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Weihnachtssingen mit Folk Ruller Haus macht „hoch die Tür“

Von Frank Muscheid | 24.12.2015, 11:29 Uhr

Auch wenn es seit zehn Jahren Tradition ist, klangen sie frisch und begeisternd: Rund 80 Menschen im ausverkauften Ruller Haus haben sich beim diesjährigen Weihnachtssingen in Stimmung gebracht. Premiere hatte das Ensemble, das die Hamburgerin Catherine Kuhlmann für irische und französische Weihnachtslieder über eine soziale Internetplattform versammelt hatte.

Zum vierten Mal leitete Thomas Leuschner mit gefühlvoller Flügelbegleitung die eigene Auswahl, die nach dem schneeverheißenden „Wetter“-Auftakt aus „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Leise rieselt der Schnee“ und „Es ist eine Zeit angekommen“ die Weihnachtsgeschichte abbildete. Die hatte Marlis Imeyer wunderbar auch im Programmheft in Szene gesetzt. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ rief nochmals die Adventszeit in den Sinn. Eines der Weihnachtslieder, das für ihn auch in Moll fröhlich klinge, so Leuschner, tauchte das Ruller Haus in getragen-feierliche Stimmung: „Maria durch ein‘ Dornwald ging“. Routine in Kirchen- und Chorgesang ließ die Runde auch bei Bachs „Ich steh an deiner Krippe“ oder „Dona nobis pacem“ erkennen. Das meistere sie spontan als Kanon. Vielseitig blieb die Mischung aus biblischen Titeln wie „Tochter Zion“, Volksgut wie „Süßer die Glocken nie klingen“, dem plattdeutschen „Mannlüü‘ van Bethlehem“ oder dem ausgelassenen Kinderlied „Rudolph, the rednosed reindeer“. Das erzählt, wie der Außenseiter mit seiner leuchtenden Nase „Vorreiter“ im Schlittengespann des Nikolaus wird.

Von makaber bis witzig

Vergleichsweise ungewohnte Inhalte hatte die Auswahl von Catherine Kuhlmann, ihrem Vater Michel Diderich aus Osnabrück an der Gitarre, Klavierbauer Frank Preiss aus Hamburg am Flügel, der Musikwissenschaft-Studentin Béatrice Wissing aus Münster an der Geige und dem Göttinger Biochemie-Student Benedikt Ni an irischen Uilleann Pipes und Flöten. So erzähle „La Légende de St. Nicolas“ makaber, wie drei Kinder im Haus eines Schlachters übernachten und zu Weihnachtsschmaus verarbeitet werden. St. Nicolas aber ahnt, was geschehen ist und erweckt die Kinder wieder. Ein „Happy End“ gab es auch in „Christmas in the old man’s hat“, das fragt, ob der Weihnachtsmann langsam zu alt wird – denn während manches Kind mit Geschenken überhäuft wird, gehen andere leer aus. Am Ende wird alles geteilt.

„Wir haben uns heute zum ersten Mal getroffen“, erklärte Klavierbauerin Catherine Kuhlmann ihre „Band“, die das Hobby irische Folkmusik vereine. Es sei darin Tradition, spontan zusammen zu musizieren. Doch trotz Blitzprobe klangen die Musikamateure wunderbar. Das Publikum machte etwa in der „Ich packe meinen Koffer“-Variante „Twelve Days of Christmas“ klangvoll mit. „Ich bin mit Folk groß geworden“, begründete Catherine ihren musikalischen Schwerpunkt. „Diese Musik entwickelt eine unglaubliche Dynamik, wenn man sie zusammen spielt“, sagte Benedikt Ni.

Lust aufs selber Singen

Statt zu Hause nur noch CDs aufzulegen, lieber gemeinsam mit Instrument im Ruller Haus zu singen sei auch 2015 das Ansinnen, sagte Thomas Leuschner. „Die Leute vermissen das selber Singen zu Hause.“ Sowohl Kirchenstücken als auch populäre Weihnachtslieder: „Der Andrang ist groß, die Begeisterung und Lautstärke der Besucher ziemlich stark.“ Als Kind habe das Singen vor der Bescherung kein Ende genommen, heute vermisse er es, so Trägervereins-Vorsitzender Arno Weerd. Zum zweiten Mal dabei waren auch Hans Akkermann aus Borkum und Tochter Ellen Akkermann aus Rulle. „Ich singe seit 40 Jahren im Shanty Chor Oldtimer Borkum, der einzige, der vierstimmig singt“, sagte Hans Akkermann. „Wegen des Singens sind wir heute hergekommen. Die Lieder im letzten Jahr waren mir etwas geläufiger.“ „Musikalisch ist das sehr anspruchsvoll“, lobte Ellen Akkermann. „sehr schön begleitet. Auch die Folk-Einlage war sehr schön“.