Ötztal-Marathon geschafft Fünf Werlter bezwingen den „Scharfrichter“ – 238 Kilometer zurückgelegt

Von Mirco Moormann, 10.09.2018, 12:17 Uhr
Alle fünf Werlter haben das Rennen geschafft und die begehrten „Finisher“-Trikots erhalten: (von links) Stephan Lünswilken, Franz Knese, Hans Bollen, Devid Friedemann und Georg Schlangen. Foto: Radteam Werlte

Werlte/Sölden. Fünf Männer vom Werlter Radteam sind beim härtesten Amateur-Radrennen Europas angetreten – und haben allesamt das Ziel erreicht. Der „Ötztal-Marathon“ mit 5500 Höhenmetern und einer Gesamtlänge von 238 Kilometern hat die Hobbysportler vom Hümmling jedoch bis ans Limit gebracht.

Schon bei der Anreise am vorletzten Freitag gab es die ersten Wetter-Vorboten: Es regnete in Strömen. Wie Devid Friedemann vom Radteam im Gespräch mit unserer Redaktion weiter mitteilt, gab es auch am Samstag, dem Tag vor dem Rennen, ebenfalls Dauerregen. So fand auch das sogenannte Einrollen in Regen und einsetzender Kälte statt. „Da stellte sich schon die Erkenntnis ein: Wenn das morgen auch so ist, wird das eine eine Schinderei“, so Friedemann.

Beim Fahrerbriefing am Samstagabend sagte eine Meteorologin dann verhältnismäßig gutes Wetter voraus. Am Sonntag sollte es größtenteils trocken bleiben, Schauer kämen erst nach der der sechsten Rennstunde. Daraufhin gingen auch die Werlter, wie die insgesamt mehr als 4100 Teilnehmer aus 36 Nationen, relativ beruhigt schlafen.

Wetter spielt nicht mit

Am Renntag ging es früh los. Um 5.45 Uhr bei der Startaufstellung war es trocken, aber kalt. Auch der Startschuss um 6.45 Uhr fiel noch bei Trockenheit, so Friedemann. „Mit 5500 Höhenmetern und einer Gesamtlänge von 238 Kilometern ist der Ötztaler Radmarathon schon an sommerlichen Traumtagen kein Zuckerschlecken“, sagt der erfahrene Hobbyradfahrer. Insgesamt vier Alpenpässe mussten die Teilnehmer überwinden.

Bereits nach eineinhalb Stunden setzte dann der Regen ein. Auf dem Kühtai mit 2000 Metern Höhe wurde es dann schon „sehr ungemütlich“ bei Temperaturen von zwei Grad. „Man ist sofort durchgefroren“, sagt Friedemann. Die Abfahrt vom Kühtai folgte „mit schlotterndem Körper“. Füße, Nacken und Finger waren kaum noch zu spüren. „Die Worte der Meteorologin vom Vorabend klingen in den Ohren nach“, erinnert sich der Werlter.

Dann folgte der Brenner. Bei der Fahrt durch Innsbruck herrschten zwischenzeitlich angenehmen Bedingungen im Tal. Die nasse Straße jedoch machte Gulli-Deckel, Bahnübergänge oder Zebrastreifen zu Rutschfallen. Es kam auch zu einigen Stürzen. Die Auffahrt zum Brenner war dann wieder bei nasskalten Bedingungen.

„Elendige Kälte“

Die dritte Hürde war der Jaufenpass: „Im Anstieg war es trocken, dann kam wieder der Regen und die elendige Kälte“, sagt Friedemann. An der Verpflegung auf Passhöhe wurde heiße Brühe gereicht, um dem Körper Wärme zuzuführen. Die Abfahrt dann wieder im Regen, „sehr gefährlich aufgrund der Kehren und der schlechten Straßenverhältnisse“.

Der härteste Teil folgte am Timmelsjoch: Erneut sind 1800 Höhenmeter zu bewältigen – nicht umsonst wird das Timmelsjoch auch „der Scharfrichter“ des Rennens genannt. Im Tal ist es anfangs trocken mit angenehmen 20 Grad. „Aber im Anstieg dann wieder Regen und fallende Temperaturen. Am Straßenrand mehren sich die Teilnehmer die Ihre Kräfte nicht eingeteilt haben“, sagt Friedemann. Es wird geschoben, einige steigen in den Besenwagen, einige müssen im Rettungswagen versorgt werden. An der Station Schönau auf der halben Strecke zum Gipfel gibt es bei Regen und Kälte erneut Verpflegung: „Koffeinbrause, Banane, Kuchen das muss rein, um die letzten zehn Kilometer auf das Timmelsjoch zu überstehen“, berichtet Friedemann.

Bei null Grad über den Pass

„Steigungen von bis zu zwölf Prozent quetschen das letzte aus dem Körper und lassen die zehn Kilometer wie 100 erscheinen. Die letzten drei Kehren werden zur Tortur.“ Doch dann ist das Timmelsjoch geschafft, der Pass bei null Grad überfahren. Die Abfahrt wieder bei Kälte und durchnässt: „Ich zittere am ganzen Körper und muss aufpassen, dass ich den Lenker nicht verreiße.“ Dann folgt noch ein Gegenanstieg mit „nur“ 200 Höhenmetern. „Das macht dich fertig“, so Friedemann kurz und knapp. Die Kälte und Nässe bei der Abfahrt gehen bis auf die Knochen.

Zittern am ganzen Körper

Bei der Ankunft in Sölden ist es trocken, doch die Radler sind unterkühlt. „Das gereichte Heißgetränk bleibt nicht im Becher, das Zittern ist zu stark“, so Friedemann. Doch nach 12.20 Stunden gibt es doch ein versöhnliches Ende. „Man hat es geschafft, man ist ein Finisher, man ist ein Ötzi“. Das Fazit der Werlter: „Der 38. Ötztaler Marathon war einer der Härtesten. Der Schmerz geht, der Stolz bleibt.“ Seine Mitstreiter waren vor Friedemann im Ziel: Stephan Lünswilken nach 10.40 Stunden, Hans Bollen nach 10.48 Stunden, Franz Knese nach 11.42 Stunden und Georg Schlangen nach 12.02 Stunden.

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