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Nicola Dicke zeichnet im Ruller Haus „Winterliche Filmfenster“ nehmen Gestalt an

Von Christina Halbach | 07.10.2015, 13:35 Uhr

Geschichten aus Rulle sollen ab November als filmische Zeichnungen an die Fenster des Ruller Haus projiziert werden. Die Künstlerin Nicola Dicke ließ sich jetzt bei den ersten Skizzen von einer kleinen Besuchergruppe über die Schulter schauen.

Im Gepäck hatte die Osnabrücker Zeichnerin Anekdoten und Legenden aus dem Wallfahrtsort, die sie sich bereits im September von Ruller Bürgern erzählen ließ. Diese wird Dicke in den nächsten Wochen zu Bildergeschichten verarbeiten und per Computeranimation in bewegte Bilder umsetzen. Welche es genau werden, hat sie noch nicht endgültig entscheiden: „Es wird auf jeden Fall eine ganz alte und eine futuristische Geschichte dabei sein.“ Damit diese von einem Projektor gezeigt werden können, arbeitet Dicke mit dem Glasklischeedruck,  eine grafische Technik, die im 19. Jahrhundert in Frankreich entwickelt wurde. In eine dunkel eingefärbte Glasplatte werden Zeichnungen eingeritzt, die später über Belichtung sichtbar gemacht werden. Dicke setzt diese Technik bereits seit einigen Jahren für verschiedene Projekte mit ihrem fahrenden Atelier, dem „Graffi-Mobil“, ein, in dem ein Projektor Bilder auf öffentliche und private Fassaden projiziert.

Dass dies ein aufwendiges und künstlerisch anspruchsvolles Verfahren ist, zeigte Dickes zeichnerische Umsetzung der Legende des „Wunders vom Klosterbau in Rulle“: Danach sollen die für den Klosterbau in Haste bestimmten, gefällten Baumstämme immer wieder zur Ruller Nette heruntergerollt sein und damit zum Bau des Klosters in Rulle beigetragen haben. Auch der Name Rulle soll daher seinen Ursprung haben, weiß eine der Zuschauerinnen, die staunend der Künstlerin bei ihrer filigranen Arbeit zusieht: Zuerst werden die Glasplatten über einer Öllampe schwarz eingefärbt, dann ritzt Dicke mit einem Zirkel die Umrisse und Maserungen der Bäume und schließlich einen Waldarbeiter mit der Axt in der Hand ein. „Das ist aber ein Kunstwerk“, bemerkt deren Begleiterin angesichts der detailreichen Zeichnungen, von denen an diesem Abend noch einige entstehen werden. 

Dicke wird sie später einscannen und im Computer aneinanderbauen. Gemischt werden die Bildergeschichten mit realen, zuvor in Rulle gefilmten Hintergründen. An die fünf Kurzfilme bis zu einer Länge von sechs Minuten sollen auf diese Weise entstehen und im Wechsel ab dem 6. November in den Fenstern des Ruller Hauses gezeigt werden.