Marathon in Frankreich steht an Werlter Extremradfahrer steht vor neuer Herausforderung

Auch unter widrigen Umständen - wie hier im Regen beim Ötztal-Marathon im vergangenen Jahr - sitzt Hans Bollen aus Werlte fest im Sattel. Foto: BollenAuch unter widrigen Umständen - wie hier im Regen beim Ötztal-Marathon im vergangenen Jahr - sitzt Hans Bollen aus Werlte fest im Sattel. Foto: Bollen

Werlte/Paris. Im vergangenen Sommer hat Hans Bollen aus Werlte bereits bewiesen, dass er lange Strecken auf dem Rennrad absolvieren kann. Nun will er nach dem "Race across Germany" in Frankreich nachlegen.

Es waren 1100 Kilometer, die Bollen vergangenen Juli von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen in 47 Stunden und 34 Minuten im Sattel abgerissen hat. Damit ist er einer der wenigen "Finisher", die das Rennen in unter 48 Stunden geschafft und sich für das "Race across America" qualifiziert haben. 

Foto: Mirco Moormann

In wenigen Wochen will der 49-Jährige aber noch einen drauflegen: Am 18. August startet in Frankreich der älteste Amateur-Radmarathon Europas, der von Paris nach Brest und zurück führt. Dann will er 1230 Kilometer nahezu nonstop bewältigen. Weit mehr als 6000 Starter aus 68 Nationen sind dabei, wenn es von Rambouillet im Südwesten der Hauptstadt zum Atlantik und zurück geht.

Die Teilnehmer müssen die Strecke in einer vorgegebenen Zeit von 90 Stunden schaffen. Für die schnelleren Fahrer, zu denen Bollen zweifelsohne zählt, liegt die Zeitvorgabe bei 80 Stunden. Doch Bollen hat sich selbst ein ganz anderes Ziel gesetzt: "Ich möchte die Strecke in 60 bis 65 Stunden schaffen", so sein Plan. Die vorgelegte Zeit beim Rennen durch Deutschland stimmt ihn zuversichtlich. 

Kein Begleitfahrzeug

Doch die anstehende Veranstaltung ist anders, wie der Steuerberater erklärt. Hatte er im vergangenen Sommer noch ein Begleitfahrzeug für Ersatzteile oder Verpflegung dabei, muss er nun alles selbst transportieren. So trägt er etwas Werkzeug, zwei neue Schläuche und einen Ersatzmantel dabei, falls er einen "Platten" bekommt. Auch zwei Getränkeflaschen sind immer am Rad. Sollte es regnen, hat er auch einen entsprechenden Schutz parat, meint Bollen. Sogar für den Fall, dass er unterwegs eine ungeplante Pause einlegen muss, ist ein platzsparender Schlafsack ebenfalls dabei. Sollte er stürzen und sein Fahrrad stärker beschädigen, wäre die Tour vorbei, meint Bollen. 

Juli 2018: Kurz vor dem Ziel Garmisch-Partenkirchen lassen die Kräfte nach, der Kopf kann kaum noch oben gehalten werden, wie Bollen berichtete. Foto: Bollen

Während der Tour, die von vielen Menschen entlang der Strecke begleitet wird, gibt es alle 80 bis 100 Kilometer Checkpoints, an denen eine Karte abgestempelt werden muss. Dort gibt es auch Verpflegung, wie Bollen weiß. Getränke, Brötchen oder auch Süßigkeiten seien auch dringend notwendig, denn pro Tag verbrauche er auf dem Rad mehr als 8000 Kalorien. 

Nachdem er am Sonntag, 18. August, um 16.15 im vorderen Feld gestartet sein wird, will er die erste Nacht durchfahren und erst am darauffolgenden Tag eine längere Pause "von vielleicht ein oder zwei Stunden" einlegen, wie er sagt. Unterwegs stehen eigens für die Radfahrer hergerichtete Turnhallen dafür bereit. Dass er nicht viel schlafen muss, hat Bollen bereits bei etlichen langen Touren bewiesen: 

"Unterwegs ist man in einem anderen Modus. Wenn der Körper dauernd in Bewegung ist, verzögert sich die Müdigkeit."

Um am Marathon teilnehmen zu können, musste Bollen sich im ersten Halbjahr qualifizieren. Vier Strecken von 200 bis 600 Kilometer hat er in den vorgegebenen Zeiten hinter sich gelassen. Für die 600 Kilometer lag das Limit bei 40 Stunden - Bollen kam nach 27 Stunden ins Ziel. Doch der "Kilometerfresser" - diesen Titel hat er von seinen Kollegen des Radteams Werlte für seine Leistungen erhalten - weiß, dass ein vermeintlich kleines Problem wie ein zwickender Muskel unterwegs schnell zur großen Hürde werden kann. Schließlich kommen zur Distanz von mehr als 1200 Kilometern noch mehr als 10.000 Höhenmeter durch die durchweg hüglige Landschaft der Bretagne hinzu. 

Auch wenn er gern lange Distanzen auf sich nimmt, in der Regel fährt er abends "normale Touren" von etwa 60 Kilometern durch das nördliche Emsland, meint Bollen, der Interessierte dazu einlädt, Mitglieder beim Rad-Team zu werden. Informationen gibt es unter radteam-werlte.de. 

Zur Sache

Der Marathon Paris-Brest-Paris
Der Fahrradmarathon von Paris nach Brest und zurück wurde im Jahr 1891 zum ersten Mal ausgerichtet. Damals steckte die Intention dahinter, das noch junge Fortbewegungsmittel Fahrrad besser publik zu machen. Die 1230 Kilometer lange Strecke ist durchgehend hügelig und hat etwa 10.000 Höhenmeter, also etwa 830 pro 100 Kilometer. Die Höhenmeter sind relativ gleichmäßig verteilt, auf etwa 360 Anstiege, die relativ kurz und nicht sehr steil sind. Den Rekord mit gut 42 Stunden hält der Deutsche Björn Lenhard.


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