Serie „Mein Job und ich“ Hoteldirektor aus Werlte über Afrika, Arbeitszeiten und berühmte Gäste

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Werlte. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht diesmal Mark Finke, Direktor des African-Sky-Hotels in Werlte, über die afrikanische Mentalität, seine Hauptaufgaben im Tagesbetrieb und die Begegnung mit Sänger Udo Jürgens.

Herr Finke, Sie haben 23 Jahre lang in Südafrika gelebt und sich dann für einen Umzug nach Werlte entschieden. Was sind die größten Unterschiede zwischen beiden Ländern, von der Landschaft einmal abgesehen?

Die Südafrikaner sind unheimlich fleißige und bescheidene Menschen. Sie freuen sich auch über die kleinen Dinge im Leben und sind glücklich, wenn sie Arbeit haben und ihre Familie ernähren können. Diese Positivität der Menschen und ihren Humor mochte und mag sich sehr. Landschaftlich weckt Afrika Gedanken an Abenteuer, Natur und interessante Tiere. An Deutschland und dem Emsland liebe ich die Traditionen wie Nachbarschaft und Ehrenamt, der Fleiß und die Freundlichkeit der Emsländer, natürlich auch das ordentliche und aufgeräumte. Wer durch die Straßen fährt, sieht überall gepflegte Vorgärten und moderne Häuser. Das ist in Südafrika und in auch Deutschland nicht überall der Fall.

Wie kam es zu dem Umzug auf den Hümmling?

Das hat zum einen mit meinem Schwiegervater Franz van Helt und seiner Tochter Sarah, meiner Ehefrau, zu tun. Wir saßen Silvester auf der Terrasse seines Hotels in der Nähe des Krüger Nationalpark und er sagte: Ich träume schon immer von einem Hotel in meiner Heimatgemeinde Werlte. Zu der Zeit ging es mir gesundheitlich nicht so gut, ich war vorher an Leukämie erkrankt. Meine Frau und ich brauchten irgendwie eine neue Herausforderung. Wir hatten zu dem Zeitpunkt auch wenig Verpflichtungen, noch keine Kinder zum Beispiel. Deshalb entschieden wir uns, den Schritt von Südafrika nach Deutschland zu wagen und damit auch den Traum von Franz, ein Hotel in Werlte, zu verwirklichen, aber natürlich auch unser eigene berufliche und unternehmerische Ziele.

Fühlen Sie sich nach jetzt gut zehn Jahren „heimisch“ in Werlte?

Ja, absolut. Wir sind sehr gut aufgenommen worden in die Werlter Gemeinschaft. Wir konnten dabei auch auf das Netzwerk bauen, das mein Schwiegervater hier auf dem Hümmling hat. Er hat nach seinem Wegzug aus Werlte in den 1970er Jahren viele Kontakte nie abreißen lassen. Mit inzwischen zwei kleinen Kindern fühlen wir uns hier sehr wohl. Leider komme ich nicht mehr dazu, Rugby bei Sparta Werlte zu spielen. Das kann mein Bruder Ralf Finke auch viel besser (lacht). Die Sportart ist in Südafrika extrem beliebt, das Land war ja 1995 sogar Rugby-Weltmeister.

Was sind Ihre Hauptaufgaben hier im Hotel?

Wir bilden unsere Hotel- und Restaurantfachleute oder Köche immer so aus, dass jeder alles kann. Das gilt auch für mich: Wenn Gäste anreisen, helfe ich an der Rezeption beim Ein- und Auschecken, zur Frühstückszeit unterstütze ich den Service, oder ich bearbeite am Computer Buchungen und mache die Buchhaltung. Wichtig ist auch die Funktion als Food-and-Beverage-Manager, also dem Einkauf und der Organisation der Gastronomie. Das ist wichtig für ein Hotel mit Restaurant, weil hier viele Fehler passieren können. Die Kosten müssen schließlich immer im Blick behalten werden, und die Qualität muss passen. Und im Housekeeping, also dem Reinigen der Gästezimmer, schaue ich regelmäßig nach dem Rechten, oder packe selber mit an, wenn Eile geboten ist. Nur wer auch mal Toiletten putzt oder in der Küche arbeitet, hat Respekt vor diesen Tätigkeiten.

