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Wucht der Explosion verwundert Experten „Es hat sich alles in Rauch aufgelöst“

Von Hermann Hinrichs

<em>Der Bunker</em> selbst hat standgehalten, die großen Stahltüren aber gaben dem gewaltigen Druck der explodierenden Feuerwerkskörper nach. Archivfoto: Tim GallandiDer Bunker selbst hat standgehalten, die großen Stahltüren aber gaben dem gewaltigen Druck der explodierenden Feuerwerkskörper nach. Archivfoto: Tim Gallandi

hjh Lahn. Die Polizei arbeitet weiter intensiv an der Erforschung der Ursache für die Explosion von Feuerwerkskörpern in dem ehemaligen Munitionsdepot in Lahn am Freitag vergangener Woche. Aus Sicht des Gewerbeaufsichtsamtes Emden gibt es zurzeit zwei Theorien, die das Unglück erklären könnten.

Nach Auskunft eines Sprechers wird das insgesamt neun Bunker umfassende Depot in der Gemeinde Lahn von einer deutschen Firma betrieben, die über die erforderliche Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz (BimschG) verfügt. Drei der Bunker sind an ein niederländisches Unternehmen vermietet, das ebenfalls mit Feuerwerkskörper handelt. Eine dieser drei Lagerstätten ist am Freitagmorgen gegen 3.30 Uhr in Brand geraten. Die anschließende Explosion hat die Stahltüren aus den Angeln gerissen und Teile eines Absperrgitters fast 100 Meter weit fort geschleudert.

Eine Wucht, die bei den Bediensteten des Gewerbeaufsichtsamtes für Erstaunen sorgt. „Eigentlich hätte das Material nicht derart explodieren dürfen“, so der Sprecher. Gelagert werden dürften dort in allen neun Bunkern pyrotechnische Gegenstände der sogenannten Lagerklassen 1.3 und 1.4. Was sich dahinter verbirgt, offenbart die zweite Verordnung zum Sprengstoffgesetz. Für die Lagergruppe 1.4 gilt, dass die darin enthaltenen Explosivstoffe „keine bedeutsame Gefahr“ darstellen und ein Brand „keine Explosion des gesamten Inhalts einer Packung“ hervorruft. Auch in der Lagerklasse 1.3 gilt die Vorgabe, dass die Explosivstoffe nicht „in der Masse“ explodieren und Bauten in der Umgebung durch Druckwirkung „im Allgemeinen“ nicht gefährdet sind.

„Wir haben aber keinen Nachweis gefunden, dass dort anderes Material als das erlaubte gelagert war“, so der Sprecher des Gewerbeaufsichtsamtes. Daher sei die Ursache unklar, und auch deren Feststellung dürfte einige Mühe kosten, denn: „Es hat sich alles in Rauch aufgelöst.“ Bedenklich sei aber, wenn sich herausstellen sollte, dass die ordnungsgemäß gelagerten pyrotechnischen Gegenstände sich zersetzt und entzündet hätten. Eine zweite mögliche Ursache könnte schlicht eine achtlos weggeworfene Zigarette sein.

Wie die Polizei gestern mitteilte, herrschte an dem betroffenen Bunker letztmalig am vergangenen Donnerstag Betrieb, als die mietende Firma dort Feuerwerkskörper einlagerte.

Aufgrund der Hitze, die durch die Explosion und den Brand entstanden ist, sowie einer möglichen Einsturzgefahr begann die Polizei erst gestern mit der eingehenden Untersuchung des Unglücksortes. Zur Schadenshöhe machten die Polizei nach wie vor keine Angaben, da weder der Wert des eingelagerten Feuerwerks noch die Höhe des Schadens am Bunker beziffert werden könnten.

Kein Zusammenhang besteht nach Auskunft des Gewerbeaufsichtsamtes indes zu dem Fund von rund 100 Tonnen illegalen Feuerwerkskörpern, die im Sommer 2008 in dem ehemaligen Militärdeport gefunden worden waren. Damals hatten mehrere niederländische Firmen Bunker gemietet und dort auf 148 Paletten unerlaubte Böller eingelagert.