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Von Nachbarn und Missverständnissen Plattdeutscher Abend im Heimathaus Hollager Hof

Von Joachim Dierks | 15.11.2015, 16:01 Uhr

Auch in seiner 20. Auflage hat der „Plattdütske Aumed“ in Hollage nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Vor vollbesetztem Haus bot die plattdeutsche Gruppe wiederum ein unterhaltsames Kaleidoskop an Geschichten und Liedern in niederdeutscher Mundart. In ihrem dritten Jahr als „Anseggerin“ (Moderatorin) bewies Erna Richter endgültig, dass sie eine würdige Nachfolgerin der vor einigen Monaten verstorbenen Leni Dierker ist und die Sache gut im Griff hat.

 „Leni was so‘n biertken use Mammen“ , würdigte Richter ihre verdienstvolle Vorgängerin. Sie schaue jetzt „van bourben“ (von oben) zu und sei somit weiterhin ein Teil der fröhlichen Gemeinschaft. Eine Neubesetzung stellte Richter am „Trekkebüdel“ (Ziehharmonika) vor: Hubert Hagedorn sei jetzt mit 80 Jahren „in Rente gaahn“ und habe das Instrument an Peter Papke weitergereicht: „Peter giw nu de Ton an“.

In der Nachbarschaft

Der erste Teil des Abends stand unter dem Motto: „Inne Nauberskup“ (in der Nachbarschaft). Da wurde das Hohelied gesungen von Hilfsbereitschaft auf Gegenseitigkeit. So etwa, wenn etwas fehlt wie „jüst dat Backpulver fö’n Kouken, dann kanns moal fix nau ‚n Nauber loupen“. Oder wenn du ins Krankenhaus musst: „Wat wät ut diene Bloumen bloß? He helpt un nimp kein Moos.“ Das ist ja das Praktische daran: „Di feihlt maul düt, du brukst maul dat, een van de Naubers heff meist wat.“ Skrupel braucht keiner zu haben, denn: „Doar is nu man gor nix bi, denn he kümp dann jä auk bi di!“ Eine andere Erkenntnis: Krach mit Nachbarn zahlt sich nicht aus, denn anders als missliebigen Verwandten kann man den „Nauberslüüd“ nicht aus dem Wege gehen.

Hochzeitsbitter

Natürlich kommt es auch mal zu Missverständnissen. Etwa wenn die „Hochtietsneudiger“ (Hochzeitsbitter) mit schwarzem Anzug und Zylinder an die Tür klopfen und für Sendboten des Jüngsten Gerichts gehalten werden oder, in einem anderen Fall, für die Steuerfahndung. Ärger kommt auf, wenn „düsse schnodderiggen Bengels“ aus der Nachbarschaft die feinsten „Boskopappels“ klauen – die Geschichte von den „Appelkinners“ hat einer der jungen „Plattdütsken“ aus der Barlage, Markus Bockholt, selbst geschrieben und dafür auch schon einen Preis gewonnen. Große Heiterkeit erntet Jonas Sandmann mit der Geschichte „Bi Oma un Opa“: Nach dem Besuch bei den Großeltern beschwert sich der kleine Egon bei seinen Eltern, dass es langweilig gewesen sei. „Nie nich häbbet de bäiden wat an, denn ganzen Aumed sitt se op’n Sofa und hebbt nix an.“ Die Mutter bekommt einen hochroten Kopf, fragt noch einmal nach, und da stellt sich heraus, dass sie kein Fernsehen, kein Video, „no nigges maul een Radio anhebbt“.

Alljährlicher Vortragsabend

„De Plattdütsken van’n Holger Hoff“ (die Plattdeutsche Gruppe vom Hollager Hof) hatten sich wieder ein Jahr lang fleißig umgetan, um für ihren alljährlichen Vortragsabend niederdeutsche Texte auszuwählen, teils in das hiesige Platt umzuschreiben oder gar selber zu verfassen und daraus ein rundes Programm zu stricken. „Wir lesen zehn Stücke, und dann ist eins davon für uns und unser Thema geeignet“, erzählte Erna Richter. Das Publikum war jedenfalls hochzufrieden und spendete den Vortragenden Franz Menkhaus, Agnes Kohstall, Josef Kolde, Dieter Hübner, Thea Rohling, Christian Sandmann, Siegfried Wulftange, Anni Tepe, Jonas Sandmann und Markus Bockholt langen Applaus.