Serie „Mein Job und ich“ Wasser-Experte aus Werlte über Rohrbrüche, Sauberkeit und kuriose Anrufe

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Werlte. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht Gerd Lünswilken, Rohrnetzmeister beim Wasserverband Hümmling in Werlte, über Rohrbrüche, regelmäßige Wasserproben und Großabnehmer.

Herr Lünswilken, von Wasserrohrbrüchen ist immer mal wieder zu hören, viele Menschen ärgern sich darüber, weil dann das Wasser abgestellt werden muss. Sind Rohrbrüche mehr geworden?

Ich bin jetzt seit 31 Jahren für den Wasserverband tätig. Rohrbrüche gab es auch früher, nach meinem Empfinden waren Rohrbrüche früher noch öfter an der Tagesordnung. In den vergangenen Jahren ist erheblich in das Rohrnetz investiert worden und es wird weiter investiert. Es ist auch nachvollziehbar, dass sich Kunden ärgern, wenn sie morgens kein Wasser oder wenig Wasserdruck haben. Deshalb behandeln wir solche Fälle auch mit größter Priorität, auch nachts und am Wochenende wird sofort gehandelt. Aber ganz auszuschließen sind Rohrbrüche eben nicht. Die Wasserversorgung wird von meinen Kollegen und mir dann durch unseren Bereitschaftsdienst gesichert.

Warum ist das so?

Kunststoffrohre wurden früher verklebt. Diese Klebeverbindungen können nach mehreren Jahrzehnten sehr brüchig werden. Diese alten Rohre werden zwar nach und nach ausgetauscht, aber es gibt sie eben noch. Bei den Notdiensteinsätzen geht es aber nicht nur um gerissene alte Rohre. Auch bei kleineren Leckagen bei den Wasseranschlüssen in Häusern, die zum Beispiel versehentlich bei Reparaturarbeiten passiert sind, kommen wir raus. Die Wasseruhren sind verplombt, sodass nur wir die notwendigen Arbeiten durchführen beziehungsweise beauftragen dürfen.

Ist es Ihre Aufgabe als Rohrnetzmeister, die Rohre zu verlegen?

Nein, was wird an Fachfirmen vergeben. Unsere Aufgabe ist die Planung derartiger Arbeiten. Während der Ausführung sind wir Ansprechpartner für die Firmen, sorgen für Materialnachschub, informieren die betroffenen Kunden über den zeitlichen Ablauf oder erledigen wenn notwendig die Wasserabsperrungen.

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Ist der Job des Rohrnetzmeisters ein klassischer Ausbildungsberuf?

Ich bin gelernter Heizungs- und Lüftungsbauer und habe nach meinem Wechsel zum Wasserverband Hümmling mehrere Fortbildungen gemacht, bis ich die Prüfung zum Rohrnetzmeister in Karlsruhe abgelegt habe.

Was bestimmt außer den bereits erwähnten Dingen Ihren Arbeitsalltag?

Das Ziehen von Proben ist eine wichtige Angelegenheit, ich bin regelmäßig im gesamten Verbandsgebiet, also dem Altkreis Aschendorf-Hümmling inklusive Völlen und Völlenerfehn unterwegs und nehme in Privathaushalten oder Firmengebäuden Wasserproben. Für die Örtlichkeiten und den Zeitraum der Proben gibt es einen im Vorfeld exakt festgelegten Plan. Die Proben werden bei einem Labor in Börger zum Beispiel nach bakteriellen Verunreinigungen untersucht oder die chemische Zusammensetzung des Wassers untersucht. Wasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln.

Wie gehen Sie bei den Proben vor?

