei die von Brigitte Sturm vor rund vier Jahren ins Leben gerufene Generations- und Nachbarschaftshilfe. „Eine Gruppe engagiert sich, um bedürftigen, alten und kranken Menschen zur Seite zu stehen“.

Früh habe sich der knapp 1000 Einwohner zählende Ort auch für die Aufnahme von Flüchtlingen geöffnet, großgeschrieben werde in den Vereinen und Organisationen das ehrenamtliche Engagement. Das belege das mit viel Liebe und Freude vorbereitete Ortsjubiläum. Flüteotte abschließend: „Die Gemeinde hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.“

Daran anschließend wurden Grußworte gesprochen, unter anderem von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) und Kreisrätin Sigrid Kraujuttis. Die Sozialdezernentin ging auf das Ortswappen ein. „Die acht zu einer Garbe gebundenen Ähren weisen auf die acht Gemeinden hin, aus denen die ersten Siedler nach Rastdorf kamen. Die Ähren stehen gleichzeitig für den Erfolg in der neuen Heimat.“ Kraujuttis bezeichnete Rastdorf als einen besonderen Ort, der im Herzen zusammengehalten und sogar um seine Dorfkneipe beneidet wird.

Moderatorin Hedwig Ahrens führte einige Kurzinterviews im Rahmen einer Gesprächsrunde. Der 85-jährige Hans Jordan schilderte als Zeitzeuge die letzten Wochen in Wahn („es gab große Unruhe in der Familie“) und den Wohnortwechsel nach Rastdorf („ein fremdes Dorf“). Der ehemalige Nordhümmlinger Samtgemeindedirektor Wulfhard Kintz war als Kleinkind mit zwei Geschwistern und der Mutter als Flüchtling nach Rastdorf gekommen : „Wir waren als arme Familie dankbar für jede Hand, die uns gereicht wurde.“ Die ehemalige Schulleiterin Angela Schlömer schilderte das Bildungswesen, der aus der Gemeinde hervorgegangene Kaplan Markus Brinker die Kirchengeschichte.

Zur guten Stimmung des knapp dreistündigen Kommersabends trugen die „Rastdörper Burloss-Speelers“, der Kirchenchor unter der Leitung von Renate Biener, der Musikverein „Heidegruß“ Lorup und eine von der Frauengruppe des Heimatvereins Rastdorf präsentierte Modenschau bei. Angela Schlömer moderierte die Darbietung mit Szenen aus dem Alltag eines Hümmlingdorfes im vergangenen Jahrhundert.

Am zweiten Festtag standen zunächst ein Kinderflohmarkt und buntes Markttreiben im Blickpunkt, bevor am Abend ein plattdeutscher Gottesdienst im Festzelt folgte. Im Anschluss wurde unter einer Erntekrone getanzt. Krönender Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen war am Sonntagnachmittag ein historischer Umzug durch die Gemeinde mit insgesamt 46 Fußgruppen und Motivwagen. Mehrere Hundert Zuschauer säumten die Straßen des Ortes.


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