Enak Ferlemann in Werlte Staatssekretär sendet positive Signale für Infrastrukturprojekte in der Region

Bei den Ausbauplanungen für die E 233 sei man "gut im Lauf", sagte Enak Ferlemann. Foto: Lars Schröer/ArchivBei den Ausbauplanungen für die E 233 sei man "gut im Lauf", sagte Enak Ferlemann. Foto: Lars Schröer/Archiv

Werlte. Positive Signale sendet der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), im Hinblick auf große Infrastrukturprojekte in der Region.

Der vierspurige Ausbau der E 233 komme, versicherte der 56-Jährige am Dienstagabend im Trailerforum des Fahrzeugwerkes Krone in Werlte. „Da sind wir gut im Lauf“, der Landkreis Emsland habe hier hervorragende Arbeit geleistet. 

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Zudem würden die Schleusen im Emsland mit viel Geld saniert. Am Emssperrwerk bei Gandersum solle so bald wie möglich ein Verfahren getestet werden mit dem Ziel, den Schlickeintrag in den Fluss massiv zu minimieren.

Ferlemann hatte bei Krone auf Einladung der hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann auf dem „Schwarzen Sofa“ Platz genommen. Dabei handelt es sich um ein gleichnamiges Talkformat, mit dem Connemann durch ihren Wahlkreis tourt und für das sie als Stichwortgeberin hochrangige Gäste aus Politik und Wirtschaft gewinnt.

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Ferlemann über ...

...seinen Bezug zur Region: „Meine Familie stammt aus Ostfriesland, mein Vater ist in Papenburg zur Schule gegangen.“ Er kenne das Ostfriesland und das Emsland gut. Geboren in Bad Rothenfelde, wuchs er mit vier Geschwistern auf, trat mit 13 Jahren in die Schüler-Union ein und vertritt die CDU seit Jahrzehnten auch als Kreistags- und Stadtratsmitglied. „Das erdet“, sagt er.

...die unterschiedliche Mentalität im politischen Berlin und im Emsland: Die Menschen in dieser Region seien bodenständig und erdverwachsen „und nicht so abgedreht“ wie manche Politiker, Lobbyisten und Journalisten „unter der Käseglocke“ in der Hauptstadt. Ferlemann ist wie Connemann seit 2002 Bundestagsabgeordneter und seit zehn Jahren Parlamentarischer Staatssekretär. Das Emsland habe sich dank Tatkraft und klugen Ideen aus sich selbst heraus wirtschaftlich unglaublich entwickelt.

...den Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik: Angesichts der Skandale unter anderem in der Automobil- und Ernährungsindustrie habe das Ansehen gelitten. „Früher war ,Made in Germany‘ in Qualitätsnachweis.“ Leider sei das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns vielfach aus dem Blick geraten. Dabei würde gerade dies auch der Politik gut zu Gesicht stehen. Zur Zinspolitik: „Unser ganzes System ist in den vergangenen Jahren aus den Fugen geraten. Für Guthaben muss es Zinsen geben.“

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...zum Erscheinungsbild der CDU: „Wir müssen Maß und Mitte halten, unsere Stammwähler im Blick behalten und nicht so viel auf die Laufkundschaft achten“. Manchmal sei ihm die CDU zu modern.

...zur Lage bei der Bahn: „Wir werden in den nächsten zehn Jahren 86 Milliarden Euro in das bestehende Schienennetz investieren.“ Eine Sanierung in dieser Größenordnung sei einmalig. Im Hinblick auf die Debatte um Billigtickets betonte Ferlemann, dass auch ein Unternehmen wie die Bahn zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet sei und bei Investitionen nicht unerschöpflich der Bund mit Geld des Steuerzahlers in die Bresche springen dürfe.

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...die Herausforderungen der Verkehrs- und Energiewende: Allein von den derzeit 45 Millionen Pkw auf deutschen Straßen müsse bis 2030 die Hälfte auf Elektromobilität oder Wasserstoffantrieb (Brennstoffzelle) umgestellt werden. „Wir müssen und werden diese Herausforderungen technologisch lösen.“ Spediteuren wie Ulrich Boll (Meppen) und Heinrich Grummel (Werlte) empfahl Ferlemann auf deren Nachfrage, im nächsten Investitionszyklus für deren Lkw-Flotte übergangsweise auf Hybrid-Technologie zu setzen. Der Lkw-Antrieb der Zukunft werde auf (synthetisch erzeugtes) Gas oder Wasserstoff basieren, prophezeite der Staatssekretär. Boll und Grummel warnten vor einem überhasteten Abschied vom Verbrennungsmotor. Ferlemann räumte daraufhin ein, „dass wir bei dem Transformationsprozess Lehrgeld zahlen werden. Wir sind derzeit auch selbst Suchende. Aber 2025 werden wir wissen, was geht und was nicht.“ Man wolle zwar so schnell wie möglich „los vom Öl“, und doch habe der Verbrennungsmotor durchaus noch eine Zukunft.

...den Klimawandel: „Fest steht, dass wir etwas tun müssen – aber mit Augenmaß“.

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...die neue Friesenbrücke über die Ems bei Weener: Ferlemann zeigte sich zuversichtlich, dass die mit Kosten für bis zu 80 Millionen Euro geplante Drehbrücke im Jahr 2024 in Betrieb gehen kann. Bei der Finanzierung eines an das Bauwerk angedockten Fuß- und Radweges für eine direkte Verbindung zwischen Westoverledingen und dem Rheiderland werde man die Kommunen nicht hängen lassen, versprach er.

Im Hinblick auf das Planungsrecht und der Möglichkeit zu Verbandsklagen sprach er sich in diesem Zusammenhang für ein „Zurückdrehen auf ein gesundes Maß“ aus. „Bei unserer Infrastruktur redet jeder mit. Wir haben in Deutschland generell zu lange Planungszeiten.“ Da könne man von anderen Staaten wie beispielsweise Dänemark lernen.


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