Wildtierbestände stark gesunken Jäger im Emsland wettern gegen die Jagdsteuer

Darüber, dass die Jagdsteuer noch immer Bestand hat, machten sich Thomas Schomaker (links), Vorsitzender des Hegerings Werlte und der Kreisjägermeister Wilhelm Klumpe Luft. Foto: Maike PlaggenborgDarüber, dass die Jagdsteuer noch immer Bestand hat, machten sich Thomas Schomaker (links), Vorsitzender des Hegerings Werlte und der Kreisjägermeister Wilhelm Klumpe Luft. Foto: Maike Plaggenborg

Werlte. Die Jäger im Landkreis fordern die Abschaffung der Jagdsteuer. Ihrem Ziel wollen sie zunächst mit einer Unterschriftenaktion näher kommen.

„Wir werden das Fallwild in Zukunft liegen lassen, wenn man nicht mit uns verhandeln will“, sagt Kreisjägermeister Wilhelm Klumpe. Seit zehn Jahren sei das Thema Jagdsteuer in den Hegeringen des Landkreises präsent, und man habe immer im Guten versucht, Gespräche zu führen. Nun aber scheint es Ihnen genug. Bereits im Januar hätten die Jäger eine Unterschriftenaktion gegen die Verordnung gestartet. „Die Hegeringsleiter haben ihre Mitglieder angesprochen, und die wiederum Verwandte und Bekannte“, sagt Klumpe. Inzwischen schätzt er die Zahl der Unterzeichner – Jäger und Nichtjäger – auf mehr als 5000.

Zehn Prozent vom Pachtpreis

Im Emsland geht die Steuerpflicht von jährlich zehn Prozent des Pachtpreises für die Jäger im Landkreis auf eine vom Kreistag beschlossene Satzung vom Mai 1979 zurück. „Die Jagdsteuer stammt aus einer kurfürstlichen Zeit, wo man noch Geld mit dem Fleisch verdient hat“, sagt Klumpe. „Gegenstand der Steuer ist die Ausübung des Jagdrechts (§ 1 des Bundesjagdgesetzes) auf Grundstücken eines im Kreisgebiet liegenden Jagdbezirks“, besagt Paragraph eins der Jagdsteuersatzung. Und das Bundesjagdgesetz wiederum erlaubt die Hege durch Jagd sowie die Aneignung der erlegten Tiere. Gleichzeitig ist damit die Pflicht verbunden, durch Jagd zur Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildbestandes beizutragen.

Zu wenig Insektenlebensraum führt zu geringerem Fasanenbestand

Gerade der Bestand ist laut Klumpe aber ein Problem. „Die Reviere sind leer“, sagt er. Fasane etwa habe es im Jahr 2008 noch 12.000 gegeben, heute seien es weniger als 2.000. „Jungfasane brauchen tierisches Eiweiß“, sagt Klumpe. Das bekämen sie, indem sie Insekten fräßen, doch es gebe zu wenig. „Früher musste man an der Tankstelle die Insekten von der Windschutzscheibe des Autos kratzen“, so der Kreisjägermeister. Doch auch die kleinen Tiere hätten nicht mehr genug Lebensraum. Es gebe zu wenig Sträucher und Bäume. Die Jäger kämpften seit Jahren um Wegeseitenräume, denn Landwirte ackerten bis an den Asphalt heran. Blühstreifen hätten die Jäger bereits auf eigene Kosten mit 400.000 Euro aus dem Biotopfonds finanziert, sagt Thomas Schomaker , Vorsitzender des Hegerings Werlte.

Was die Steuer angeht, so sollten alle Naturnutzer zahlen, meint Klumpe. Bootsfahrer oder Pferdehalter etwa. „Man tut so, als wären wir so elitär.“ Die Jäger im Landkreis seien außerdem ehrenamtlich tätig. So organisierten sie etwa Waldjugendspiele.

Wie der Landkreis derzeit zum Thema steht, ist unbekannt. Eine entsprechende Anfrage vom Mittwochvormittag ist nicht rechtzeitig beantwortet worden.

Jagdsteuer Thema bei Jahreshauptversammlung

Die Unterschriftenaktion gegen die Jagdsteuer soll noch bis Mitte Mai gehen. Dann sollen die Listen an den Landkreis übergeben werden, und die Jäger wollen einen neuen Antrag beim Kreistag stellen, sagt Klumpe. Zuvor aber werde das Thema bei der Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Aschendorf-Hümmling heute Abend in Sögel besprochen. Klumpe rechnet mit 300-350 Besuchern.


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