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Vortrag über „Amoris Laetitia“ Was Papst Franziskus über Ehe und Familie sagt

Von Christina Halbach | 18.02.2017, 12:11 Uhr

Viel wurde über „Amoris Laetitia“ geschrieben, der genaue Inhalt ist jedoch alles andere als Allgemeingut. Eine Annäherung an das apostolische Schreiben „Amoris Laetitia – Über die Freude in der Familie“ erlebten jetzt 30 Gäste eines Vortragsabends in der Hofstelle Duling. Diözesanreferentin Dr. Martina Kreidler-Kos gab auf Einladung der Kolpingsfamilie Wallenhorst einen kenntnisreichen und hoffnungsvollen Überblick.

Die einen hatten sich grundlegende Neuerungen in der kirchlichen Lehre über Sexualität, Ehe und Familie erhofft. Die anderen hatten genau das befürchtet, als Papst Franziskus im Frühjahr 2016 sein nachsynodales Schreiben „Amoris Laetitia –  Über die Freude der Liebe“ veröffentlichte. Franziskus hatte darin die Ergebnisse der Bischofssynoden 2014 und 2015 in Rom zusammengefasst. Grundlage der Gespräche von 270 Bischöfen aus aller Welt war ein Fragebogen zum Thema Ehe und Familie, den im Herbst 2013 weltweit Katholiken in den Pfarreien und kirchlichen Verbänden beantwortet hatten. 

Der Papst ändert alles, oder?

Zu diesem Thema hatte die Kolpingsfamilie Wallenhorst mit der Diözesanreferentin im Ehe- und Familienpastoral des Bistums Osnabrück Martina Kreidler-Kos eine Kennerin der aktuellen Entwicklungen in der katholischen Kirche eingeladen: In Rom stand sie Bischof Bode während der Familiensynode beratend zur Seite und hat sich mit Büchern über „Amoris Laetitia“ und  über den aktuellen Papst einen Namen gemacht.

Was  die katholischen Christen nun von „Amoris Laetitia“ erwarten dürfen, verdeutlichte Kreidler-Kos zu Beginn mit einem Zitat von Kardinal Kasper: „Der Papst ändert keine einzige Lehre und doch ändert er alles.“ Tatsächlich seien seine Aussagen über Liebe, Ehe und Familie und Erziehung, die er auf 300 Seiten in neun Kapiteln macht, in dieser Form noch nie so aus Rom zu hören gewesen, betont Kreidler-Kos. Der Ton sei grundsätzlich wertschätzender geworden: „Die Familien sind nicht dazu da, der Kirche zu gefallen, sondern die Kirche ist für die Familien da“, beschreibt die Referentin Franziskus´ Credo.

Gewissensentscheidung

Unter dem aussagekräftigen Namen „Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern“ geht Franziskus auf das mit Spannung erwartete Thema über den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen ein. Darin hält er zwar grundsätzlich an den Normen von Ehe und Familie fest, löst sich jedoch von dem katholischen Duktus der Todsünde: Es gebe Formen, „die dem Ideal widersprechen, aber es dennoch teilweise verwirklichen“, heißt es im achten Kapitel, das eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion jedoch weder explizit befürwortet noch ausschließt. Für Franziskus stehe in dieser Frage vielmehr die Gewissensentscheidung des Gläubigen im Vordergrund. Die Aufgabe des Priesters sei es, Kontakt zu diesen Gläubigen zu suchen. „Wiederverheiratet Geschiedenen die Kommunion zu verweigern, ist mit diesem Schreiben nicht mehr möglich“,  schlussfolgert Kreidler-Kos .

Die deutschen Bischöfe haben sich Anfang Februar in ihrem aktuellen Hirtenbrief zum „Amoris Laetitia“ geäußert. Darin bezeichnen sie das Lehrschreiben als  „großes Geschenk“, eine generelle Freigabe der Kommunion wiederverheiratet Geschiedener geben sie darin jedoch nicht. Dennoch sei diese Stellungnahme, ist Kreidler-Kos überzeugt, das Beste, was passieren konnte: „Die Tür, die Amoris Laetitia aufmacht, ist damit auch in der deutschen Kirche geöffnet.“