Chemikalie im Löschschaum Bundeswehr bestätigt PFC-Verdacht auf Munitionsgelände in Lorup

Im Munitionslager der Bundeswehr in Lorup ist PFC-haltiger Löschschaum verwendet worden. Das hat die Bundeswehr bestätigt. Die Chemikalie kann für den Menschen gesundheitsschädlich sein. Foto: Mirco MoormannIm Munitionslager der Bundeswehr in Lorup ist PFC-haltiger Löschschaum verwendet worden. Das hat die Bundeswehr bestätigt. Die Chemikalie kann für den Menschen gesundheitsschädlich sein. Foto: Mirco Moormann

Lorup. Auf dem Gelände des Munitionslagers der Bundeswehr in Lorup (Samtgemeinde Werlte) im Landkreis Emsland ist PFC (per- und polyfluorierte Chemikalie) entdeckt worden. Das hat eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn bestätigt. Eine Gefahr für die Bevölkerung und Bundeswehr-Mitarbeiter soll allerdings nicht bestehen.

Die Bundeswehr-Feuerwehren haben Löschschaum verwendet, der PFC enthielt. Das war bis 2007 erlaubt. Nach Angaben der Sprecherin wurden PFC-haltige Schaumlöschmittel bei bestimmten Bränden eingesetzt, "insbesondere bei starken Bränden von Flüssigkeiten wie Benzin oder Kerosin mit hoher Gefahr für den Menschen", heißt es. Diese Löschmittel haben einen sehr hohen Wirkungsgrad bei der Bekämpfung von brennenden Flüssigkeiten oder schmelzenden Stoffen.

Einige PFC stehen allerdings im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein für den Menschen. Die Chemikalie kann über verunreinigtes Erdreich ins Grundwasser und in Lebensmittel gelangen. Studien zufolge kann PFC Leberkrebs fördern, die Pubertät verzögern oder die Fruchtbarkeit verringern.

Bodenproben aus Lorup im Labor analysiert

Seit der Gesetzesänderung vor zwölf Jahren setzt die Bundeswehr den Stoff nicht mehr ein, betont die Sprecherin. Dennoch könnte die Chemikalie jetzt zu einem Problem werden. Denn Untersuchungen der Bundeswehr und der örtlich zuständigen Umweltbehörden haben ergeben, dass es auf 125 von der Bundeswehr genutzten Liegenschaften ein Verdacht auf eine Verunreinigung mit PFC gibt. In elf konnte durch Proben und Laboranalysen dieser Verdacht bestätigt werden, darunter Lorup.

"Die Verdachtsfläche dort beschränkt sich räumlich auf den Bereich Alte Feuerwache", sagt die Sprecherin. Dort seien nach historischer Recherche vermutlich Einsatzfahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände gereinigt worden. Mit dem PFC-haltigen Schaum wurde nichts brennendes gelöscht. Nachdem sich der Verdacht bestätigt habe, seien umfangreiche Untersuchungen im Bereich Alte Feuerwache durchgeführt worden, inklusive einer Analyse von Bodenproben im Labor.

Bundeswehr spricht von "Marginalbefunden"

Das Ergebnis laut Bundeswehr-Sprecherin: Es gab "Marginalbefunde" in den Bodenproben. "Für die Bevölkerung sowie die Angehörigen der Bundeswehr besteht keine Gefahr", betont die Sprecherin. Die Bundeswehr gehe nicht davon aus, dass es zu einer Verlagerung der Schadstoffe ins Grundwasser kommt. "Eine Gefährdung des Grundwassers kann aufgrund der örtlichen, geologischen Verhältnisse ausgeschlossen werden", heißt es aus Bonn. Untersuchungen des Grundwassers seien "aufgrund der aktuellen Ergebnisse" nicht vorgesehen, ebenso wenig seien Sanierungsmaßnahmen erforderlich. So lautet jedenfalls die "abschließende Gefährdungsabschätzung" der Bundeswehr. Das letzte Wort hat die örtliche Behörde, sie entscheidet, ob eine Sanierungsplanung, -durchführung und -nachsorge nötig sind.

Die Sprecherin betont, dass auch zivile Feuerwehren den Löschschaum eingesetzt haben: "Die durch PFC im Löschschaum entstandenen Belastungen von Boden und Grundwasser sind ein Problem, das sich nicht nur auf Deutschland und hier die Bundeswehr beschränkt, sondern das sich weltweit bei Löscheinsätzen mit Flüssigkeitsbränden stellt", heißt es aus Bonn.

2004 von Depot zum Lager abgestuft

In dem Munitionslager in Lorup wurden bis 2017 Patriot-Flugabwehrraketen gelagert. Eigentlich wollte die Bundeswehr die Nutzung aufgeben. Anfang 2019 entschied das Bundesverteidigungsministerium, das Munitionslager zu reaktivieren. 40 Arbeitsplätze sollen bis 2022 geschaffen und mindestens zwei Millionen Euro in die Ertüchtigung der Infrastruktur investiert werden. 2004 hatte die Bundeswehr die Einrichtung in Lorup von einem Depot zu einem Lager abgestuft.


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