Barbara Otte-Kinast in Lorup Ministerin: Mehr Tierwohl hat seinen Preis

Von Insa Pölking

Meine Nachrichten

Um das Thema Werlte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern (von links) Robert Borchers, Dirk Nannen, Christina Scherpe, Paul Kathmann, Heinz Hinrichs, Friedhelm Trentmann, Frank Revermann und Bernd Möring sprach Ministerin Barbara Otte-Kinast (Mitte) in Lorup über die Zukunft der Schweinehaltung in Niedersachsen. Foto: Insa PölkingGemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern (von links) Robert Borchers, Dirk Nannen, Christina Scherpe, Paul Kathmann, Heinz Hinrichs, Friedhelm Trentmann, Frank Revermann und Bernd Möring sprach Ministerin Barbara Otte-Kinast (Mitte) in Lorup über die Zukunft der Schweinehaltung in Niedersachsen. Foto: Insa Pölking

isp Lorup. Das Image der Landwirte soll in der Bevölkerung wieder steigen. Dafür hat sich die niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), stark gemacht.

„Wenn wir Akzeptanz bekommen möchten, dann müssen wir dafür sorgen, dass 98 Prozent ihren Job ordentlich machen“, sagte Otte-Kinast auf der Generalversammlung des Beratungsrings Hümmling in Lorup am Montagabend. „Den übrigen zwei Prozent müssen wir helfen – oder notfalls gegen sie vorgehen.“

Kupieren von Schweineschwänzen

Thematisiert wurde von Ministerin Otte-Kinast insbesondere der Tierschutz in der Schweinehaltung. Ein besonders großes Problem stelle hier nach Worten der Vereinsmitglieder das Kupierverbot der Schweineschwänze dar. „Unser Betrieb hat mit der Universität in Osnabrück einen Versuch durchgeführt in dem wir den Tieren jeden Tag unter anderem neues Spielzeug gegeben haben“, berichtete Heinz Hinrichs, Vorsitzender des Beratungsrings Hümmling. „Aber alles wird irgendwann langweilig und die Schweine fangen wieder mit dem Schwanzbeißen an.“

Darüber hinaus wurde die damit zusammenhängende Ringelschwanzprämie bei den Vereinsmitgliedern stark kritisiert. Bei der Prämie bekommen Landwirte EU-Mittel, wenn sie auf das Kürzen der Schwänze in ihren Ställen verzichten und mindestens 70 Prozent der Tiere des angemeldeten Bestands unverletzt bleiben. Pro Mastschwein mit intaktem Schwanz werden 16,50 Euro gezahlt. „Aber das sind drei von zehn Tieren in den Ställen die leiden und wir bekommen trotzdem noch eine Prämie“, sagte ein Vereinsmitglied. „Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.“

Kastration ohne Betäubung

Außerdem stelle der Ausstieg der Kastration der Eber ohne Betäubung eine große Herausforderung für die Landwirte dar. „Es fehlt uns hier eine Alternative“, sagte Otte-Kinast. „Der Arbeitsaufwand und auch die Kosten müssen für den Landwirt zu tragen sein.“ Hier würde für die Landwirte der sogenannte vierte Weg in Frage kommen, bei der die Schweine durch eine Lokalanästhesie betäubt werden. Allerdings dürfe diese bisher nur von Tierärzten durchgeführt werden.

Arbeit muss sich für Landwirte auch lohnen

Tierschutz sei der Ministerin zufolge ein wichtiges Thema, trotzdem müsse auch darauf geachtet werden, dass Landwirtschaftsbetriebe wirtschaftlich arbeiten können. „Ich wünsche mir, dass wir in ein paar Jahren messbare und prüfbare Ergebnisse erzielen“, sagte Otte-Kinast. „Und dass sich weiter um das Wohl der Tiere gekümmert wird, aber dass es sich für die Landwirte trotzdem wirtschaftlich lohnt.“ Dem Verbraucher müsse allerdings klar sein, dass er für ein Tier, das aus einem Stall kommt, in dem mehr Tierschutz stattfindet, auch mehr zahlen muss.

Durchschnittlicher Sauenbestand bei 220

2017 habe der Verein laut Beraterin Christina Scherpe mehr als 13.000 Kilometer zurückgelegt, um die Mitgliedsbetriebe zu besuchen. Der durchschnittliche Sauenbestand stieg um sieben Sauen auf 220 im vergangenen Jahr. Die abgesetzten Ferkel pro Sau und Jahr stiegen leicht von 29,3 in 2016 auf 29,5 in 2017. Die Zahl der sogenannten BZA-Mastbetriebe stieg von 206 Betrieben in 2016 auf 207 Betriebe im letzten Jahr. Der Erlös pro Kilogramm Lebendgewicht stieg Berater Paul Kathmann zufolge ebenfalls von 1,05 Euro auf 1,27 Euro bei einem gesunkenen Futterpreis von 22,41 Euro (23,42 im Vorjahr).

Auf der Generalversammlung wurde ein neues Mitglied in den Vorstand berufen. Jens Suren-Schmits wurde einstimmig vom Verein gewählt. Gerd Kock ist als Kassenprüfer ausgeschieden. Dieses Amt übernimmt ab sofort Helmut Konnemann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN