Fall aus dem nördlichen Emsland Zeugin verweigert Aussage im Drogenboss-Prozess

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In einer weiteren Verhandlung rund um einen mutmaßliche Drogenboss aus dem nördlichen Emsland ging es vor dem Landgericht Osnabrück zentral um den Familienstand einer Zeugin und des Angeklagten. Symbolfoto: Michael GründelIn einer weiteren Verhandlung rund um einen mutmaßliche Drogenboss aus dem nördlichen Emsland ging es vor dem Landgericht Osnabrück zentral um den Familienstand einer Zeugin und des Angeklagten. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Verlobt oder nicht verlobt? – Das war zuletzt eine wichtige Frage für das Landgericht Osnabrück im Prozess gegen den mutmaßlichen Drogenboss Uwe G. aus dem nördlichen Emsland.

Während der Verhandlung sollte die 26-jährige Lebensgefährtin des seit Dezember 2017 in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten von der Großen Strafkammer als Zeugin vernommen werden. Doch schon nach wenigen Minuten konnte die junge Frau in Begleitung ihres Rechtsbeistands aus Hamburg den Zeugenstand wieder verlassen. Der Grund: Sie hatte angegeben, seit ihrem Geburtstag im Juli 2016 mit Uwe G. (51) verlobt zu sein. Verlobte haben vor der Justiz ein Zeugnisverweigerungsrecht, wenn ihr Partner angeklagt ist. Von diesem Recht machte die Zeugin Gebrauch, die bei der Frage nach ihrem Beruf angegeben hatte, als Dolmetscherin gearbeitet zu haben.

Gericht schenkte der Zeugin Glauben

Mit welcher Tätigkeit die Frau aus dem nördlichen Emsland inzwischen ihren Lebensunterhalt bestreitet, war nicht Thema ihrer Befragung. Allerdings hielt der Vorsitzende Richter ihr das Protokoll eines Polizeibeamten vor, in dem sie im Dezember 2017 nach der Festnahme von Uwe G. gesagt haben soll, nicht verlobt zu sein. Letztlich nahm das Gericht der jungen Frau ihre Version von der Verlobung ab. Auch als Partnerin von Uwe G. ohne Verlobungsring hätte die Zeugin ein weitgehendes Recht gehabt, auf Fragen nicht zu antworten, weil sie sich selbst nicht belasten muss.

Uwe G., dem die Staatsanwaltschaft den Handel mit Drogen im großen Stil vorwirft – mit Einnahmen von mehr als fünf Millionen Euro, die er als Kopf einer Bande erzielt haben soll – hatte indes zu Prozessbeginn Anfang September ebenfalls Wert auf die Feststellung gelegt, verlobt zu sein. Dies hatte er bei der Frage nach seinem Familienstand betont, obwohl es einen solchen Familienstand nicht gibt. Im Fall von Uwe G. müsste die entsprechende Frage amtlich korrekt mit „geschieden“ beantwortet werden.

Zeuge in Handschellen

Der zweite Zeuge am jüngsten Verhandlungstag wurde in Handschellen vorgeführt. Der 33 Jahre alte Schweißer aus Bremerhaven ist wegen des versuchten Einschmuggelns von Kokain vom Landgericht Bremen vor einiger Zeit zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden – jedoch ist diese Strafe noch nicht rechtskräftig. Auch dieser Zeuge, der seine Tat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft im Auftrag von Uwe G. verübt hat, erschien vor dem Osnabrücker Gericht mit einem Rechtsbeistand. Mit einer Aussage hätte sich der Vorgeladene wahrscheinlich auch selbst belasten müssen – und machte ebenfalls von seinem Verweigerungsrecht Gebrauch.

Der Prozess ist bis weit ins Frühjahr 2019 hinein terminiert und wird am Dienstag, 30. Oktober, fortgesetzt.

(Weiterlesen: Verdeckter Ermittler belastet mutmaßlichen Drogenboss)


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