Plädoyer der Staatsanwaltschaft Angeklagter im Werlter Herbstmarkt-Prozess soll über vier Jahre in Haft

Meine Nachrichten

Um das Thema Werlte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im Prozess gegen einen 34-Jährigen vor dem Landgericht Osnabrück fordert die Staatsanwaltschaft vier Jahre und acht Monate Haft. Symbolfoto: Michael GründelIm Prozess gegen einen 34-Jährigen vor dem Landgericht Osnabrück fordert die Staatsanwaltschaft vier Jahre und acht Monate Haft. Symbolfoto: Michael Gründel

Werlte/Osnabrück. Im Prozess um den Tod eines 31-jährigen Mannes im Umfeld des Herbstmarktes in Werlte hat die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Osnabrück vier Jahre und acht Monate Haft für den Angeklagten gefordert.

Nach Anhörung von Zeugen besteht nach Auffassung der Anklagebehörde kein Zweifel daran, dass der 34-Jährige dem Opfer „aufgelauert und zu Tode geschlagen oder getreten“ habe. Die Vertreterin der Nebenklage forderte eine Haftzeit von fünf Jahren und sechs Monaten. 

Wie sich im Prozessverlauf herausstellte, war Ursache des Streits zwischen den beiden eine Frau gewesen, mit der die verheirateten Männer gleichzeitig eine sexuelle Beziehung unterhalten. Das spätere Opfer habe dem anderen angedroht, dieses Verhältnis dessen Ehefrau mitteilen zu wollen. Auf dem Herbstmarkt waren sie aufeinandergetroffen, es hatte sich eine Rangelei entsponnen, in deren Verlauf der Angeklagte von dem 31-Jährigen mit einem Bierglas ins Gesicht geschlagen worden war. Ob er es ihm danach mit gleicher Münze heimgezahlt hatte, wie eine Zeugin es gesehen haben wollte, konnte vor Gericht nicht eindeutig bewiesen werden.

Der Angeklagte hat es nach Darstellung des Staatsanwaltes darauf angelegt, nach dem von ihm als schwere Kränkung empfunden Schlag es dem späteren Opfer „heimzahlen zu wollen“. Deshalb sei er eineinhalb bis zwei Stunden nach diesem Geschehen, als er davon gehört habe, sein Kontrahent entferne sich von der Kirmes, zur Straßenecke Loruper Straße/Am Markt gegangen, wo er sich versteckt und dann einen „hinterhältigen Überfall auf das ahnungslose Opfer“ verübt habe. (Weiterlesen: Angeklagter relativiert Tat mit Todesfolge in Werlte)

Letztlich seien es Tritte gegen den Kopf des am Boden liegenden 31-Jährigen gewesen, die drei Tage später zu dessen Tod geführt hatten. Ob das durch eine Aneurysmaruptur, den Riss einer beim Opfer vorhandenen Arterienerweiterung, geschehen war, oder einer anderen Gehirnblutung, darüber gebe es abschließend keine Gewissheit, hieß es.

„Nach dem Schlag mit dem Bierglas hat der Angeklagte genügend Zeit gehabt, seiner Erregung Herr zu werden. Aber er hat das Tatgeschehen angekündigt, geplant und durchgeführt“, fasste der Ankläger zusammen. Ein minder schwerer Fall war seinen Worten nach deshalb auszuschließen.

Schwerwiegend sei weiterhin, dass der Angeklagte nach der Tat und auch noch bis zum Prozess hin zwei Zeugen beeinflusst habe, zu seinen Gunsten auszusagen. Bei ihrer Vernehmung im Gericht hatte eine Zeugin nach hartnäckiger Befragung durch die Beteiligten zugegeben, die Unwahrheit gesagt zu haben. (Weiterlesen: Tod nach Marktbesuch in Werlte: Zeuginnen widersprechen Angeklagtem)

Der Angeklagte habe sich der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht. Weil er bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung ist, „nicht als Schläger bekannt ist“, so der Antrag des Staatsanwaltes, solle er für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Die Vertreterin der Nebenklage, die die Interessen der Angehörigen des Opfers vertritt, forderte eine Haftdauer von fünf Jahren und sechs Monaten. „Er hat nachweislich die Konfrontation gesucht, sich anschließend entfernt und Zeugen beeinflusst“. Ein Mensch sei gestorben, es gehe nicht „um den Diebstahl von einer Packung Zigaretten“. Ebenfalls sei der Verweis auf eine vorherige Erkrankung des Opfers oder dessen Aneurysma kein Grund, Milde walten zu lassen. „Kein Täter hat das Recht auf ein perfekt gesundes Opfer“, erklärte sie.

Der Prozess wird am 18. September mit dem Plädoyer des Verteidigers fortgesetzt. Unter Umständen wird am selben Tag auch das Urteil erwartet werden können.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN