Traumjob Krankenpfleger Junger Syrer startet nach Schulabschluss in Werlte durch

Von Mirco Moormann

Seinen Schulabschluss in der Tasche hat Syamend bereits. In Zukunft strebt er eine Ausbildung zum Pflegeassistenten – und dann zum Krankenpfleger an. Foto: Mirco MoormannSeinen Schulabschluss in der Tasche hat Syamend bereits. In Zukunft strebt er eine Ausbildung zum Pflegeassistenten – und dann zum Krankenpfleger an. Foto: Mirco Moormann

Werlte. Als der heute 19-jährige Syamend im September 2015 nach Werlte kam, sprach er kein einziges Wort Deutsch. Nun hat er seinen Schulabschluss mit der Durchschnittsnote 2,3 geschafft – und will Krankenpfleger werden.

Der Krieg in Syrien zwang die Familie, das Land zu verlassen, wie Syamend im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. Nachdem das Haus der Familile in Aleppo zerstört wurde, machte er sich mit seinen Eltern auf den Weg nach Deutschland. Über die Türkei ging es mit einem Schlauchboot, das mit 40 Personen samt Gepäck fast unterzugehen drohte, nach Griechenland. Über die Balkan-Route und Österreich führte sie der Weg – mal im Zug und oft auch zu Fuß – bis nach Deutschland. Nach 40 „nicht so schönen“ Tagen im Aufnahmelager in Bramsche, in dem zu dieser Zeit 5000 Menschen lebten, kam die Familie nach Werlte, wo sie seither im Haus einer älteren Dame lebt.

Kein Wort Deutsch

„Die Sprache konnte ich gar nicht“, erinnert sich Syamend zurück. Gemeinsam mit der Vermieterin machte er sich daran, sie zu lernen. „Anfangs haben wir nur Mensch ärgere dich nicht gespielt“, sagt der 19-Jährige. Da habe man sich anfangs nur mit Händen und Füßen verständigen können, auch wenn Syamend eine Sprachklasse in der Werlter Oberschule besuchte. Den Abschluss an der Schule habe er aber aufgrund der schlechten Deutschkenntnisse nicht geschafft. Die Kriegsumstände in der Heimat kamen erschwerend hinzu: „Aufgrund des Krieges war ich in Syrien seit der siebten Klasse nicht mehr in der Schule“, so der junge Mann, der aus einer kurdischen Familie stammt.

Abschluss in Meppen

Im Laufe der Zeit wurde die Sprache immer besser, meint auch die Vermieterin und attestiert ihm eine „sehr gute Auffassungsgabe“. Von Werlte aus besuchte Syamend dann die Berufseinstiegsklasse (BEK) Hauswirtschaft und Pflege in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Meppen. Dort hat er dann seinen Schulabschluss mit der Note 2,3 gemacht. „Nur eine in der Klasse war besser“, sagt der 19-Jährige, der weiter die Schulbank drücken will und sein Zeugnis, auf dem fast nur „Zweier“ stehen, stolz vorzeigt. Auch ein Praktikum im Hümmling Hospital in Sögel hat Syamend, der mittlerweile auch seinen Führerschein in Deutschland gemacht hat, erfolgreich absolviert.

Weiter zur Schule

Die Ausbildung zum Pflegeassistenten in der zweijährigen Berufsfachschule (BFS) an den BBS steht als Nächstes auf dem Plan. „Wenn ich die auch so gut bestehe, dann habe ich meinen Realschulabschluss“, sagt Syamend, der künftig auf jeden Fall im Pflegebereich tätig sein möchte. Danach, so der junge Mann, will er noch eine Ausbildung zum Krankenpfleger anhängen. Nach Abschluss der zweijährigen BFS ist er dafür qualifiziert.

Englisch nächste Sprache

In seiner Freizeit hilft Syamend seiner Vermieterin im Garten oder beim Einkaufen. „Das Zusammenleben klappt gut“, meint auch die Vermieterin, die anonym bleiben möchte. Seine Deutschkenntnisse hat Syamend auch schon als Dolmetscher bei Behördengängen einiger Landsleute unter Beweis gestellt. Auch ist er mit den Eltern gelegentlich in Bremen, denn dort wohnt seine Schwester mit ihrem Mann und einer Tochter. Wo genau es ihn hin verschlägt, das weiß der junge Mann heute noch nicht. „Je nachdem wo ich einen Ausbildungsplatz oder später auch einen Arbeitsplatz bekomme“, meint Syamend, der neben Deutsch auch Kurdisch, Türkisch und Arabisch spricht. In der Schule hat er noch eine weitere Sprache auf dem Stundenplan: Englisch. „Damit tue ich mir noch etwas schwer“, gibt der junge Mann zu. Aber auch das werde in Zukunft sicherlich auch klappen, meint er.


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