Gemeinsame Flucht aus der DDR Ehepaar Franz aus Werlte feiert eiserne Hochzeit

Von Katharina Preuth

Ihre eiserne Hochzeit feiert das Ehepaar Franz aus Werlte. Foto: DrögeIhre eiserne Hochzeit feiert das Ehepaar Franz aus Werlte. Foto: Dröge

Werlte. Gerhild und Gottfried Franz aus Werlte sind am 16. Mai seit 65 Jahren verheiratet. Ihre eiserne Hochzeit feiern sie in der Lukaskirche.

Schon kurz nach ihrer Hochzeit in Mohorn, im Kreis Dresden, hat das frisch vermählte Ehepaar mit nur zwei Koffern den Osten des damals getrennten Deutschlands verlassen. „Wir haben zwei Diktaturen erlebt: Den Nationalsozialismus und den Kommunismus, verkappt als Sozialismus“, sagt Gottfried Franz. Sie wurden dem Land Niedersachsen zugewiesen und leben seitdem in Werlte. Zu Beginn haben sie in einer kaltem Wohnung gehaust. „Wir hatten nur ein Bett, auf Pump gekauft und keine Heizung“, so der Ehemann. „Diese Erfahrung hat uns natürlich auch zusammengeschweißt“, ergänzt er.

Falsches Gesangbuch

In Werlte konnte der gelernte Waagenbauer direkt bei der Tiefkultur-Firma Kersten anfangen. Hier stieg der Werkmeister zum technischen Leiter auf, bis die Firma Konkurs anmeldete und er sich 1971 selbstständig machte. Die Firma Werlter Präzisions-Mechanik gehört heute dem jüngsten Sohn der beiden.

Für Gerhild Franz war es nach ihrer Ankunft im katholisch geprägten Emsland etwas schwieriger. „Ich kriegte keine Arbeit, weil ich das falsche Gesangbuch hatte“, erzählt die Protestantin. In Sachsen-Anhalt war sie zuvor als Gehilfin eines Rechtsanwalts angestellt. Später übernahm sie die Büroarbeit in der Firma des Mannes.

Schule in Tansania gegründet

Während seiner Zeit als Präsident des Kirchenkreises Emsland-Bentheim, aber auch darüber hinaus, hat sich Gottfried Franz für die Ökumene stark gemacht. „Ich wollte die Ökumene hier verwurzeln und ich denke, das ist mir zum Teil auch gelungen“, sagt er. Das soziale Engagement des Paares beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Emsland. In den 1980er Jahren hat Gottfried Franz die Aya-Schule in Tansania gegründet. Gemeinsam mit dem Rotary Club, in dem er Mitglied ist, sammelten sie Geld und richteten dort eine Bildungseinrichtung ein, die heute vom Land getragen wird. „Mein Ziel war die Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt er.

Ehrenbürger von Rio de Janeiro

Über die Weltjahrestreffen der Rotarier, an der das weit gereiste Paar ganze 16 Mal teilnahm, haben sie Brasilien kennengelernt. Nach verschiedenen Projekten dort, unterstützen sie bis heute einen Kindergarten in einer der Favelas in Rio de Janeiro. Die Geldgeschenke ihrer Hochzeit sollen ebenfalls in dieses Projekt fließen. Gottfried Franz ist heute nicht nur Ehrenbürger Rio de Janeiros, für sein jahrzehntelanges Engagement bekam er zu dem das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Sie haben zwei gemeinsame Söhne und vier Enkelkinder.