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Nach dem Ende des "Pingel Anton" Eisenbahnfreunde kämpfen weiter für Sanierung der Strecke Werlte–Lathen

Von Daniel Hopkins

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Werlte. Der Verein Museumseisenbahn Hümmlinger Kreisbahn fühlt sich auf das Abstellgleis gestellt. Helmut Boekhoff, stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahnfreunde, will auch nach den Abschiedsfahrten des „Pingel Anton“ zwischen Werlte und Lathen weiter für eine Sanierung der rund 25 Kilometer langen Strecke kämpfen.

Rückblick: Im Herbst vergangenen Jahres wurde die Bahnstrecke über den Hümmling für den Güterverkehr gesperrt. Seit Ostern ist (wie berichtet) auch für historische Fahrten mit dem Uerdinger Schienenbus (Baujahr 1955) des Vereins Schluss. Der Landkreis Emsland beziffert die Sanierungskosten nach einem Gutachten auf insgesamt 4,5 Millionen Euro. Für eine kurzfristige Teilsanierung sind 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Als Zuschuss des Landes würden maximal die Hälfte der Kosten fließen.

Gegenrechnung

Boekhoff stellt folgende Gegenrechnung auf: Nach einem ersten Sanierungsschritt könnten weitere Sanierungsabschnitte durch Einnahmen, die aus der Nutzung der Strecke resultieren, finanziert werden. Die kreiseigene Emsländische Eisenbahn (EEB) als Betreiberin der Hümmlinger Kreisbahn habe im Jahr 2008 knapp 70000 Euro eingenommen. Der Betrag wird von Kreissprecherin Anja Rohde zwar bestätigt, allerdings verweist sie im gleichen Atemzug darauf, dass die Höhe der Einnahmen in dem Jahr eine absolute Ausnahme gewesen sei. Durch den Sturm Kyrill seien wesentlich mehr Holztransporte angefallen als sonst. Durchschnittlich hätte die Strecke der Hümmlinger Kreisbahn einen Jahresumsatz von 30000 Euro.

Das bedeutet, selbst wenn mit dem Zuschuss des Landes Niedersachsen im ersten Schritt nur 600000 der 1,2 Millionen Euro für den Kreis anfallen sollten, würde diese Investition das 20-Fache des Umsatzes betragen. Weitere Investitionen müssten folgen, um die gesamte Strecke zu überholen.

Stagnierende Umsätze

Ferner führte Rohde an, dass aufgrund „einer weiter stagnierenden Entwicklung dieser Umsätze“ sich die Strecke nicht rentiere. Auch mehrere Anfragen unserer Zeitung bei einigen bisherigen Nutzern bestätigten dies. Dort werden die Waren jetzt mit Lkw transportiert. Weiterhin könnte nur ein Teil der Güter tatsächlich auf dem Schienenweg geliefert werden, hieß es. Lediglich eines der befragten Unternehmen erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass es die Bahnstrecke gerne weiter nutzen würde.

Die Situation auf dem Hümmling sei laut Rohde derweil auch nicht mit der im Jahr 2001 durch die EEB übernommene Strecke zwischen Sedelsberg und Ocholt vergleichbar. Damals seien die Reparaturkosten auf 14 Millionen Deutsche Mark veranschlagt worden. Die kurzfristig benötigten 3,3 Millionen Mark wurden durch Dritte und den Landkreis Cloppenburg finanziert. Für die EEB seien keine Kosten entstanden, so Rohde. Zudem sei im Cloppenburgischen das Transportaufkommen wesentlich höher. Dort würden pro Jahr über 100000 Tonnen Güter transportiert. Auf der Strecke der Hümmlinger Kreisbahn seien es in den letzten zehn Monaten lediglich knapp 16000 Tonnen gewesen. Eine Sanierung der Strecke Werlte–Lathen will Rohde dennoch nicht ganz ausschließen, allerdings müssten die Kosten hier auch von Dritten übernommen werden.

Zukunft ungewiss

Ein Wegfall der Strecke könnte für den Verein Museumseisenbahn Hümmlinger Kreisbahn allerdings das Aus bedeuten. Boekhoff erklärte, dass der Verein Fixkosten von rund 3000 Euro jährlich habe. Der Großteil davon seien Haftpflicht und Miete für den Unterstand des Uerdinger Triebwagens. Falls keine weiteren Einnahmen durch Fahrten des Schienenbusses erfolgen, könne dies das Ende des Vereins bedeuten. Vorerst soll dieses durch Fahrten zwischen Sande und Wilhelmshaven im Auftrag der Wilhelmshavener Touristik aufgefangen werden. Wie es nach den zwei Monaten weitergehen wird, sei noch völlig ungewiss.

Eine Entscheidung soll allerdings laut Boekhoff in den nächsten Tagen fallen. Auf einer Vorstandssitzung soll der Kauf einer Zugsicherungseinrichtung beschlossen werden. Das Warnsystem würde den Uerdinger Schienenbus dazu berechtigen, auf weiteren Gleisen auch außerhalb der Strecke zwischen Werlte und Lathen zu fahren. Die Investition von mehreren Tausend Euro würde nicht nur den Transport nach Wilhelmshaven vereinfachen, sondern auch flexiblere Lösungen für eine weitere Nutzung bieten.

Bis dahin bleibt den Eisenbahnfreunden fast nur noch eine Hoffnung: In Werlte befindet sich die Werkstatt der EEB. Nach wie vor dürfen reparaturbedürftige Schienenfahrzeuge die Strecke nutzen. „Eine Verlegung der Werkstatt nach Meppen ist teuer und der Transport von Loks über die Straße aufwendig“, hegt Boekhoff Zuversicht, dass in naher Zukunft doch noch eine Sanierung der Strecke erreicht werden kann.

Homepage unter www.museumsbahn-huemmlingerkreisbahn.de


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