Spar-Appell an Verbraucher Wasser im nördlichen Emsland wird knapp

Von Mirco Moormann


Werlte. Der Wasserverband Hümmling, der das komplette nördliche Emsland mit Frischwasser versorgt, schlägt Alarm: Die Entnahmemengen und die technischen Systeme zur Wasserversorgung in der Region sind am Limit, wie Geschäftsführer Thomas Rakers mitteilt. Er appelliert an einen sparsamen Umgang mit dem Leitungswasser.

Wie Rakers im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt, erreicht die Wasserabgabe im Verbandsgebiet in diesen Tagen täglich Rekordwerte. Beträgt die durchschnittliche Menge am Tag etwa 32.000 Kubikmeter, sind es derzeit „an vielen Tagen auch hintereinander um die 50.000 Kubikmeter“, so Rakers, der von einer „außergewöhnlichen Situation aufgrund der lang anhaltenden Hitze- und Trockenperiode“ spricht. (Weiterlesen: So warm wird es in den kommenden Tagen in unserer Region)

Wasserwerke am Limit

Alle Grundwasser-Förderbrunnen laufen bereits seit Wochen rund um die Uhr, die beiden Wasserwerke in Werlte und Surwold werden mit Hochdruck und maximaler Menge betrieben, um das Grundwasser zu Trinkwasser aufzubereiten. Auch alle Reinwasserpumpen werden auf den höchsten Stufen betrieben. „Die technischen Systeme sind ausgereizt und haben ihre Belastungsgrenzen erreicht“, so Rakers.

Es werde deutlich mehr Trinkwasser abgegeben als Rohwasser zur Aufbereitung gefördert werden kann. Zum Ausgleich dieses Umstandes dienten die Trinkwasserbehälter des Verbandes als Puffer, die in der Regel nachts wieder gefüllt werden. „Die Abgabemenge ist aber zurzeit so hoch, dass die Behälter nicht mehr vollständig gefüllt werden können“, erklärt Rakers. (Weiterlesen: Ungewohnte Hitzewelle erhöht Brandgefahr im Emsland)

Solidarität der Verbraucher

Um unter diesen Umständen Wasser mit ausreichend Druck für alle Abnehmer bereitstellen zu können, ist laut Rakers die Solidarität aller Verbraucher gefragt. Vorrang habe zunächst die Versorgung von Mensch und Tier. Und auch für die zurzeit erhöhte Brandgefahr müsse Wasser zur Verfügung stehen.

Im Namen des Wasserverbandes appellieren Rakers und der Verbandsvorsteher Ludger Kewe an alle Abnehmer im gesamten Verbandsgebiet, jegliche Art des Wasserverbrauchs, der nicht zwingend zur Versorgung von Mensch und Tier erforderlich ist, zu unterlassen. Dazu zählt das Sprengen von Rasen und Blumen, das Bewässern von Bäumen, Autowaschen, Pools befüllen sowie die private Nutzung von Freiluftduschen oder Wasserrutschen. Auch das Aufstellen von sogenannten Hydrantenstandrohren zur Entnahme größerer Wassermengen bittet der Verband zu unterlassen.

Druckminderung möglich

„Wenn alle in diesem Sinne mitwirken, sollte es möglich sein, für jedermann im Verbandsgebiet ausreichende Versorgungsverhältnisse zu behalten. Dies gilt insbesondere für die nächsten Tage, für die weiterhin nicht mit Regen und/oder kühleren Temperaturen zu rechnen ist“, so Rakers. Der Wasserverband schaue weiterhin genau auf den Verbrauch der kommenden Tage. Sollte sich die Entnahmemenge nicht entsprechend reduzieren, dann müsse als nächste Konsequenz der Druck im gesamten Netz vermindert und eine reduzierte Versorgung gestartet werden.

(Weiterlesen: Wasser-Experte aus Werlte über Rohrbrüche, Sauberkeit und kuriose Anrufe)

Scheinbar gute Versorgung

Besonders die Menschen, die in der Nähe der Wasserwerke oder Druckstationen leben und deshalb augenscheinlich genügend Wasser zur Verfügung zu haben scheinen, sollten mit dem Wasser sparsam umgehen, so Rakers. Dazu zählt er die Orte Werlte, Rastdorf, Lorup, Vrees und Lahn in der Samtgemeinde Werlte, Sögel, Hüven, Börger und Spahnharrenstätte in der Samtgemeinde Sögel, Hilkenbrook, Surwold und Breddenberg in der Samtgemeinde Nordhümmling, Lathen, Renkenberge und Fresenburg in der Samtgemeinde Lathen, Dörpen, Neubörger, Lehe, Wippingen und Kluse in der Samtgemeinde Dörpen, die Ortschaft Rhede ohne Brual in der Einheitsgemeinde Rhede, das Stadtgebiet der Stadt Papenburg (incl. Aschendorf, Tunxdorf, Nenndorf), den Ort Völlen in der Gemeinde Westoverledingen sowie die Orte Gehlenberg und Neuvrees, die zur Stadt Friesoythe gehören.

Kapazitäten wurden erhöht

Die Mitarbeiter des Verbandes arbeiteten laut Rakers stets mit voller Kraft für die Versorgung aller Abnehmer, seien nun aber auch auf die solidarische Mithilfe aller Kunden angewiesen. „Und dies obwohl bereits in den letzten Jahren und auch aktuell die Systeme permanent zum Zwecke der Kapazitätserhöhung und besseren Verteilung ausgebaut wurden und werden“, so der Geschäftsführer. Dazu zählt er die Wasserwerkserweiterung, neu angelegte Brunnen, neue Pumpen, zusätzliche Behälter oder etwa den Rohrnetzausbau.

Wasserspartipps gibt es auch auf der Internetseite des Verbandes unter wasserverband-huemmling.de/Wassersparen.


Der Wasserverband Hümmling betreibt die öffentliche Wasserversorgung im nördlichen Teil des Landkreises Emsland und in kleineren Teilgebieten benachbarter Landkreise (Völlen im Landkreis Leer; Gehlenberg und Neuvrees im Landkreis Cloppenburg).

Seit Mitte der 1960-er Jahre betreibt und unterhält er hierzu das Wasserwerk Werlte. Aufgrund der damals großen Nachfrage zum Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung und einer entsprechenden Verbandsentwicklung kam Mitte der 1970-er Jahre das Wasserwerk Surwold hinzu.

In drei Wasserentnahmegebieten (Surwold, Werlte, Vrees) fördert der Verband Grundwasser, bereitet es in den beiden Wasserwerken auf und verteilt es an seine Kunden im 1200 Quadratkilometer großen Verbreitungsgebiet.

Der Wasserverband versorgt mit seinen Anlagen im nördlichen Emsland mehr als 42.000 Hausanschlüsse und einem etwa 1800 Kilometer langen Leitungsnetz etwa 125.000 Menschen, landwirtschaftliche Betriebe, zahlreiche Gewerbe- und Handwerkstreibende sowie die Industrie. Dafür unterhält der Verband neben den beiden Wasserwerken in Werlte und Surwold weitere Druckstationen in Papenburg, Heede, Sustrum-Moor und Werpeloh sowie zwei Druckschächte ohne Speicher in Esterwegen und Börger.

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