Dorffrieden steht auf dem Spiel Landwirt verzichtet auf Stallbau in Bockholte

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Im Werlter Ortsteil Bockholte wird der ortsansässige Landwirt Heinz Breer nun doch keine zwei weiteren Legehennenställe zur Bruteierproduktion bauen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaIm Werlter Ortsteil Bockholte wird der ortsansässige Landwirt Heinz Breer nun doch keine zwei weiteren Legehennenställe zur Bruteierproduktion bauen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Bockholte. Im Werlter Ortsteil Bockholte wird der ortsansässige Landwirt Heinz Breer nun doch keine zwei weiteren Legehennenställe zur Bruteierproduktion bauen. Die Suche nach einem alternativen Standort ist gescheitert. Partout durchdrücken will er sein Vorhaben um den Preis des Dorffriedens aber auch nicht.

Der ursprüngliche Plan Breers war es, in dem ihm von der Gemeinde per Bebauungsplan zugewiesenen Baufenster an der Kreisstraße zwischen Bockholte und Vrees zwei Legehennenställe zur Bruteierproduktion mit Abluftreinigungsanlagen zu errichten. Bis zu 50000 Hühner sollten hier Platz finden können. Die hätten sich dann gegenüber seiner bestehenden Stallanlage befunden. Im Gegenzug wollte der Landwirt einen Schweinemaststall mit knapp 1000 Plätzen stilllegen. Dieser befindet mitten im Ort, nur gut 120 Meter von der Kirche entfernt.

170 Bürger gegen geplanten Stallbau

Allerdings regte sich in der unmittelbaren Nachbarschaft und später auch im Dorf via Unterschriftenliste Widerstand gegen das Vorhaben. Rund 170 Unterzeichner hatten sich laut Landwirt Breer gegen den Bau der Stallanlage ausgesprochen. Parallel fand in den Gremien der Gemeinde Werlte und der Samtgemeinde Werlte zu dem Vorhaben ebenfalls eine kontroverse Diskussion statt. Anlass war die nach neuem Baurecht zwingend erforderliche Ausweisung des Baufensters als Sondergebiet. Die Opposition lehnte unter Verweis auf bestehende Belastungen und neu hinzukommende das Vorhaben rundheraus ab. Die CDU-Mehrheitsfraktion beharrte indes darauf, daran festzuhalten, Landwirten Stallbauten in den ihnen eigens für diesen Zweck zugewiesenen Baufenstern zu ermöglichen – so auch in diesem Fall. Auch Bürger aus Bockholte nutzten die Sitzungen, um ihre Bedenken gegen die Pläne vorzutragen. (Weiterlesen: Diskussion um Stallbauten in Werlte und Weg geebnet für Stallbau in Bockholte )

Alternativen Standort gefunden

Angesichts der streitigen Umstände suchten die Gemeindeverwaltung, der Arbeitskreis „Steuerung Tierhaltungsanlagen“ der Gemeinde und Landwirt Breer intensiv nach einem alternativen Standort, um das Millionenprojekt ohne Bürgerproteste in die Tat umsetzen zu können. Wie Gemeindedirektor Ludger Kewe auf Anfrage erklärte, sei dies an anderer Stelle in Bockholte auch gelungen. Doch in der vergangenen Woche habe der Antragsteller ihm mitgeteilt, dass er aus wirtschaftlichen Gründen nun sein Vorhaben ruhen lassen will.

Kosten laufen aus dem Ruder

Der Grund ist laut Heinz Breer: „Uns laufen dann die Kosten aus dem Ruder.“ Es müsse eine komplett neue Erschließung eingerichtet werden, rund 300 Meter Straße müssten Lkw-tauglich gebaut werden, es müsse eine vorschriftsgemäße Anbindung an die Kreisstraße her und auch der Erwerb der Fläche schlage mit zusätzlichen Kosten zu Buche. Wie hoch die Mehrkosten sind, wollte Breer auf Anfrage nicht beziffern. Es handelt sich aber nach Informationen unserer Redaktion um einen deutlich sechsstelligen Betrag. „Wir haben den Bleistift noch einmal angespitzt, aber es bleibt nur ein minimaler Gewinn“, ist der alternative Standort am Ende doch zu keiner ernsthaften Option geworden.

Zustände wie in Bockhorst?

Da die sich der Stallbau im betriebseigenen Baufenster an der Kreisstraße aber nur verwirklichen lässt, wenn Breers damit den Dorffrieden aufs Spiel setzen, will die Familie es nun vorerst ganz sein lassen. „Bevor wir unsere Enkel nicht mehr zur Schule schicken können, ohne das sie gemobbt werden, lassen wir es lieber erst einmal ruhen.“ Heinz Breer befürchtet, dass sich im weiteren Verfahren ähnliche Zustände einstellen könnten, wie etwa in Bockhorst. Hier sorgt bereits seit Jahren ein umstrittenes Stallbauvorhaben für Zwist im Dorf. Das wollen er und seine Familie aber nicht riskieren.

Kewe: Chance vertan

Gemeindedirektor Ludger Kewe ist von der jüngsten Entwicklung nicht begeistert. Er hatte sich erhofft, dass der alternative Standort „zum Tragen kommt“, denn auch dann hätte Landwirt Breer im Ortskern seinen Maststall stillgelegt und damit neuen Raum für dörfliche Entwicklung, insbesondere im Bereich Wohnen, geschaffen. „Da ist eine Chance vertan worden. Der Stall im Ort bleibt nun für die nächsten Jahre erhalten“, so der Gemeindedirektor. Auf der anderen Seite sei die Entscheidung des Landwirts eine respektable: „Den sozialen Frieden im Dorf über die eigenen Interessen zu stellen, verdient hohe Anerkennung.“


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