Angeklagte und Opfer schweigen zur Tat 55-Jährige nach Messerattacke gegen Ehemann in Werlte vor Gericht

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Vor dem Landgericht Osnabrück hat am Montag die Hauptverhandlung gegen eine 55-jährige Frau aus Werlte begonnen. Symbolfoto: Michael GründelVor dem Landgericht Osnabrück hat am Montag die Hauptverhandlung gegen eine 55-jährige Frau aus Werlte begonnen. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Werlte. Gut fünf Monate nach der lebensgefährlichen Messerattacke auf einen Mann in Werlte hat das Landgericht Osnabrück am Montag das Hauptverfahren gegen eine 55-Jährige eröffnet. Sie gilt als die mutmaßliche Täterin und ist die Ehefrau des Opfers. Beide machten keine Angaben zur Tat.

Vor Gericht muss sie sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Angeklagte soll ihren Mann in der gemeinsamen Wohnung in Werlte mehrfach mit einem Messer attackiert und ihn dabei lebensgefährlich verletzt haben. Das Paar stammt aus Polen.

Stiche in Bauch und Brust

Die Bluttat hatte sich am Morgen des 28. November vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus in Werlte zugetragen. Nach einem Streitgespräch soll die Angeklagte auf ihren Mann mit einem Messer mit 13 Zentimeter Klingenlänge eingestochen haben. Der erste Angriff hatte sich laut Staatsanwaltschaft im Wohnzimmer ereignet haben, wo die Frau dem Opfer das Messer in den Bauch gestochen habe. Der Verletzte sei daraufhin ins Schlafzimmer und ins Bad geflüchtet, wobei er von seiner Frau verfolgt worden sei und weitere Stiche in Bauch und Brust davongetragen habe. Im Wohnungsflur wurde ihm in den Rücken gestochen und selbst, als er das Haus verlassen und in einem Fahrradschuppen Schutz gesucht hatte, habe sie nicht von ihm abgelassen und ihm in den Oberschenkel gestochen.

Flucht bis auf die Straße

Der Mann konnte sich danach dennoch schwer verletzt über die Straße flüchten, wo ihm zwei bei einer gegenüber dem Haus befindlichen IT-Firma beschäftigte Leute Erste Hilfe leisteten. Die von ihnen alarmierten Rettungskräfte trafen auf den blutüberströmten Mann und konnten ihn so weit stabilisieren, das er erst ins Krankenhaus in Sögel und später ins Ludmillenstift nach Meppen gebracht worden war, wo die Ärzte ihm nur knapp das Leben retten konnten.

Als Erntehelferin nach Deutschland gekommen

Am ersten Verfahrenstag wollte sich die Angeklagte nicht zur Tat äußern, machte jedoch Angaben zu ihrer persönlichen Situation. Demnach hat sie den größten Teil ihres Lebens in ihrem Heimatland verbracht und ist erst 2016 das erste Mal als Erntehelferin nach Deutschland gekommen. Ihr Ehemann war drei Monate früher ins Land eingereist. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder, doch die Ehe soll, so ihre Darstellung, nicht glücklich gewesen sein. „Er hat mich häufig mit anderen Frauen betrogen. Einmal ist er sogar eine mehrjährige Beziehung mit einer anderen eingegangen“, ließ die Beschuldigte durch die Dolmetscherin übersetzen.

Beziehung aus Rache

Aus Rache habe sie vor vier Jahren den Spieß umgedreht und war nach eigenem Bekunden ein zwei Monate dauerndes Verhältnis mit einem jüngeren Mann eingegangen. In dieser Zeit soll von ihr eine Videoaufnahme entstanden sein, die sie „bis heute verfolgt“. Was darauf zu sehen ist, darüber schwieg die Angeklagte sich aus.

Ihr Mann, mit dem sie kurz vor dem Tatgeschehen gemeinsam eine Arbeit in einem Fleischbetrieb angenommen hatte, soll dort schlecht über sie geredet haben. Auch habe sie seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, weshalb ihr die Arbeit manchmal schwergefallen sei. Am Morgen des Tatgeschehens habe sie nicht zur Arbeit gehen wollen, was ihrem Mann missfallen hätte.

Der als Zeuge geladene Ehemann sagte nicht aus, er machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Das Verfahren wird am 23. Mai fortgesetzt.


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