Appell an Landwirte Jäger wollen Mähtod weiter die Stirn bieten

Die Grasernte, insbesondere die Grünroggenernte, ist problematisch - besonders im Mai und Juni: Die Mahd von innen nach außen erweist sich als richtig.  Foto: Alex BölleDie Grasernte, insbesondere die Grünroggenernte, ist problematisch - besonders im Mai und Juni: Die Mahd von innen nach außen erweist sich als richtig. Foto: Alex Bölle

Werlte. Die Jäger im Emsland und der Grafschaft Bentheim kämpfen gegen den Mähtod – und weisen Landwirte auf ihre gesetzliche Verpflichtung zur Wildtierrettung hin.

Wie der Verein Biotop-Fonds der Jägerschaften Emsland/Grafschaft Bentheim mitteilt, fallen jährlich im nördlichen Emsland viele Wildtiere Erntemaschinen zum Opfer. Ein Tod, der oftmals verhindert werden könnte. Der Verein setzt auf ein Miteinander von Jägern und Landwirten.

 „Die effektivste Maßnahme, um Mähtod zu verhindern, ist das Mähen von innen nach außen“, erklärt Thomas Schomaker im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist Vorsitzender des Biotop-Fonds – ein Zusammenschluss der vier Jägerschaften Aschendorf-Hümmling, Meppen, Lingen und Grafschaft Bentheim. Mäht ein Landwirt von der Feldmitte an Grünland und insbesondere Grünroggen oder Ackergras, welches zu dieser Jahreszeit die beste Deckung für die Wildtiere bietet, könne das für die Tiere Rettung in letzter Minute bedeuten. Über eine frisch gemähte Fläche flüchte es hingegen nur selten.


Thomas Schomaker. Foto: Anika Boerries


Gefahr besteht laut Schomaker nicht nur für Wildtiere wie Fasane, Rebhühner, Brachvögel und Rehe, sondern auch für die Kühe und Pferde im heimischen Stall. Fänden Stücke eines toten Tieres ihren Weg in die Silos, könnten sie dieses mit Leichengiften verseuchen. Das steigere das Risiko für Botulismus-– eine meist lebensbedrohliche Vergiftung der Stalltiere. Bei offenen Wunden könne dies sogar für den Menschen zur Gefahr werden, so Schomaker.

Häufig sind es Jungtiere wie Rehkitze, aber auch viele Gelege von Fasan und Kiebitz,  die den Erntemaschinen zum Opfer fallen, wie Schomaker beschreibt. Rehkitze könnten in den ersten zehn Tagen kaum laufen und drückten sich bei Gefahr platt auf den Boden – bei einer nahenden Maschine der sichere Tod. Nachts seien jedoch auch ausgewachsene Tiere in besonderer Gefahr, erklärt Schomaker und weist auf eine tödliche Kettenreaktion hin: „Wenn ein Reh in den Lichtkegel der Erntemaschine guckt, bleibt es auf der Stelle stehen.“ 


Ein Rehkitz, was vor der Grasernte von Jägern mit einem Jagdhund der Huderasse Deutsch-Drahthaar aufgefunden und danach in Sicherheit gebracht werden konnte. Foto: Jägerschaft Aschendorf-Hümmliung e.V.


Schomaker und seine Mitstreiter appellieren deshalb an Landwirte und Lohnunternehmer, nachts die Maschinen ruhen zu lassen. „Dass das betriebswirtschaftlich schwierig ist, ist uns klar“, sagt Schomaker. Ließe sich kein anderer Mahdtermin finden, könne aber auch schon langsameres Mähen bei größerer Schnitthöhe lebensrettend wirken. Ihr Appell ist eigentlich eher ein Hinweis auf geltendes Recht. Landwirte seien laut Tierschutzgesetz zur Rettung des Wildes bei der Ernte verpflichtet, betont Schomaker und fordert die Landwirte auf, diese Verpflichtung auch auf allen landwirtschaftlichen Betrieben umzusetzen.

Außer durch eine Anpassung ihrer Mährouten können Landwirte auch auf andere Weise das Risiko für Reh und Uferschnepfe minimieren: Maximal 24 Stunden vor der Mahd könne mit trainierten Jagdhunden das Wild aus dem Feld verscheucht werden, so Schomaker. Auch sogenannte Knistertüten – also Plastiktüten an Holzstöcken – seien wirksame Mittel.


Ein zerstörtes Gelege. Foto: Jägerschaft


Zu den moderneren Hilfsmitteln gehören elektronische Wildtiervergrämer und das Abfliegen von Wiesen vor der Mahd mit Drohnen und integrierten Wärembildkameras. Die elektronischen Wildtiervergrämer werden an den Maschinen angebracht und senden hochfrequente Signale, die die Tiere während der Mahd verscheuchen. Der Biotop-Fonds hat in der Vergangenheit Geräte angeschafft und Lohnunternehmern und Landwirten überlassen, so Schomaker.

Das Abfliegen von Wiesen vor der Mahd mit Drohnen und integrierten Wärmebildkameras soll in Zukunft weiter etabliert werden. Die Jägerschaften überlegen derzeit, sich gemeinsam mit den Landwirten und Lohnunternehmen entsprechende Drohnen anzuschaffen. „Wir setzen auf die Ehrlichkeit der Landwirte. Wenn sie überfordert sind, können sie sich aber gerne an uns wenden“, bietet er die Hilfe der Jäger an. "Unsere Motivation ist es", betont Schomaker, „vermeidbares Leid von Tieren abzuhalten“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN