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Kruzifix landet auf Bauschutt Ärger über neue Ruller Ortsmitte

14.07.2014, 21:03 Uhr

sdo/jod Wallenhorst. Schon wieder gibt es Ärger zwischen Wallenhorster Bürgern, die sich ehrenamtlich im Arbeitskreis Dorferneuerung engagieren, und der Gemeindeverwaltung. Der Vorwurf einiger Arbeitskreis-Mitglieder lautet diesmal: Die Gemeinde lässt den sogenannten Andachtsplatz im Zentrum von Rulle umgestalten, ohne auf die dazu vom Arbeitskreis gemachten Vorschläge einzugehen.

„Wir haben aus der Zeitung davon erfahren, dass alles schon beschlossene Sache ist und die Handwerker nach Fronleichnam damit anfangen würden“, sagte der Arbeitskreis-Vorsitzende Karl Burmeister. Die Ruller Kolping-Senioren hatten sich bereit erklärt, bei der Verschönerung des Platzes tatkräftig mitzuhelfen. Das Grundstück ist im Besitz der Gemeinde Wallenhorst.

Dabei sei der Gemeinde doch bekannt, dass genau dieses Vorhaben unter Nummer 16 in der 41-Punkte-Wunschliste für die Dorferneuerung in Alt-Wallenhorst und Rulle aufgeführt ist, ärgert sich Burmeister. In der Arbeitskreis-Sitzung vor einer Woche hätten sich insbesondere Mitglieder aus Rulle bestürzt darüber geäußert, dass man am Baustellen-Fortschritt erkennen könne, wie die Vorgaben und Wünsche des Arbeitskreises missachtet würden.

„Der erste Schock war, dass man die sogenannten Predigerlinden abgeholzt hat“, sagte der Ruller Lokalhistoriker Erich Goer, „das waren zwei gesunde Linden, die den historischen Begrüßungsplatz für die Wallfahrer seit alters her beschattet haben.“ Der Platz nahe der Kreuzung St. Bernhardsweg/Poststraße/Klosterstraße/Wittekindstraße sei seit Jahrhunderten ein Ort des Gebets während der Ortsprozessionen und auch für die von fern herbei gewanderten Pilger. „Es waren keine schönen Linden, die waren schief gewachsen“, sagte wiederum der Kolpinger Adolf Meyer. Bürgermeister Ulrich Belde habe zusammen mit Pfarrer Dietmar Schöneich dann beschlossen, dass sie gefällt werden könnten. „Tagtäglich sind wir da“, ärgert sich Adolf Meyer über die harsche Kritik. Die Kolping-Senioren erhielten viel Zuspruch für ihre Arbeit.

Goers zweiter Vorwurf: „Ich vermisse die Achtung vor dem historischen Standort des Kruzifix – das kann man doch nicht einfach hernehmen und in so einen neumodisch gestalteten Vorgarten setzen.“ Adolf Meyer sieht das anders. 1938 sei das Kreuz schon einmal umgesetzt worden, damit die Straße verbreitert werden konnte. Außerdem sei es morsch. „Es hat sich ja keiner um das Kreuz gekümmert“, so Meyer. Der Tischler Trame aus Rulle habe nun „ein ganz neues, wunderschönes“ gezimmert.

Dass das alte Kreuz nicht nur umgesetzt, sondern ausgemustert werden soll, sorgt für zusätzliche Empörung. Marion Müssen, Inhaberin der angrenzenden Postagentur, fand das alte Pestkreuz am Wochenende zusammen mit anderen Holzabfällen hinter ihrem Haus. „Ein geweihtes Kreuz, das müssen Sie sich mal vorstellen! Ich war fassungslos“, sagte sie. Sie habe es erst einmal an sich genommen. Das wiederum wussten die Kolping-Senioren offensichtlich nicht. „Wir dachten, das ist uns geklaut worden“, sagte Adolf Meyer.

Burmeister würde gerne wissen, wer die Detailplanung gemacht hat und von wem sie beschlossen wurde. Der Gemeinderat war es offensichtlich nicht. „Wir haben auch aus der Presse davon erfahren“, sagte der Ruller SPD-Ratsherr Hans Stegemann. „Es gibt keinerlei politischen Beschluss dazu.“ Ludger Meyer von der Wählergemeinschaft – ebenfalls Ruller – sagte, er sei von der Verwaltung zwar informiert worden, dass der Platz verschönert werden solle, nicht aber darüber, dass die Bäume gefällt werden und das Kreuz ersetzt wird.

An der letzten Sitzung des Arbeitskreises Dorferneuerung hat laut Burmeister Reinhard Langemeyer aus der Gemeindeverwaltung teilgenommen, der sich als Projektleiter dieser Baumaßnahme zu erkennen gab. Eine Antwort auf die Frage, wie der Planungsprozess abgelaufen sei, habe er jedoch nicht gegeben.

Auf NOZ-Anfrage hieß es dazu im Rathaus, dass der Bürgermeister persönlich sich um diese Angelegenheit kümmere. Seine Stellungnahme liegt bislang noch nicht vor.