Ältester Verein im Nordkreis Keine zwei Nikoläuse in einer Straße in Wehm

Von Jan-Hendrik Kuntze


Wehm. Während der Heilige St. Nikolaus in Schokoladenform bereits zahlreiche Supermärkte erobert hat, wird er in einem Monat auch leibhaftig von Haus zu Haus ziehen. Dafür sorgen zahlreiche Nikolausvereine im nördlichen Emsland. In Wehm bei Werlte ist nach eigenen Angaben der älteste seiner Art im Nordkreis beheimatet. Großer Aufwand wird für die Nikolausbesuche betrieben – von einem Verein, dessen Gründung auf „Streiche junger Burschen zurückgeht.

Die Süßigkeiten sind schon bestellt, erzählt Hermann Hoormann. Der Vorsitzende des Nikolausvereins Wehm muss sich schon im September sputen, die Tausende Süßigkeiten beim Großhändler zu ordern. „Sonst sind schon die Osterhasen in der Produktion“, fügt Hoormann mit einem Schmunzeln hinzu. Gekauft werden die Schleckereien mit Spenden, die von den Dorfbewohnern erbeten werden. Gepackt werden die Tüten mithilfe der über 30 Vereinsmitglieder am Vorabend des Nikolausbesuches.

Sechs Gruppen, bestehend aus einem Nikolaus, einem Knecht Ruprecht sowie einem als „Mohr“ verkleideten Begleiter, sind in Wehm stets am 5. Dezember unterwegs. Auch im vergangenen Jahr, als wetterbedingt der Zug um die Häuser fast abgesagt werden musste.

Fester Tagesablauf

Der Tag hat einen festen Ablauf: Einer der sechs Nikoläuse muss bereits am Vormittag seinen Dienst antreten. Der Besuch der Grundschulkinder steht auf dem Programm. Nicht nur Nikolaustüten gibt es für die Kleinen. Die Klassenlehrer reichen zuvor Zettel beim Verein ein, auf denen nicht nur positive Dinge notiert sind, die vom Nikolaus angesprochen werden.

Nachmittags kommen die weiteren fünf Gruppen zusammen, um sich schminken zu lassen und die Kostüme anzulegen. Die Ausstattungskosten für eine Gruppe schätzt Hoormann auf rund 2000 Euro. Die Kostüme werden von seiner Frau gereinigt und zur Not instand gesetzt. Ab 15 Uhr treten die sechs Gruppen vor die Tür, um ihre Route abzulaufen. Diese wurden vorher von Hoormann in mühsamer Kleinarbeit konzipiert. Oberstes Gebot dabei ist, den Kinderglauben an den Nikolaus nicht zu erschüttern. „Zu keinem Zeitpunkt dürfen in einer Straße zwei Nikoläuse unterwegs sein“, erläutert Hoormann die Karte des Dorfes, dessen Straßen er in sechs unterschiedlichen Farben markiert hat.

Nach dem Rundgang durch alle Haushalte wird ab 20 Uhr in der Gaststätte Benten mit Auftritten des Theater- und Männergesangvereins gefeiert. Einer der Nikoläuse hält auch hier eine Rede, die bis vor einem Jahrzehnt noch stets in Reimform gehalten wurde.

Ursprünglich war der Verein vom Männergesangverein ins Leben gerufen worden. Im Jahr 1928 stellte der damalige Bürgermeister Wilhelm Kösters mit Unmut fest, dass die „jungen Burschen oft allerlei Unfug“ trieben, wie es in der Schulchronik geschrieben steht. Um diesen Umtrieben Einhalt zu gebieten, hob er die Nikolausbesuche aus der Taufe. Bei so mancher Ansprache vom Nikolaus wird auch heute noch so manches aufmüpfige Kind zahm wie ein Lämmchen.