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Umweltverschmutzung? Ermittlungen gegen Awigo-Recyclinghof in Wallenhorst

Von Sandra Dorn | 16.06.2016, 15:00 Uhr

Ein direkter Nachbar des Awigo-Recyclinghofs in Wallenhorst-Hollage hat Anzeige gegen die Abfallwirtschaft des Landkreises Osnabrück (Awigo) erstattet, weil er den Verdacht der Umweltverschmutzung hegt. Die Ermittlungsgruppe Umwelt der Polizei Osnabrück ermittelt seit Anfang des Jahres, kommt aber momentan nicht weiter, sagt Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer.

„Die vergiften uns und das Grundwasser“, sagt der Anzeigenerstatter Samir Nokic. Seit Jahren beobachte er, dass auf dem 2009 eröffneten Hof an der Wernher-von-Braun-Straße mitten im Gewerbegebiet Elektrogeräte in offenen Containern im Freien zwischengelagert würden. Ab und zu drücke ein Baggerfahrer mit der Schaufel die Altgeräte zusammen – Fachleute sprechen von einer sogenannten Verdichtung. In die Container regne es hinein, beobachtet Nokic und fürchtet, dass sich dann giftige Stoffe lösen und ins Grundwasser einsickern. Von der Verdichtung und davon, dass volle Container beim Abtransport so gekippt gestellt werden, dass das Wasser herausläuft, hat er Videos aufgenommen, die unserer Redaktion vorliegen.

„Die machen ihr Ding“

Sein Nachbar Thomas Lipper, Geschäftsführer der an den Awigo-Hof angrenzenden Firma Gemos, hat Ähnliches beobachtet. „Wir haben hier eine Belastung durch Emissionen aller Art“, sagt Lipper: extremer Lärm, umherfliegender Müll, Geruch, Staub. Er hat sich schon häufig bei der Awigo beschwert in den vergangenen Jahren, mittlerweile aber habe er resigniert und nichts mehr unternommen. „Die machen ihr Ding.“ Seine Firma stellt Abfalltrennsysteme her: Kurz: Er ist in derselben Branche unterwegs wie die Awigo.

Gewerbeaufsichtsamt eingeschaltet

Das Gewerbeaufsichtsamt hatte schon Ende Juli 2014 eine Betriebsbesichtigung durchgeführt. Im Begehungsprotokoll, das unserer Redaktion vorliegt, wurde als „unzulässig“ bemängelt, dass Elektroaltgeräte in die offenen Abrollcontainer geworfen werden konnten – Sammelbehältnisse für solche Geräte müssten abgedeckt sein. Und: „In keinem Fall darf eine maschinelle Verdichtung der Elektroaltgeräte zur Transportoptimierung stattfinden.“ Was aus dem Fall geworden ist und ob die Gewerbeaufsicht weitere Überprüfungen seit 2014 auf dem Awigo-Recyclinghof durchgeführt hat, dazu erteilt das Amt wegen des laufenden strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens, das durch Nokics Anzeige angeschoben wurde, keine Auskunft.

Ermittlungen stocken

Doch Polizei und Staatsanwaltschaft stecken in den Ermittlungen fest. Erstens müssten sie gegen konkrete Personen ermitteln, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer. „Aber strafrechtlich jemandem konkret etwas vorzuwerfen, ist momentan schwierig.“ Zweitens gebe es Tausende möglicher verdächtiger Substanzen, nach denen gesucht werden müsse – Gutachten könnten da sehr teuer werden. Und selbst wenn im Boden etwas gefunden würde, stünde noch nicht fest, ob die Awigo der Verursacher sei oder die Spedition, die zuvor auf dem Grundstück ansässig war. Retemeyers Fazit: „Die Lagerung ist offenkundig nicht ordnungsgemäß.“ Aber dies falle unter die Zuständigkeit des Landkreises Osnabrück als Umweltbehörde.

„Alles ordnungsgemäß“

Die Awigo wiederum ist hundertprozentige Tochter des Landkreises – die Behörde am Schölerberg müsste also im Prinzip gegen sich selbst vorgehen, sieht dafür allerdings keinerlei Anlass. „Es ist alles ordnungsgemäß“, sagt Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff. Zum laufenden Ermittlungsverfahren möchte er sich nicht äußern. Und was ist mit der offenen Lagerung und Verdichtung von Elektroschrott, die vor zwei Jahren bemängelt wurde? „Es wird vor Ort kein Elektroschrott verdichtet“, sagt Riepenhoff. „Die Sammlung in den offenen Behältern ist zulässig und wurde dem Gewerbeaufsichtsamt wenige Tage nach dem Besichtigungstermin Mitte August 2014 auch ausführlich erläutert.“ Ein Deckel solle „ja lediglich sicherstellen, dass der Elektroschrott in guter Qualität zu den Entsorgern gelangt. Diese Entsorger sind jedoch mit dem jetzigen Verfahren ausdrücklich einverstanden“, so Riepenhoff weiter.

„Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen“

„Mit der Vermeidung einer etwaigen Umweltgefährdung hat der Deckel dagegen nichts zu tun, eine solche Gefährdung ist bei den verwendeten und zugelassenen Containern ohnehin ausgeschlossen.“ Eine Gefährdung des Grundwassers sei ausgeschlossen – und der Boden sei zudem versiegelt: „Es handelt sich um eine mit Betonpflaster überdeckte Fläche“, so Riepenhoff.

Ende offen

Und wie geht es nun weiter? Noch laufen die Ermittlungen weiter, sagt Oberstaatsanwalt Retemeyer. „Aber wenn wir keinen Dreh dran kriegen, wird das Verfahren eingestellt.“