Neues Verfahren Wasserverband Hümmling rechnet wieder selbst ab

Interesse an den Zählerständen:  Zum neuen Jahr übernimmt der Wasserverband Hümmling die Wassergeldabrechnung von der EWE. Darüber informierten (von links) Peter Droste, Karina Stottmann, Yvonne Sandmann, Anja Kessens und Thomas Rakers. Foto: Christian BellingInteresse an den Zählerständen: Zum neuen Jahr übernimmt der Wasserverband Hümmling die Wassergeldabrechnung von der EWE. Darüber informierten (von links) Peter Droste, Karina Stottmann, Yvonne Sandmann, Anja Kessens und Thomas Rakers. Foto: Christian Belling

Werlte. Zum neuen Jahr holt sich der Wasserverband (WV) Hümmling die Wassergeldabrechnung von der EWE zurück. Für den Kunden soll der Übergang so reibungslos wie möglich erfolgen. Doch es wird auch Veränderungen geben.

Geschäftsführer Thomas Rakers und kaufmännischer Leiter Peter Droste informieren im Gespräch im Verwaltungsgebäude des Wasserverbandes in Werlte über die Hintergründe. „Es macht einfach Sinn, dass diese Abrechnung von uns aus erfolgt“, so Rakers. Mit der EWE habe es gute Gespräche gegeben, die bestehenden Verträge zum 1. Januar 2019 aufzulösen. „Da es sich dabei wahrlich nicht um das Kerngeschäft der EWE handelt, gab es da keinerlei Probleme“, teilt der Geschäftsführer mit.

Kapazitäten fehlten

Nach Angaben von Rakers führt der Versorger seit 1992 die Wasserabrechnung im Auftrag des WV durch. „Zu der Zeit hatte unser Verband schlichtweg noch nicht die Kapazitäten, um dies selbst zu machen.“ Dies habe sich in den vergangenen Jahren vor allem deswegen geändert, weil der Wasserverband seit 2017 die Abwasserabrechnungen für die Samtgemeinden Sögel, Werlte und Dörpen sowie in der Einheitsgemeinde Rhede vornimmt. Die Stadt Papenburg will die Abwasserabrechnung durch den Wasserverband in Zukunft ebenfalls durchführen lassen. Der Ausschuss für Finanzen und Controlling signalisierte in seiner Sitzung Ende Oktober mit großer Mehrheit grünes Licht für Verhandlungen zwischen Stadt und WV für eine Umsetzung ab 1. Januar 2020.

Neue Software und zusätzliches Personal

Für die Übernahme der Abwasserabrechnung haben wir in eine neue Software investiert, die wir auch für die Frischwasserabrechnung nutzen können“, erklärt Droste. Zudem ist in der Verwaltung zusätzliches Personal eingestellt worden. „Die Mitarbeiterinnen arbeiten aktuell mit Hochdruck an den Vorbereitungen für die Übernahme. Der Fahrplan steht aber bereits“, so der kaufmännische Leiter.

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Da es im Verbandsgebiet rund 46.000 installierte Wasserzähler gibt, werden bis Mitte Dezember ebenso viele Informationsschreiben an die Kunden geschickt. „Wir wollen einfach, dass die Haushalte informiert sind“, macht Rakers deutlich. Sollten nach dem Lesen des Schreibens noch Fragen offenbleiben, stehen die Verwaltungsmitarbeiter für Auskünfte bereit. Auch der Internetauftritt des Wasserverbandes kann als Informationsquelle genutzt werden. Auch die EWE wird die Haushalte mit einem eigenen Schreiben über den Wechsel informieren.

Neuer Dauerauftrag notwendig

Die EWE wird noch zum 31. Dezember dieses Jahres automatisiert per Hochrechnung auf Basis des Ablesestandes der letzten Jahresabrechnung die Zählerstände für Frischwasser ermitteln. Dieser Stand wird dem Wasserverband als Anfangszählerbestand übermittelt. Sobald dies abgeschlossen ist, wird die EWE letztmalig eine Endabrechnung für Frischwasser ermitteln. Abschlagsbeträge für Trinkwasser mit Fälligkeit ab dem 1. Februar 2019 (Abschlag für Januar oder bei Quartalszahlern für das erste Quartal) sind direkt an den Wasserverband zu zahlen. „Wurden die Zahlungen bislang per Dauerauftrag an die EWE vorgenommen, ist ein Löschen dieses Überweisungsauftrages notwendig“, erklärt Rakers. Um einen neuen Dauerauftrag für die Überweisung an den Wasserverband einzurichten, sind im Infoschreiben des Verbandes die Kontodaten aufgeführt. Sofern dem Wasserverband im Rahmen der Abwasserabrechnung bereits ein Lastschriftmandat erteilt wurde, wird zukünftig auch das Wassergeld mit diesem Mandat abgebucht.

Abrechnungsverfahren wird geändert

Eine Änderung wird der Wasserverband hinsichtlich des Abrechnungsverfahrens vornehmen. Das Vorgehen der EWE, während des Jahres in den einzelnen Orten in unterschiedlichen Ablesezeiträumen zu sein, stellt der WV auf eine Kalenderjahr-Abrechnung um. Anders als von der EWE praktiziert, wird der Wasserverband auch keine Mitarbeiter mehr in die Haushalte schicken, um den Zählerstand abzulesen. Erstmals zum Ende des kommenden Jahres wird der Wasserverband den Kunden Ablesekarten zusenden, auf denen der Stand selbst eingetragen werden kann. Die Übermittlung des Zählerstandes kann dann auch online über die Internetseite des Verbandes erfolgen.

Auf Antwort des Kunden angewiesen

„Wir sind dabei natürlich darauf angewiesen, dass der Kunde sich meldet“, weiß Rakers. Erfahrungen der Nachbarverbände würden aber zeigen, dass dieses Verfahren funktioniere. Sollte die Rückmeldung eines Haushaltes ausbleiben, werde eine Erinnerung herausgeschickt. Wer auf die Idee kommen sollte, einen falschen Zählerstand anzugeben, erinnert der Geschäftsführer daran, dass alle sechs Jahre ein Zählerwechsel erfolgt. „Spätestens dann würde es uns auffallen.“

1200 Quadratkilometer: Das Gebiet des Wasserverbandes Hümmling // Quelle: Wasserverband Hümmling // Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

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Der Wasserverband Hümmling versorgt mit seinen Anlagen im nördlichen Emsland mehr als 42.000 Hausanschlüsse und einem etwa 1800 Kilometer langen Leitungsnetz etwa 125.000 Menschen, landwirtschaftliche Betriebe, zahlreiche Gewerbe- und Handwerkstreibende sowie die Industrie. Dafür unterhält der Verband außer den beiden Wasserwerken in Werlte und Surwold weitere Druckstationen in Papenburg, Heede, Sustrum-Moor, Esterwegen, Börger und Werpeloh.

Größe des Verbandsgebiets: 1200 Quadratkilometer

Versorgte Städte/Gemeinden: 35

Versorgte Einwohner: ca. 125.000

Länge des Leitungsnetzes: ca. 1800 Kilometer

Anzahl der Hausanschlüsse: ca. 42.000

Höhenunterschiede im Verbandsgebiet: ca. 70 Meter

Wasserspeichervolumen: ca. 50.000 Kubikmeter

Tägliche Wasserabgabe im Durchschnitt: ca. 30.000 Kubikmeter

Aufgaben: Wasserversorgung, Abwasserabrechnung

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