„BeLu-Ugandahilfe“ gegründet Emsländer bauen Schule in Uganda

Von Anna Kröger

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Lorup/Kabango. Hilfe zur Selbsthilfe – unter dieses Motto haben Ludwig Wilkens aus Lorup und Bernd Rickermann aus Ahmsen ihre humanitäre Arbeit im ostafrikanischen Staat Uganda gestellt. Seit 2012 reisen sie regelmäßig nach Kabango, eine Ortschaft ohne Strom und sauberes Wasser, um die Lebensbedingungen der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung zu verbessern. Um eine noch breitere öffentliche Unterstützung ihrer Projekte in Gang zu bringen, haben die beiden Emsländer jetzt den Verein BeLu-Ugandahilfe gegründet.

„Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mit 65 Jahren mal auf dem Motorrad durch Kampala fahren würde“, sagt Bernd Rickermann schmunzelnd. Kampala ist die Hauptstadt Ugandas. Zusammen mit seinem Freund Ludwig Wilkens, Zimmermeister Stefan Plaggenborg, Elektroingenieur Frank Jülke, Elektriker Anton Borgmann und Dolmetscherin Sabrina Hackmann hat der Emsländer Anfang März die Reise zum zweitgrößten Kontinent der Welt angetreten, um in Kabango humanitäre Hilfe zu leisten. Dreieinhalb Wochen dauerte der ehrenamtliche Einsatz dieses Mal. „Es hat sich gelohnt. Wir haben richtig was geschafft“, zieht Wilkens Bilanz.

So hat das Team unter Mithilfe örtlicher Jugendlicher und Handwerker und in Zusammenarbeit mit dem ugandischen Pater Gerald eine Schule für 300 Kinder gebaut. „Es ist dort die erste Schule, die Licht, eine eingezogene Decke und Strom hat“, so Rickermann. Erzeugt wird die elektrische Energie mit einer auf dem Dach der Schule angebrachten Fotovoltaikanlage. Eine weitere Anlage montierten sie auf einem eigens dafür mitgeführten Container, um das örtliche Krankenhaus sowie eine Pumpstation mit Strom zu versorgen.

„Vorher konnten sie im Krankenhaus nicht einmal die Medikamente kühlen. Das ist kein Krankenhaus, wie wir es kennen. Es gibt keinen Arzt, nur eine Krankenschwester. Da legen auch schon mal Hühner ihre Eier“, berichtet Rickermann. Bei einem richtigen Notfall bleibe nur die rund vierzigminütige Fahrt über Hoppelwege in die nächstgrößere Stadt Hoima. Damit beide Fotovoltaikanlagen eine möglichst lange Lebensdauer haben, wurden zwei Einwohner Kabangos von Elektroingenieur Jülke und Elektriker Borgmann geschult, um künftig die Wartung vornehmen zu können.

Besonders beeindruckt sind beide von der Lebensfreude der Bevölkerung: „Sie sind zufrieden, obwohl sie nichts haben, und sie sind unheimlich dankbar.“ Sichtlich gerührt erzählt Rickermann von einer Begegnung mit einer Frau, die allein zehn Kinder großziehen und sich um ihren kranken Mann kümmern muss. „Als Mahlzeit gab es für die Kinder nur ein kleines Stück Banane. Da kam auf einmal das zweitjüngste Kind zu uns, um sein Stück mit uns zu teilen.“ Die Armut und das Elend – das gehe einem an die Nieren, sagen beide. „Kinder, die in Müllbergen nach Essbarem suchen. Das sind Bilder, die einen nicht mehr loslassen“, weiß Rickermann.

Solange sie beide noch laufen könnten, wollen sie deshalb weitermachen. Und die beiden Emsländer haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Unser Traum ist, dass wir noch erleben, dass ganz Kabango sauberes Wasser hat und keiner mehr zum Fluss laufen muss.“ Noch in diesem Jahr wollen sie daher den Bau eines mit Solarpumpe betriebenen Brunnens im Umfeld der neu errichteten Schule in Angriff nehmen. Rund 16000 Euro werde das Projekt kosten, so Rickermann.

Um auch die abgelegenen Hüttensiedlungen Kabangos mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, steht 2015 die Einrichtung einer Werkstatt auf der Agenda der humanitären Helfer. In dieser sollen die Einheimischen lernen, wie der Bau eines Brunnes mit einfachsten Mitteln gelingt. Unterstützt werden Rickermann und Wilkens bei dem Projekt von einem Brunnenbauer aus den Niederlanden, der bereits drei Jahre lang Entwicklungshilfe in Bolivien geleistet hat.

Nach dem Willen der Emsländer sollen neben den Bewohnern Kabangos so- bald wie möglich auch rund 34 Kindergartengartenkinder nebst drei Erzieherinnen in der fünf Stunden entfernt liegenden Stadt Masaka mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Als Quelle für das überlebenswichtige Nass diene dem Kindergarten derzeit ein mit Planen ausgelegtes Erdloch, in dem Regenwasser gesammelt wird. „Das Wasser wird zwar abgekocht, aber es stinkt. Das hat uns richtig wehgetan“, sagt Rickermann.

Es sind Erlebnisse dieser Art, die beide motivieren weiterzumachen. „Man sieht, dass man etwas bewegen kann und den Menschen das Leben erleichtert“, so Wilkens. Rickermann fügt hinzu: „Es gibt uns mehr, als dass wir geben.“ Der Verein sei dringend auf Spenden angewiesen, betonen beide.

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