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Lange Fahrtzeit gesetzesgemäß Wallenhorster Schüler brauchen Sitzfleisch im Bus

Von Nadine Sieker | 04.12.2013, 20:30 Uhr

43 Minuten beträgt die Fahrtzeit, die Schüler der Realschule Wallenhorst benötigen, um nach der Nachmittagsbetreuung mit dem Bus nach Rulle zu kommen – die zehnminütige Wartezeit auf den Bus und der Fußweg von der Haltestelle bis zur Haustür nicht mit eingerechnet. Für viele Eltern ein Grund, ihre Kinder auf eine Schule in der Stadt zu schicken. Mit einer Unterschriftenaktion möchte der Schulelternrat der Realschule Wallenhorst jetzt eine bessere Busverbindung erwirken.

„Die Busverbindung ist vielen ein Dorn im Auge“, sagt Christine Rabsch, zweite Stellvertreterin der Schulelternratsvorsitzenden. Schließlich handele es sich um eine Strecke von etwa vier Kilometern, die von der Schule bis nach Rulle oder Hollage-Brockhausen zurückgelegt werden muss. Mittags dauere die Fahrt lediglich eine Viertelstunde. Da immer mehr Schüler das Angebot der Ganztagsschule nutzten, falle die schlechte Verbindung zurzeit besonders auf. Denn nachmittags wird aus den vier Kilometern einiges mehr. Laut Stefan Schmidt, Rektor der Realschule, fährt der Bus dann nämlich von Wallenhorst erst einmal durch Osnabrück und dann zurück nach Rulle. Außerdem müssen die Schüler zuvor noch zehn Minuten auf diesen warten.

Laut der Satzung zur Schülerbeförderung im Landkreis Osnabrück ist das aber in Ordnung. „Bei der Bestimmung der Mindestentfernung sind die Belastbarkeit der Schülerinnen und Schüler und die Sicherheit des Schulweges zu berücksichtigen“, sagt Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises. Schülern der fünften und sechsten Klassen „ist es danach zuzumuten, einen Schulweg von 60 Minuten einfache Richtung zu absolvieren“, so Riepenhoff. Bei Schülern ab der siebten Klasse werden 75 Minuten in eine Richtung als zumutbar angesehen. Für die Schülerbeförderung wurden für das Jahr 2013 vom Landkreis 16092500 Euro eingeplant, für 2014 16897100 Euro.

Die lange Fahrtzeit aber führe laut Schmidt dazu, dass Eltern ihre Kinder lieber auf die Thomas-Morus-Schule in Osnabrück schicken, als auf die Realschule in Wallenhorst, die quasi vor ihrer Haustür liegt. „Gerade Eltern aus Rulle haben im letzten Jahr ihre Kinder dorthin geschickt, obwohl ihnen unsere Schule gefiel und das Profil passte“, sagt Schmidt. Da in immer mehr Familien beide Elternteile zumindest zeitweise berufstätig seien, werde mindestens einmal in der Woche eine Nachmittagsbetreuung benötigt. Montags bis donnerstags wird die auch an der Realschule angeboten. „Aber die Kinder kommen hier nicht weg“, so Schmidt. Dass deshalb andere Schulen bevorzugt werden, zeigt sich im laufenden Schuljahr an den Eingangsklassen der Realschule. „Wir waren sonst immer dreizügig. In diesem Jahr haben wir nur zwei fünfte Klassen“, erklärt der Schulleiter. Die damaligen Viertklässler aus Rulle, die die dritte fünfte Klasse gebildet hätten, hätten sich für eine andere Schule entschieden.

Von den 237 Schülern aus Wallenhorst, die zum neuen Schuljahr 2013/14 auf eine weiterführende Schule gewechselt sind, haben sich lediglich 62 für Schulen in der Gemeinde entschieden. Davon sind 22 auf die Alexanderschule in Wallenhorst, die übrigen 40 auf die dortige Realschule gegangen. Das geht aus einer Statistik der Gemeinde hervor. 175 Kinder besuchen Schulen in Osnabrück, 103 davon allerdings ein Gymnasium und elf eine Gesamtschule – Schulformen, die es in Wallenhorst nicht gibt. Dennoch fiel die Entscheidung von 55 Familien auf die Thomas-Morus-Schule, eine Haupt- und Realschule in freier Trägerschaft des Bistums Osnabrück. Fünf weitere Schüler besuchen eine andere Realschule in Osnabrück. „Ob die Fahrtzeit die einzige Motivation ist, kann ich nicht sagen“, betont Rüdiger Mittmann, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Soziales. „Ich kann die Unzufriedenheit verstehen und bin nicht glücklich damit“, sagt er. Allerdings regele der Landkreis die Schülerbeförderung. Und die vom Landkreis erlassene Satzungsregelung will Mittmann nicht öffentlich kommentieren. „Wir haben überprüft, dass die Rechtslage eingehalten wird. Da sind uns die Hände gebunden.“

Dabei kostet die Gemeinde Wallenhorst jeder Schüler, der eine Schule außerhalb der Gemeinde besucht, Geld. Für jedes Kind, das eine Schule in kirchlicher Trägerschaft besucht, müssen pro Schuljahr 175 Euro an die entsprechende Stadt oder Gemeinde gezahlt werden. Genauso hoch ist der Betrag für Besucher einer Waldorfschule. Für jeden Schüler auf einer Bildungseinrichtung in städtischer Trägerschaft fallen pro Schuljahr 334 Euro an.

Beim Elternsprechtag haben die Vertreter des Schulelternrats der Realschule Unterschriften gesammelt. Die Aktion soll, wenn möglich, auch in den Grundschulen durchgeführt werden. „Da sind ja die zukünftigen Schüler“, so Rabesch. Die Liste soll später den Politikern übergeben werden. „Wir gucken noch, welcher Weg der beste ist“, sagt Rabesch. Klar ist: Er wird definitiv länger als 43 Minuten sein.