Ein Artikel der Redaktion

Tag gegen Gewalt an Frauen Wallenhorst bricht das Schweigen

Von Jessica von den Benken | 26.11.2015, 14:03 Uhr

Wer denkt, Gewalt gegen Frauen gebe es nur in Großstädten und sozialen Brennpunkten, weit weg vom dörflichen Leben, der hat sich getäuscht. Auch in Wallenhorst leiden Frauen unter Gewalt, weiß Kornelia Böert. Sie ist Gleichstellungsbeauftragte und Ansprechpartnerin für Frauen, Familie und Senioren innerhalb der Gemeindeverwaltung. Gemeinsam mit Bürgermeister Otto Steinkamp und Vertreterinnen des Seniorenbeirates setzte Böert mit einer Straßenaktion ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Lesezeichen mit einer roten Rose und mehrsprachiges Informationsmaterial verteilten die Frauen im Ortskern. „Mit den Lesezeichen soll auf die Problematik der Partnerschaftsgewalt, bei der es sich zu 90 Prozent um Frauen als Opfer handelt, aufmerksam gemacht werden“, sagte Böert.

Ein Strauß Rosen reicht nicht

Gewalt hinterlasse körperliche und psychische Spuren bei den geschädigten Frauen. Und wenn auch Kinder zur Familie gehörten, seien sie immer mitbetroffen. „Es reicht nicht, wenn sich der Täter mit einem Strauß Rosen bei der misshandelten Frau entschuldigt. Einen solch großen Strauß kann es gar nicht geben“, sagte die Frauenbeauftragte ( Weiterlesen: Geschlagene Migrantinnen stehen wegen Sprachbarriere oft alleine da ).

Tabuthema

Es sei notwendig, in jedem Jahr wieder, über dieses Tabuthema zu sprechen. „Die betroffenen Frauen müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es Hilfe direkt in Wallenhorst gibt. Wir möchten ihnen Mut zusprechen, einen sicheren Raum und Beistand anbieten“, zeigte Böert auf. Neben dem bundesweiten Hilfetelefon unter der Rufnummer 08000116016 könne man sich auch direkt an sie persönlich wenden ( Filmbeitrag: Wie sicher ist Osnabrück? )

Positive Impulse – sensibles Thema

Bürgermeister Otto Steinkamp unterstützte diese Worte mit Nachdruck. „Gewalt an Frauen ist ein ganz sensibles Thema, dass immer wieder in Erinnerung gerufen werden muss. Daher setzen wir hier ein Zeichen und möchten mit der Aktion „Wallenhorst bricht das Schweigen“ positive Impulse setzen.“

Hohe Dunkelziffer

Über 900 Fälle häuslicher Gewalt seien in Stadt und Landkreis im Jahr 2015 angezeigt worden. Die Dunkelziffer liege jedoch acht- bis zehnmal höher. „Es ist wichtig damit an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte Böert. Dabei sie das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern von besonderer Bedeutung. Auch wenn die Menschen nicht selbst von häuslicher Gewalt betroffen seien, gäbe es vielleicht Bekannte, Verwandte, Nachbarn oder Arbeitskollegen, an die die Hilfsangebote weitergegeben werden können.