Gegen Stellenstreichungen Protest überschattet Einweihung des Hümmlinger Energieparks

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Lorup. Begleitet von einen breiten Protest der IG Metall im Bezirk Küste hat am Sonntagnachmittag die Einweihung des Energieparks Hümmling in Lorup stattgefunden. Der Protest richtete sich gegen die angekündigten Stellenstreichungen bei der Enercon-Tochter Aero Ems in Haren.

Sichtlich aus dem Konzept brachte Werltes Samtgemeindebürgermeister Ludger Kewe (CDU) beim Sprechen seines Grußwortes die Ankunft der knapp 80 Protestler. Mit Trillerpfeifen und dem Schlachtruf „Wir sind Enercon“ zogen sie angeführt vom Ersten IG-Metallbevollmächtigten Thomas Gelder in das große Festzelt auf dem Windparkgelände ein. Nach einigen Diskussionen mit den Gastgebern des Energieparks und der Raiffeisenbank (Raiba) Lorup nahm der Protestzug im Zelt an den Tischen Platz. „Wir wollen hier keinen Stress machen“, erklärte Gelder im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es geht uns darum, von Enercon Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern einzufordern und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“

„Jahrhundertprojekt“

Als rund eine Stunde vorher der offizielle Festakt zur Einweihungsfeier begann, deutete noch nichts auf diesen unerwarteten Besuch hin. Christoph Gravel, Geschäftsführer der Raiffeisen Bauträger und Immobilien GmbH (RBI), einem Tochterunternehmen der Raiba Lorup, das für den Bau des Parks verantwortlich zeichnet, hieß die mehreren Hundert Gäste in „ihrem Windpark“ willkommen. „Der Weg zum Windpark war ein langer und mühsamer, den wir dank Ihrer großartigen Unterstützung erfolgreich gemeistert haben“, so Gravel. Er sprach von einem „Jahrhundertprojekt“, das von einer großen Akzeptanz der Bevölkerung getragen worden sei.

Breite Akzeptanz in der Bevölkerung

Ende letzten Jahres nutzten 1535 Bürger der Samtgemeinde Werlte einen sechswöchigen Zeitraum, um sich Anteile für den im Hassmoor realisierten Windpark zu sichern. Insgesamt 37,6 Millionen Euro an Eigenkapital wurden dabei gezeichnet. Bis auf kleinere technische Probleme an den Betontürmen ist Gravel zufolge der Bau der 23 Anlagen abgeschlossen.

Jürgen Schenzel, Vorstand der Raiba Lorup, bedankte sich für das Vertrauen der Anleger. „Wir rücken zurück in das Glied der Initiatoren. Eigentümer des Windpark sind jetzt Sie liebe Kommanditisten.“ Schenzel lobte die Bereitschaft, anzupacken statt zu mauern. „Wichtig bei dem Projekt war, dass jeder Bürger der Samtgemeinde auch mit geringen Einlagen partizipieren konnte.“ Stolz zeigte sich der Bankvorstand zudem über die Akzeptanz. „Es gab keinerlei Einwände gegen das Vorhaben.“

Raiba spendet der Gemeinde eine halbe Million Euro

Die Verbundenheit der Raiba Lorup mit der Region dokumentierte im Anschluss eine Überraschung an Lorups Bürgermeister Wilhelm Helmer. Der Gemeinde ließ das Geldinstitut eine Spende in Höhe von 500.000 Euro für gemeinnützige Zwecke zukommen. „Konkrete Ideen für eine Verwendung konnte uns die Verwaltung noch nicht nennen, dafür war die Entscheidung zu kurzfristig“, teilte Schenzel mit. Helmer bedankte sich für die Großspende, die es nach seinen Worten in dieser Höhe in Lorup bislang noch nicht gab. „Wir werden kurzfristig Vorschläge und Ideen finden und das Geld an richtigen Stellen einsetzen.“ Der Bürgermeister hob zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Energiepark hervor und stellte fest, dass „uns viele Nachbargemeinden für den Bürgerwindpark beneiden.“

Enercon-Geschäftsführer: „Müssen unternehmerisch handeln“

Nach dem Einzug des Protestzuges gingen die folgenden Redner auf deren Anliegen ein. Enercon-Geschäftsführer Simon-Hermann Wobben sprach von einer besonderen Situation und änderte sein ursprünglich vorgesehenes Grußwort. „Es tut mir für jedes Schicksal leid, aber müssen unternehmerisch handeln.“ Als Grund für die Stellenstreichungen bei dem Zuliefererbetrieb nannte Wobben einen Auftragsrückgang von 40 Prozent. „Diese Entwicklung bedarf einer Reaktion, auch wenn sie schmerzvoll ist.“ Die Auftragsflaute sieht der Geschäftsführer nicht als „kleine Delle“. Er geht von einer längeren Krise aus.

„Ein Stück weit die Verlierer“

Olaf Lies (SPD), niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, die hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann und ihr Parteikollege Bernd Busemann, Vizepräsident des niedersächsischen Landtages, sprachen sich allesamt dafür aus, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. „Bei der Energiewende und damit auch der Windenergie ist der Motor ins Stocken geraten. Die Mitarbeiter vor Ort sind ein Stück weit die Verlierer“, betonte Connemann und fügte an unter dem Applaus der Protestler an: „Sie haben einen Anspruch auf Gespräche.“

Keine ewig langen Debatten

Minister Lies nahm ebenso wie seine Vorredner die Politik in die Pflicht. „Wir müssen ganz zügig Rahmenbedingungen schaffen, um eine Beschäftigung in der Windenergiebranche auf lange Sicht sicher zu stellen.“ Er appellierte aber auch daran, sich in den Köpfen darauf einzulassen. „Lasst uns bereit sein für die Windenergie und uns nicht mit ewig langen Debatten um den Leitungsausbau beschäftigen.“ Mit Blick auf die knapp 80 Protestler kündigte er an, das Gespräch mit allen Beteiligten suchen zu wollen.


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