„Goldener Hahn“ sucht Zuhause Anika Börris aus Werlte züchtet seltene Hühnerrassen


Werlte. Ostfriesische Möwen vermutet man zu Recht eher an der Nordseeküste und vielleicht auch noch entlang der Ems bis Herbrum. Doch weit gefehlt, die „Ostfriesischen Möwen“, die Anika Börris aus Werlte hält, gehören zu der Spezies der Hühner. Bei ihr stelzen sie jedoch nicht durch das Gehege, um vornehmlich Eier für den Verzehr zu legen. Vielmehr geht es der jungen Frau um den Erhalt dieser inzwischen sehr seltenen Rasse.

Ihre Recherchen ergaben, dass es 2013 von den „Ostfriesischen Goldmöwen“ in Deutschland 31 männliche und 97 weibliche Tiere gab. Die Silbermöwen hingegen sind weiter verbreitet. Rund 1000 Tiere gibt es in Deutschland. Daher fasste Borris vor etwa zwei Jahren den Entschluss, seltene Hühner, also „Goldene Möwen“, zu züchten. „Mein Blick richtet sich auf alte Haustierrassen aus der Region Emsland, Ostfriesland und Grafschaft Bentheim, also auf Geflügel, das wegen der modernen Tierhaltung in Vergessenheit geraten ist“, so Börris.

In ihrem Wohnort Werlte fand sie zwar keinen Platz, doch als sie ihrer 90-jährigen Großmutter aus dem Nachbarort Lindern von ihren Plänen erzählte, fand sie in ihr sofort eine Unterstützerin.

Ostfriesische Möwen besitzen laut Börris hervorragende Nutzungseigenschaften. Sie gelten als robust, sind überaus beweglich und „wetterhart“. Wenngleich ihre Legeleistung mit rund 180 Eiern pro Jahr nicht an die der heutigen Standardhühner heranreicht, so liefern sie doch hervorragendes Fleisch.

„Die sind sehr lebhaft und agil und würden auch fliegen, wenn sie können“, so die Züchterin. Diese in Vergessenheit geratenen Rassen seien mehr als nur Eier- und Fleischlieferanten. „Das ist Kulturgut, etwas Landschaftstypisches und Identitätsstiftendes.“ Der Pflegeaufwand für die Tiere hält sich nach ihren Worten in Grenzen.

Etwas genauer verfolgt sie derzeit die Nachrichten. Seitdem ein neuer Fall von Vogelgrippe im Emsland bekannt wurde, macht sie sich schon Gedanken. „Das ist für einen Züchter seltener Rassen natürlich nicht das, was man sich vorstellen mag.“

Wenngleich ihre Goldmöwen sehr selten sind, muss sie sich von einem Tier trennen. Es ist ein Hahn, der im April mit einem Bruder geschlüpft ist. „Zwei Hähne auf einem Hof geht zwar gut, solange sie jung sind, doch irgendwann kommen die Hormone ins Spiel“, sagt sie. Dann würden sie sich als Kontrahenten betrachten und bei jeder Gelegenheit beharken. Daher sucht sie jemanden, der ein dauerhaftes Zuhause für ihren Zweithahn bieten kann.