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18 Millionen Euro investiert Das Erfolgsmodell Bürgerwindpark: Fünf weitere Konverter im Loruper Mammoor eingeweiht

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hjh Lorup. Während draußen Sturmtief Georg kräftig an den Zeltwänden rüttelte und zugleich die nun 19 Windkraftanlagen im Loruper Mammoor kräftig ins Rotieren brachte, feierten drinnen mehrere Hundert Gäste die Einweihung der fünf neuen Mühlen, die in diesem Jahr ihren Betrieb aufgenommen haben. 18 Millionen Euro sind dafür investiert worden, 4,5 Millionen Euro steuerten rund 300 Bürger bei.

Der Geschäftsführer der Raiffeisen Energiepark Lorup Verwaltungs GmbH, Christoph Gravel, berichtete den Gästen, dass nun mehr als 800 Anteilseigner zusammen rund 12,5 Millionen Euro in den Windpark Mammoor investiert hätten. Zunächst seien seit dem Jahr 2001 14 Windenergieanlagen des Typs Enercon E-66 mit einer Nennleistung von je 1800 kW für zusammen 32 Millionen Euro im Mammoor errichtet worden. Nun seien fünf weitere hinzugekommen. Die Konverter vom Typ Enercon E-82 hätten eine Nennleistung von 2300 kW. „Der Weg hin zur Erweiterung war lang und mühsam. Aber wir haben viel Unterstützung erfahren“, dankte Gravel den vielen Beteiligten an dem Verfahren. Dieses hatte im Jahr 2009 neuen Schwung erfahren, nachdem eine formelle Überplanung des Gebietes die Möglichkeit eröffnete, den Windpark zu erweitern.

Für die „Mutter“ der Loruper Windparkgesellschaften, die Raiffeisenbank Lorup, ergriff Bankvorstand Norbert Hauptvogel das Wort: „Der Bürgerwindpark schafft einen dauerhaften Vorteil für alle Beteiligten.“ So würden Bürger, Gemeinde, Unternehmen der Region und auch die Bank von diesem Geschäftsmodell profitieren. Bereits seit 1999 sei die Raiba Lorup auf diesem Gebiet aktiv. Deren Engagement begründete Hauptvogel mit dem genossenschaftlichen Grundgedanken: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, vermögen viele.“ Die Raiba Lorup sei Vorreiter gewesen in der Umsetzung von genossenschaftlichen Bürgerbeteiligungsmodellen und stolz auf „ ihre jungen und bilanziell hübschen Töchter“.

Hauptvogel und Gravel warfen den Blick auch wieder nach vorne auf das nächste Projekt in Lorup, die angestrebte Verwirklichung des in der Planung befindlichen „Windparks Hassmoor“. Hauptvogel: „Der Startschuss ist gefallen. Wir stehen in den Startlöchern.“

Potenzial erschöpft

Bürgermeister Heinrich Kreutzjans würdigte den Bürgerwindpark ebenfalls als Erfolgsmodell und verwies darauf, dass in Lorup mittlerweile die Stromproduktion aus regenerativen Quellen ein Vielfaches von dem betrage, was im Ort verbraucht werde. Dabei dürften sich mit Blick auf den Windpark „die Bürger über gute Zinserträge freuen“. Das Potenzial für Windkraft sei in der Hümmlinggemeinde allerdings zunächst erschöpft. „Was aus den Planungen für das Hassmoor wird, wird sich zeigen.“

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann lobte die Verantwortlichen vor Ort, die es geschafft hätten, Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Sie bezeichnete das Modell des genossenschaftlichen Bürgerwindparks als ein „Vorbild für Deutschland“. Als große Herausforderungen der Zukunft im Zuge der vom Bund angestrebten Energiewende nannte die Bundestagsabgeordnete, den Ausbau des Stromnetzes und die Entwicklung geeigneter Speichertechnologie.

Dezentrale Systeme

Carlo Reeker vom Bundesverband WindEnergie forderte einen Netzausbau, der es ermögliche, Strom dezentral einzuspeisen. Beim Thema Speicherung von Strom setze der Bundesverband ebenfalls auf dezentrale Systeme. Zugleich schlug Reeker zur Finanzierung auch für diese Bereiche Bürgerbeteiligungsmodelle vor.

Simon Wobben von der Geschäftsführung der Firma Enercon verwies auf große Aufgaben, die im Zuge der Energiewende noch zu meistern seien. Dazu gehöre auch der Bau noch vieler weiterer Windkraftanlagen. Dafür gebe es an Land nach wie vor noch „viel Potenzial“.

In seinem Festvortrag betonte Verbandsdirektor Georg Litmathe vom Genossenschaftsverband Weser-Ems, dass es gerade die Genossenschaften seien, die die Energiewende mitgestalten könnten. Dabei sei auf dem Weg hin zu den angestrebten Zielen, mit Augenmaß vorzugehen. „Die Wende muss sauber und bezahlbar sein“, forderte Litmathe.

Den kirchlichen Segen erteilten den neuen Windkraftanlagen Pfarrer Heiner Lohe und Pastor Uwe Hill.


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