Haben Sie feste Arbeitszeiten?

Auch mal früh, spät oder am Wochenende zu arbeiten, ist im Hotel- und Gaststättengewerbe normal. Ich habe den Vorteil, mich mit meiner Frau Sarah abwechseln zu können. Sie ist häufig morgens hier, kümmert sich um ankommende Gäste oder hilft beim Frühstück. Ich kann mich dann um unsere beiden Kinder kümmern und fahre in der Mittagszeit ins Hotel und bleibe bis in den Abend hinein. Am Wochenende sind wir bei guter Belegung oder Großveranstaltungen dann nicht selten beide hier. Derzeit muss ich mich zusätzlich um den Erweiterungsbau kümmern, bei dem es noch bis Anfang 2019 viele Details zu klären gibt.

Im Emsland ist wegen der niedrigen Arbeitslosenquote immer wieder von Fachkräftemangel die Rede. Spüren Sie den auch?

Ja, in der Gastronomie gibt es den vielfach. Die Arbeitszeiten sind zugegebenermaßen nicht einfach, gerade für junge Leute, die zum Beispiel am Wochenende lieber die Zeit mit Freunden oder Familie verbringen möchten. Wir versuchen, durch flexible Dienstpläne jedem gerecht zu werden und dadurch auch die Arbeitsbelastung an Wochenenden oder Abendstunden fair verteilt wird. Ich sage gern: Wir haben, was das Anwerben von Auszubildenden angeht, zudem die Möglichkeit, dass die Azubis bei guten Leistungen die Möglichkeit bekommen können, in Hotels der Gruppe in Südafrika mehrwöchige Praktika zu machen können, sofern sie das möchten. Es gibt auch ehemalige Azubis, die das nach mehreren Jahren erst machen. Manchmal bilden wir hier auch junge Menschen aus Südafrika aus. Derzeit zum Beispiel Collins Nkosi. Aber es ist nicht einfach, für die eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, wenn sie keine europäischen Vorfahren haben.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht, um Hotel-Direktor zu werden?

Ursprünglich hatte ich gar nichts mit dem Hotelgewerbe zu tun, aber die Gastronomie wurde mir in die Wiege gelegt. Meine Eltern haben 27 Jahre lang ein Restaurant in Südafrika geführt. Ich habe in Südafrika nach dem Abitur zunächst Wirtschaft- und Finanzwesen studiert, habe während und nach dem Studium für eine kleine Firma im Verkauf gearbeitet, aber immer auch meine Eltern unterstützt. Als ich mit Anfang 20 meine jetzige Frau kennengelernt habe, habe mich immer mehr für das Hotelgewerbe interessiert. Sarah ist ja quasi in Hotels ihrer Eltern aufgewachsen und hat Hotel- und Tourismusmanagement studiert. Was die Leitung eines Hotels angeht, haben wir beide natürlich viel von Franz gelernt. Er hat in Südafrika über Jahrzehnte Afrikaner, aber auch Europäer ausgebildet. Allerdings „On the Job training“, also das Anlernen durch Ausüben der Tätigkeit, die klassische Ausbildung wie in Deutschland gibt es dort ja nicht.

Gab es ungewöhnliche Erlebnisse in Ihrem bisherigen Berufsleben, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

An bekannte Gäste erinnert man sich natürlich. Udo Jürgens zum Beispiel hat hier 2010 vor seinem Konzert in Sögel eine Zeit verbraucht, auch mehrere andere Musiker, Politiker oder bekannte Geschäftsleute haben hier übernachtet. Es ist ein schöner Beruf, bei dem man fast jeden Tag etwas anderes erlebt. Und man lernt vieles: Geduld, Menschenkenntnisse, Toleranz, neue Sprachen, oder schnelles Handeln. Wichtig ist mir, dabei wann immer es möglich ist Menschen aus meinem ehemaligen Heimatland zu unterstützen. Zum Beispiel, indem wir Waren von ihnen beziehen, die wir hier weiterverarbeiten wie Krokodil-, Straußen- oder Springbockfleisch oder kleine, handgefertigte Glaskunstwerke, sogenanntes Ngwenya- oder Sonnenglas.


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