Tagung in Papenburg Emsländische Historiker: Kulturerbe verändert sich

Von Kathleen Grüter

Die Teilnehmer und Referenten der 22. Fachtagung diskutieren in der HÖB in Papenburg über das Thema „Immaterielles Kulturerbe – ein Thema auch für Heimatvereine?“ Foto: Kathleen GrüterDie Teilnehmer und Referenten der 22. Fachtagung diskutieren in der HÖB in Papenburg über das Thema „Immaterielles Kulturerbe – ein Thema auch für Heimatvereine?“ Foto: Kathleen Grüter

kagr Papenburg. Während der 22. Fachtagung zur emsländischen Heimat- und Regionalgeschichte haben die Referenten und Teilnehmer die Frage „Immaterielles Kulturerbe – ein Thema auch für Heimatvereine?“ diskutiert.

Die Tagung fand in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg in Zusammenarbeit mit dem Emsländischen Heimatbund und dem Kreisarchiv Emsland statt.

„Das Jahr 2018 wurde zum Kulturerbejahr erklärt“, stellte Heiner Schüpp, Kreisarchivar des Landkreises Emsland, fest. Das Kulturerbe komme in vielfältigen nicht materiellen Aspekten des Lebens vor wie beispielsweise durch gelebte Traditionen, Brauchtum oder dem Wissen um traditionelle Handwerkstechniken. Dieses Kulturerbe werde durch wechselnde Zeitumstände immer wieder verändert. Heutzutage müsse man sich wieder mit dem Thema beschäftigen, da das Leben gesellschaftlich durch die Flüchtlingsbewegung und wirtschaftlich durch die Globalisierung geprägt werde, erklärte der Kreisarchivar.

Auch Hermann Bröring, Präsident des Emsländischen Heimatbundes, machte deutlich, dass Bürger vor allem durch drei wesentliche Aspekte beeinflusst werden würden. Zum einen durch die Globalisierung, die Migration und Integration und zum anderen durch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen. „Eine Welt ohne Smartphone ist nicht mehr vorstellbar, die Gespräche über dem Gartenzaun gehen verloren und die Kommunikation allgemein ist viel anonymer geworden“, erklärte Bröring. Diese Veränderungen würden bei vielen Menschen zu Verunsicherungen führen. „Sie suchen eine neue Plattform und brauchen Heimat in irgendeiner Form“, so Bröring weiter.

Dabei habe der Begriff „Heimat“ für jeden einzelnen Menschen eine eigene Bedeutung. Auf die Frage „Kann Europa Heimat sein?“, die Schüpp in die Runde stellte, gab es unterschiedliche Antworten. Sebastian Traunmüller von der Emsländischen Landschaft machte dabei deutlich, dass der Begriff „Heimat“ nicht immer ortsgebunden sein müsse. „Für einen Menschen mit dieser Auffassung des Begriffs kann Europa durchaus Heimat sein“, so Traunmüller weiter.

Die Heimatvereine haben Bröring zufolge die Aufgabe, sich zu Bürgervereinen weiterzuentwickeln. Dabei sei es besonders wichtig, offen für aktuelle Themen und Fragestellungen zu sein. „Ich sehe neue Elemente als große Bereicherung, dadurch muss unsere Kultur nicht verloren gehen“, machte der Präsident des Heimatbundes deutlich. Bei der Frage nach Migration und Integration sei es wichtig, dass die beiden Kulturen nicht nebeneinander leben würden, sondern dass es einen Austausch gebe.