Zunächst einmal muss ich ausschließen, dass Verunreinigungen von der Probestelle selbst stammen könnten. Deshalb wird die Entnahmestelle, zum Beispiel ein Wasserkran in einer Küche, zunächst mit einer kleinen Bürste gereinigt. Dann wird ein Proberohr aufgeschraubt, das mit einem kleinen Brenner erhitzt wird, um ebenfalls Keime abzutöten. Danach entnehme ich zwei Proben, eine in einem Glasgefäß für die chemische Untersuchung und eine im einem Kunststoffgefäß für die bakterielle Untersuchung des Wassers. Die Ergebnisse werden dem Wasserverband und dem Gesundheitsamt des Landkreis Emsland gemeldet.

Haben Sie als Rohrnetzmeister auch mit dem Wasserwerk und den Pumpstationen zu tun?

Eher selten, das ist Aufgabe meiner Kollegen des sogenannten Innendienstes, den wir nur bei großen Maßnahmen unterstütze. Dabei geht es beispielsweise um den Austausch von Unterwasser-Pumpen in den Förderbrunnen oder zuletzt um die Entkernung des alten Wasserwerkes. In dem Gebäude werden Büroräume geschaffen. Womit wir als Rohrnetzabteilung zu tun haben, ist das regelmäßige Spülen der Leitungen und dessen Planung. Große Transportleitungen werden nachts gespült, die Versorgungsleitungen in den Siedlungen und Dörfern über Tag.

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Wie läuft das im Regelfall ab und warum ist das notwendig?

Im natürlichen Grundwasser ist Mangan und Eisen enthalten, das ausflockt und sich mit der Zeit in den Leitungen absetzt. Das ist nicht gesundheitsgefährdend, kann aber das Wasser eintrüben. Deshalb werden die Leitungen gebietsweise etwa alle sechs Jahre gespült. Das findet in der Regel nachts statt, dann wird ein Endhydrant geöffnet, damit größere Mengen Wasser abfließen kann und so die Ablagerungen ausgespült werden.

Wer sind die größten Wasserabnehmer im Verbandsgebiet?

Das ist zum einen der Schlachthof Sögel, aber auch die Gärtnereien in und um Papenburg nehmen viel Wasser zur Bewässerung ab. Bei den Großabnehmern lesen wir übrigens einmal im Monat vor Ort die Wasseruhren ab, um einen Überblick über die Abnahmemengen zu haben. Erhöht hat sich die Wassermenge in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten auch durch den Anschluss landwirtschaftlicher Höfe. Die waren früher oft mit einem eigenen Brunnen ausgestattet, setzen aber heutzutage meist auf unser Wasser, weil die Zusammensetzung des Wassers besser für die Tiere und für die Leitungssysteme in den Stallungen ist.

Sie haben bei Ihren Einsätzen stets ein Dienst-Tablet-Computer dabei. Wozu dient der?

Über das Tablet kann ich den Rohrnetzplan abrufen. Dort kann ich beispielsweise für jedes Haus und jede Straße genau mir anzeigen lassen, wo Wasserleitungen und Hausanschlüsse liegen. Diesen Plan müssen wir fortlaufend vervollständigen oder aktualisieren. Bei älteren Häusern, für die es aus früheren Zeiten noch per Hand gefertigte Pläne gibt, vermesse ich die Leitungen und die Lage der Hausanschlüsse vor Ort und und pflege die Daten im Computer nach. Das gleiche gilt für neu verlegte Leitungen, zum Beispiel in Neubaugebieten. Mit dem Tablet kann ich auch die Lage von sogenannten Schiebern herausfinden, um bei Rohrbrüchen den Wasserfluss zu stoppen.

Haben Sie bei Ihrer Arbeit schon einmal eine kuriose Situation erlebt?

Wir hatten einmal einen Anruf, bei dem jemand einen Rohrbruch an der Emsstraße gemeldet, aber nicht den Ort genannt hat. Eine Emsstraße gibt es aber in den Orten entlang der Ems einige. Uns blieb also nichts anderes übrig, als alle Emsstraßen von Norden bis Süden abzufahren. Wir haben das Leck dann irgendwann gefunden. Um solche Situationen zu vermeiden, ist es wichtig, immer auch die komplette Adresse zu nennen, um auch in solchen Fällen schnell handeln zu können.

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