Nach 47 Jahren am Steuer Busfahrer „Günter“ aus Werlte geht in den Ruhestand

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Werlte. Busfahrer Günter Ehlers aus Werlte geht im Alter von 75 Jahren und nach 47 Jahren im Linienverkehr in den Ruhestand. Nach eigenen Schätzungen ist er in dieser Zeit etwas mehr als 2,5 Millionen Kilometer gefahren und hat Tausende Schüler auf dem Hümmling befördert. Mitgezählt hat „Günter“ nicht, unter dem Namen sie ihn 47 Jahre lang angesprochen haben.

Ehlers wurde am 12. Mai 1940 im niedersächsischen Wietzetze, einem Ortsteil der Stadt Hitzacker im Landkreis Lüchow-Dannenberg, geboren. Nach mehreren Stationen als Kraftfahrer fand der gelernte Kfz-Handwerker den Weg am 26. August 1968 zum damaligen Papenburger Unternehmen Auto Fischer, das heute Fischer Bus heißt. „Ich wollte aber nicht im Reiseverkehr fahren, weil ich jahrelang im Fernverkehr unterwegs war“, sagt Ehlers. „Es ist schöner, im Linienverkehr zu fahren.“

Immer die gleiche Linie

Seine Hauptlinie war die Strecke von Werlte über Spahnharrenstätte, Sögel, Werpeloh und Börger nach Börgermoor. „Im Prinzip war ich immer auf der gleichen Linie im Einsatz“, sagt der 75-Jährige. Morgens ist er nach eigenen Angaben meistens gegen 5.45 Uhr aufgestanden und zur Bushalle in Werlte gefahren, wo sein Bus nachts stand. „Die Halle steht dort, wo die Kreisbahn ihr Depot hatte.“ Etwa gegen halb sieben habe er sich dann mit dem Bus auf den Weg nach Börgerwald gemacht. „Ich habe unterwegs die Berufsschüler eingesammelt, die nach Papenburg mussten.“

Bustausch in Börgerwald

In Börgerwald hat laut Ehlers gegen 7.20 Uhr ein Buswechsel stattgefunden. „Ich habe dort mit dem Fahrer des Busses, der aus Papenburg kam, getauscht und bin zurückgefahren“, berichtet er. Auf dem Rückweg habe er Realschüler und Gymnasiasten mitgenommen, diese nach Sögel zur Schule gebracht, ist weiter über Spahnharrenstätte nach Lorup gefahren und gegen 8.15 Uhr wieder in Werlte eingetroffen. „Auf der Strecke nach Lorup bin ich in den vergangenen zwölf Jahren aber nicht mehr unterwegs gewesen.“

Am Busmikrofon entschuldigt

In den 47 Jahren als Busfahrer hat Ehlers eine Menge erlebt. Eine Geschichte ist ihm aber besonders gut in Erinnerung geblieben. „Einmal hat mich ein Schüler beleidigt. Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass er sich entschuldigen soll, ansonsten dürfte er nicht mehr mitfahren“, erzählt der Werlter. Trotz der ausbleibenden Entschuldigung habe er den Jungen eine Woche lang weiter im Bus mitgenommen. Danach habe er sich erkundigt, wo der Schüler wohnt, und sei mit dem Bus morgens zu dessen Eltern gefahren. „Ich habe an der Tür geklingelt und dem Vater alles erklärt“, erinnert Ehlers sich. „Der Schüler hat sich dann vorne im Bus vor versammelter Mannschaft mit Mikrofon bei mir entschuldigt.“ Dann sei die Sache für ihn erledigt gewesen.

„Moin Günter“

Sowieso hat Ehlers nach eigenen Aussagen immer ein gutes Verhältnis zu den Schülern gehabt. „Sie waren immer höflich, sodass mir die Arbeit immer Spaß gemacht hat“, sagt er. „Wenn die Schüler morgens vorne in den Bus eingestiegen sind und ‚Moin Günter‘ gesagt haben, dann hat sich das gut angehört“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Er hat in den fast 50 Jahren nach eigenen Aussagen eine Menge Schüler gefahren. „Manche haben inzwischen sogar schon Silberhochzeit gefeiert.“ Zu den Fahrgästen des zweifachen Vaters und vierfachen Großvaters Günter gehörte auch schon seine Enkeltochter, die er nach Papenburg gebracht hat. „Sie geht dort zur Berufsschule.“

Aus Spaß weitergemacht

Eigentlich hätte der 75-Jährige schon vor zehn Jahren in den Ruhestand gehen können. „Ich habe aber aus Spaß weitergemacht“, sagt Ehlers. „Jetzt ist aber Schluss.“ Er wolle nun das Rentnerleben kennenlernen und seinen Hobbies, Schwimmen und Rockmusik hören, nachgehen. „Ich möchte mich bei allen Schülern bedanken“, sagt er abschließend.


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