Wetteinsatz wird nicht eingelöst MRSA-Wette: Beide Seiten sehen sich als Gewinner

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Ende Mai unterzogen sich im Vorfeld der Generalversammlung der EZG-Hümmling in Lorup 355 Menschen einem Test auf MRSA-Keime. Foto: Gerd Schade/ArchivEnde Mai unterzogen sich im Vorfeld der Generalversammlung der EZG-Hümmling in Lorup 355 Menschen einem Test auf MRSA-Keime. Foto: Gerd Schade/Archiv

Papenburg. Die MRSA-Wette zwischen Bernd Terhalle, Geschäftsführer der in Lorup ansässigen Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh Hümmling, und dem Surwolder Hermann-Josef Schomakers, Sprecher der Anwohnerinitiative (AI) Nordhümmling, hat offenbar keinen Verlierer. Beide Seiten sehen sich als Gewinner, und daher wird auch der Wetteinsatz – 500 Euro für eine gemeinnützige Organisation – nicht eingelöst.

Bei der spontan entstandenen Wette hatte Terhalle angekündigt, den Nachweis antreten zu wollen, dass Landwirte nicht häufiger vom multiresistenten Krankenhauskeim (HA-MRSA) besiedelt sind als die übrige Bevölkerung. Das war auch gelungen. Ende Mai hatten sich in Lorup 355 Landwirte und Mitarbeiter der EZG testen lassen. Bei nur zwei Personen wurde der Keim gefunden, woraufhin die EZG den Wettsieg für sich reklamierte.

Hermann-Josef Schomakers indes sieht die Sache anders. Auf Anfrage unserer sagte er: „Wir haben die Wette nicht verloren, das ist die andere Seite.“ Es sei von Anfang an nicht um die multiresistenten HA-Keime gegangen, sondern um die in der Landwirtschaft verbreiteten Keime LA-MRSA. „Alles andere hätte auch keinen Zweck gehabt“, so Schomakers. Da der Test aber bei 38 Prozent der Landwirte LA-Keime nachgewiesen hat, sieht sich die AI auch auf der Gewinnerseite.

Die Folge ist nun, dass Schomakers die EZG in der Pflicht sieht, den Wetteinsatz zu zahlen, wohingegen die EZG die Maststallgegner in Pflicht sieht, die 500 Euro zu zahlen. Auf Nachfrage erklärte EZG-Geschäftsführer Terhalle, dass man aber bereit wäre, sich den Wetteinsatz für einen guten Zweck zu teilen. Darauf will sich die Anwohnerinitiative aber nicht einlassen. Wie Schomakers erklärte, tue man als AI jeden Tag Gutes. Insgesamt habe man für den Einsatz gegen Maststallbauten bereits rund 50000 Euro berappt, um aktiv vorgehen zu können. „Wir sind auch in Zukunft fest entschlossen, bis ganz nach oben zu gehen“, kündigt Schomakers gegenüber unserer Redaktion eine weiterhin harte Gangart an.

Die MRSA-Wette habe indes für die AI nicht besser laufen können. „Viele kannten bis dahin den Unterschied zwischen den einzelnen Keimen nicht“, so der AI-Sprecher. Das große Medienecho habe dazu beigetragen, dass sich des Problems nun noch mehr angenommen werde.

EZG-Geschäftsführer Terhalle sieht das ähnlich: „Unser Ziel war es, die Leute wach zu machen und zu zeigen, dass pauschale Verurteilungen nicht richtig sind.“ Die EZG werde sich weiter mit dem Thema LA-MRSA beschäftigen. Unter anderem wolle man die Landwirte zusätzlich informieren, aber auch hinterfragen, wieso nicht alle Landwirte von LA-MRSA besiedelt sind, obwohl aber alle Tiere haben.


Was sind MRSA?

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind Keime, die beim Menschen unter anderem Wundinfektionen und Entzündungen der Atemwege hervorrufen können und gegen bestimmte Antibiotika resistent sind. Es werden drei große Gruppen unterschieden:

HA-MRSA (hospital acquired), die vor allem in Krankenhäusern übertragen werden.

CA- MRSA (community acquired), die außerhalb von Krankenhäusern von Mensch zu Mensch übertragen werden.

LA-MRSA (lifestock acquired), die bei Nutz-und Haustieren verbreitet sind. Sie werden vor allem bei Menschen gefunden, die beruflich mit Nutztieren Kontakt haben.

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