Julia Kleene aus Vrees in Uganda „Die Kinder lieben es, mich anzufassen“


Vrees. Fast zwei Monate ist Julia Kleene aus Vrees nun schon in dem afrikanischen Land Uganda. Sie wird ein Jahr lang in Soroti bleiben. Das Programm „Freiwillige Dienste im Ausland“ (FDA) des Bistums Osnabrück ermöglicht ihren Aufenthalt in dem Nachbarstaat Kenias. Über ihre ersten Erfahrungen hat sie einen Bericht verfasst:

Zusammen mit drei Priestern wohne ich im Pfarrhaus, und als „Lehrerin“ arbeite ich im Kindergarten, einer Grundschule und einem Mädcheninternat. Die Kindergartenkinder lieben es, mich anzufassen, um herauszufinden, ob sich meine Haut anders anfühlt. Wenn ich morgens mit dem Fahrrad auf das Schulgelände fahre, läuft ein Schwarm schreiender Kinder hinter mir her, um mich zu begrüßen. Ein Nachlassen dieser Euphorie ist auch nach über einem Monat nicht in Sicht. Die 6. Klasse, bestehend aus rund 70 Schülern zwischen 10 und 17 Jahren, unterrichte ich in katholischer Religion.

Zu meiner Überraschung bedanken sich die Schüler nach der Stunde für den Unterricht und bestehen jedes Mal darauf, dass ich ihnen ein paar deutsche Wörter beibringe. Mit so viel Interesse für die deutsche Sprache hatte ich nicht gerechnet. Im Mädcheninternat haben sich mittlerweile schon drei Deutschkurse gebildet, die ich wöchentlich unterrichte. „Wir möchten uns mit Deutschen anfreunden, weil wir denken, dass sie nette Leute sind“, erklärte eine Gruppe von Schülerinnen die Gründe ihrer Motivation. So manch eine Schülerin träumt auch von der Vorstellung, einen deutschen Mann zu heiraten. Durch den Unterricht, gemeinsame Gespräche oder Fußballspiele habe ich die Schüler sehr gern gewonnen und viel über ihre Lebenswelt erfahren.

Die Unterrichtsmethoden unterscheiden sich stark von denen in deutschen Schulen. Die tägliche Anwendung der Prügelstrafe hat mich anfangs sehr mitgenommen, weil ich damit nicht umzugehen wusste. Zudem stellt das Wäschewaschen mit der Hand eine nicht vorhergesehene Herausforderung dar. Meine Finger sind nach der Prozedur meistens blutig und die Kleidung selten wieder ganz sauber, aber wenigstens hat sich der Geruch nach der Handwäsche verbessert.

Doch die positiven Erlebnisse und Erfahrungen überwiegen bisher deutlich. Die Tatsache, dass es als unhöflich gilt, Essen abzulehnen, ist nur ein Grund von vielen, warum ich dieses Land jetzt schon liebe. Ich durfte schon eine traditionelle Hochzeit miterleben, mit der Bildungsministerin Jessica Alupo R. Epel frühstücken, und in einer Zeremonie habe ich einen Ateso-Namen bekommen – Teso ist die ansässige Volksgruppe, Ateso ist deren Verkehrssprache. Jeder Ateso-Name hat eine Bedeutung, die den Charakter der Person gewissermaßen widerspiegelt. Aus diesem Grund hatte ich die Befürchtung, elf Monate lang „die Unordentliche“ oder „die Hungrige“ genannt zu werden. Mein neuer Name, den ich mit sehr viel Stolz trage, lautet jedoch „Elaete“, was so viel wie „die Schöne“ oder „die Saubere“ bedeutet.

Zwar vermisse ich meine Heimat, meine Familie und meine Freunde, aber durch die Freundlichkeit der Ugander habe ich mich schnell eingelebt. In der Gemeinschaft der Gemeinde fühlte ich mich vom ersten Tag an willkommen und integriert. Wenn ich durch die Stadt fahre und mir viele „Muzungu“ (Kisuaheli für „weiße Person“) hinterherrufen, wird mir wieder bewusst, dass ich immer anders erscheinen werde und als weiße Person eine privilegierte Position einnehme.