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Volksbank-Filiale Wallenhorst Panzerknacker-Serientäter nun in Region Osnabrück?

Von Jean-Charles Fays | 15.12.2015, 11:10 Uhr

Sind die Panzerknacker, die zuletzt in Serie Geldautomaten im Emsland sprengten, nun auch in der Region Osnabrück aktiv? Ein Einbruch in Wallenhorst weist verblüffende Ähnlichkeit zur Vorgehensweise der Serientäter auf. Das Landeskriminalamt prüft nun einen Zusammenhang.

Bei einer Serie aufgesprengter Geldautomaten im Emsland gingen die Täter immer gleich vor. Sie leiteten ein Gasgemisch in den Geldausgabeautomaten von Kreditinstituten, brachten ihn zur Explosion und versuchten danach, das Bargeld zu erbeuten. Seit Anfang des Jahres 2015 wurden im gesamten Bundesgebiet bereits über 300 Geldausgabeautomaten auf diese Art und Weise gesprengt, in Niedersachsen gab es in 2015 bislang 21 Fälle, 13 davon im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Gab es nun einen weiteren Fall der Panzerknacker-Serientäter in der Region Osnabrück?

Anlieger sah Gasflasche am Geldautomaten

Auch in der Volksbank-Filiale in der Bergstraße in Wallenhorst-Hollage ist eine Gasflasche an den Geldautomaten angebracht worden. Das berichtet der Schichtführer bei der Regionalleitstelle der Feuerwehr, Pascal Brackmann. „Ein Anlieger hat die Konstruktion gesehen und um 6.22 Uhr die Polizei darüber informiert. Da auch eine Gasflasche eingesetzt wurde, wurde auch die Feuerwehr verständigt“, berichtete Brackmann. Spezialisten des Landeskriminalamts hätten den Sprengsatz entschärft.

Allerdings waren die Panzerknacker gewarnt und versuchten dennoch, den Automaten zu knacken. Ein Aufkleber, der an der Eingangsscheibe der Volksbank angebracht ist, trägt die Aufschrift „Gas-Safe-System“. Er weist darauf hin, dass die Bankautomaten nicht mit Gas zur Explosion gebracht werden können. Warum die Täter es dennoch versuchten, ist unklar.

30 Zentimeter lange Schmauchspur am Geldautomaten

Der Dienstabteilungsleiter der Polizei Bramsche, Holger Liesaus, sagte: „Es ist an einem Geldautomaten im Vorraum der Volksbank-Filiale eine rund 30 Zentimeter lange Schmauchspur zu sehen. Das spricht dafür, dass die Gasflasche doch explodierte, das Gas von der Menge her aber nicht ausreichte, um den Geldautomaten zu sprengen.“ Es sei alles ein bisschen kleiner als bei den Panzerknackern aus dem Emsland. In Bunde im Landkreis Leer und in Twist im Landkreis Emsland war aufgrund der Detonation und Druckwelle ein nicht unerheblicher Sach- und Gebäudeschaden entstanden. Das blieb in Wallenhorst aus.

„Eher Nachahmungstäter als Emsländer Serientäter“

„Es gibt die Schmauchspur am Geldautomaten, aber es gibt keine Gebäudeschäden. Daher vermute ich, dass es sich vielleicht eher um Nachahmungstäter als um die Serientäter aus dem Emsland handelt. Das gilt es aber noch zu prüfen. Die Ermittlungen laufen gerade erst an“, konstatierte Liesaus.

Der Pressesprecher des Landeskriminalamtes, Frank Federau, will aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details zu einzelnen Spuren preisgeben. Er sagt aber: „Es ist nicht zur Explosion gekommen.“ Er wollte nicht ausschließen, dass es einen Zusammenhang mit einer organisierten Panzerknacker-Bande gibt, die zurzeit in Niedersachsen und angrenzenden Bundesländern aktiv ist. „Ein Zusammenhang wird geprüft. Warum das Gas nicht zur Explosion gekommen ist, ist Spekulation“, betonte Federau. „Entweder waren Amateure am Werk oder es waren Profis, die bei der Tat gestört wurden.

Panzerknacker konnten keine Beute machen

Die Einbrecher konnten nach Angaben des Pressesprechers der Polizei Osnabrück, Georg Linke, keine Beute machen. Es blieb beim Versuch, den Geldautomaten zu sprengen.

Volksbank-Filiale in Wallenhorst-Hollage gesperrt

Die Volksbank-Filiale war am Dienstag gesperrt, weil die Spurensicherung des LKA im Einsatz war. Der Wallenhorster Versuch, einen Geldautomaten zu sprengen, war in diesem Jahr der 22. Fall in Niedersachsen. Die Tat ereignete sich gerade an dem Tag, als zu der Panzerknacker-Serie eine zehnköpfige Sonderkommission des Landeskriminalamts Hannover ihre Arbeit aufnahm. Das LKA will die Analyseergebnisse in Zusammenarbeit mit den örtlichen Polizeidienststellen noch effektiver zusammenführen und Organisationsstrukturen erkennen, um die Hintermänner zu ermitteln.

LKA: „Wahrscheinlich war Wallenhorst Zufall“

LKA-Sprecher Federau spricht von einer oder mehreren organisierten Banden, die eventuell auch in unterschiedlichen Zusammensetzungen an unterschiedlichen Orten agiert. Nachdem nun auch der erste Panzerknacker-Fall in der Region Osnabrück aufgetreten ist, sieht Federau keinen besonderen Grund zur Sorge, dass in naher Zukunft mit einem weiteren Fall dieser Art in Stadt und Landkreis Osnabrück zu rechnen ist. „Es ist kein Muster zu erkennen. Wahrscheinlich war es Zufall, dass es nun Wallenhorst ist“, resümierte Federau.

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