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Plattdeutsche Gruppe spielt verschiedene Stücke Die Jugend schnackt im Heimathaus Hollager Hof Platt

Von Joachim Dierks | 21.11.2011, 14:55 Uhr

Herbstzeit ist Plattdeutsch-Zeit, jedenfalls im Hollager Hof. Wieder hatte die Plattdeutsche Gruppe im Heimathausverein ein Jahr lang Geschichten ausgesucht oder selbst verfasst, Requisiten zusammengetragen und geprobt, um die Zuhörer, wie immer bei diesem Anlass, im proppenvollen Haus einen „Plattdütsken Aumed“ lang mit Spielszenen, Lesestücken und Liedern zu unterhalten.

Die frühere Schulleiterin Leni Dierker hatte als „Anseggerin“ (Moderatorin) den „Afloup“ (Programmablauf) fest im Griff. Den ersten Teil des Abends stellte sie unter das Motto „Schoule fröiher“ (Schule früher). Nun kann man den Schulbetrieb nicht nur mit Vertretern der Generation 70+ darstellen. Zum Glück gibt es „de Hollger un Bolger Kinners“ (Hollager und Barlager Kinder).

Jonas, Hannah und Konrad Sandmann, Sophia Wulftange, Sara Stallkamp, Manuel und Markus Bockholt wohnen im westlichsten Zipfel Hollages, wo das Hollager Platt noch besonders gepflegt wird. Dank Sprachtraining mit Oma und Opa geht es ihnen inzwischen auch gut von der Zunge. Sie stellen eine Schulszene nach, in der sich die täglichen kleinen Katastrophen aneinander reihen.

Sara hat die Hände nicht gewaschen, Hannah kommt mit haarsträubenden Ausreden an, weshalb sie die Hausaufgaben nicht machen konnte, und das Kopfrechnen geht daneben. Konrad soll drei Tiere, die auf dem Bauernhof leben, aufzählen. Als er „een Houhn un twee Schwiene“ anbietet, fühlt der Lehrer sich – wohl zu Recht – auf den Arm genommen.

Einer der Jungen, Markus Bockholt, hat nach Erzählungen seines Großvaters ein eigenes Stück geschrieben, „De schlaue Schöiler“, das er vorträgt. Darin geht es um den Rohrstock des Lehrers, den die Schüler angesägt haben, sodass er beim ersten Einsatz gegen einen Schüler, der „wiehe siene Huusupgaben nich maket hadde“, zerbricht.

Einer wird in den Wald geschickt, einen neuen Stock zu schneiden. Er kommt nach längerer Zeit mit einem mickerigen dünnen Ästlein zurück. Nein, „dat döit jä garnich wäi, wenn ick domet touhowwe“, reklamiert der Schoulmester. Dicker soll er sein. Nächster Versuch: Der Junge kommt mit einem schweren Ast, so dick wie ein Unterschenkel, zurück. „Döispaddel!“, auch wieder falsch. So dick wie ein Daumen muss er sein. Dritter Anlauf: Diesmal stimmt der Durchmesser, aber der Ast ist gewunden wie ein „Proppenträcker“ (Korkenzieher). Ergebnis: Der Schüler ohne Hausaufgaben bleibt diesmal unbestraft.

Markus erntet viel Applaus für sein Gesamtkunstwerk, zu dem auch die passend unter dem Pult hervorgezogenen Requisiten, die Äste unterschiedlicher Dicke, gehören. Seine Antwort auf den Beifall: „Sau häw mi dat mien Opa votellt!“

„Tohaupe“ gesungene Lieder wie das von „dat arme Duorpschoulmesterken“ oder „Goah rut, mien Hiärt“ (Geh aus, mein Herz) lockern das Programm auf. Hubert Hagedorn unterstützt auf dem „Trekkebüdel“ (Ziehharmonika) .

Die älteren „Plattdütsken van’n Holger Hoff“ bringen im zweiten Teil des Abends „dütt un datt up Platt“ zu Gehör.