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Tragschicht taugt nichts Pflastersanierung in Wallenhorst kostet eine Million

Von Joachim Dierks | 01.07.2014, 17:29 Uhr

Der nächste Tiefschlag im Wallenhorster Pflasterdrama: Nicht nur die Steine in der Fußgängerzone zerbröseln, auch die Tragschicht taugt nichts.

Die Konsequenz: Statt bisher veranschlagter Kosten im Bereich von 300000 bis 500000 Euro kommen wohl deutlich mehr als eine Million Euro auf die Gemeinde zu, will sie die Straßenbeläge von Rathausallee, Alte Hofstelle, Alte Webschule, Leinengasse und den Rathausvorplatz ordentlich sanieren.

Landschaftsarchitekt Hyco Verhaagen hatte keine erbaulichen Nachrichten für den Verkehrsausschuss. War man zuvor noch davon ausgegangen, dass lediglich das Kleinpflaster aus belgischer Grauwacke ungeeignet war, weil es zerbröselte und aus der Flanier- eine Stolpermeile gemacht hatte, so kam jetzt ans Tageslicht, dass es mit einem Austausch der obersten Laufschicht nicht getan ist. Auch der Untergrund weist erhebliche Mängel auf. Das haben Probenentnahmen an unterschiedlich belasteten Stellen ergeben. Verhaagen zitierte aus dem Prüfbericht, der kein gutes Haar an dem vor 18 Jahren angelegten Pflasteraufbau lässt.

Absackungen

Da ist von einer nicht frostfesten Schotterlage die Rede, von einem nicht wasserdurchlässigen Mörtel, der eine ausreichende Entwässerung verhindert habe. Außerdem habe die Tragschicht nicht die notwendige Stärke von 30 Zentimetern und sei zudem „infolge ungenügender Kornabstufung nicht ausreichend raumstabil“. Die Folge: Absackungen und Spurrinnen. „Fachgerecht wäre hier eine diagonale Verlegung gewesen“, sagte Verhaagen. Sein Fazit: „Wenn man etwas Dauerhaftes erreichen will, geht kein Weg an einem Austausch auch der Tragschichten vorbei.“

Auf die Frage, ob man den ausführenden Unternehmer wegen falscher Materialwahl und nicht fachgerechter Ausführung nach 18 Jahren noch in Regress nehmen könne, ging der Bramscher Landschaftsplaner nicht ein. Seine Aufgabe war, Sanierungsvorschläge zu unterbreiten. Drei von ihm vorgeschlagene Varianten unterscheiden sich im Mischungsverhältnis von (billigeren) Betonsteinen von der Art, wie sie im Bereich der neu gestalteten Großen Straße verlegt wurden, und (teureren) Quarzsandsteinen, wie sie auf dem Kirchvorplatz zum Einsatz kamen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich im Kostenrahmen von 1,1 bis 1,3 Millionen Euro bewegen.

Die Ausschussmitglieder sahen sich angesichts der neuen Fakten und der finanziellen Tragweite nicht in der Lage, sich für eine der drei Varianten zu entscheiden. Die Beschlussfassung wurde vertagt. „Wir möchten erst die Haftungsfrage geklärt haben und wissen, was da auf die Anlieger zukommt“, sagte Johannes Otte (CDU).