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Kinder, Kunst und Kuscheltiere Interview mit Elisabeth Lumme über die Jugend-Kulturarbeit im Ruller Haus

17.07.2014, 15:37 Uhr

jvb Wallenhorst. Experimentelle Kunstpädagogik schreibt sich das Ruller Haus seit 2013 auf die Fahnen. Neben LiesAs Lesewerkstatt für Grundschulkinder spricht das Ruller Haus mit neuen Kreativangeboten besonders Kinder und Jugendliche an. Federführend an dieser Stelle ist die Kunst- und Medienpädagogin Elisabeth Lumme aus Osnabrück. Im Interview mit der Neuen OZ spricht sie über Jugend-Kulturarbeit, Kunstvermittlung und ihr ehrenamtliches Engagement.

Elisabeth Lumme, das Ruller Haus ist bekannt als Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen in Wallenhorst. Seit 2013 sind Sie Verantwortliche für den Themenbereich Kunst und engagieren sich für Jugendkulturarbeit. Warum sprechen Sie so intensiv diese Zielgruppe an?

Die Gemeinde Wallenhorst ist in Sachen Jugendarbeit gut aufgestellt. Was bisher jedoch fehlte, waren Angebote für freies künstlerisches Gestalten. Hier setzt das Ruller Haus an. Der Vorstand und mit ihm der engagierte Kreis von ehrenamtlichen Programmplanern des Ruller Hauses hat sich zum Ziel gesetzt, besonders Jugendliche für Kunst und Kultur zu gewinnen. Mit unseren Angeboten wollen wir die Vielfalt innerhalb der Gemeinde abrunden. Damit leisten wir handfeste Kultur- und Bildungsarbeit. Das finde ich ganz wichtig.

Kinder und Jugendliche stehen schon in der Schule unter erheblichem Leistungsdruck. Bildung ist ein zentrales Thema. Nun sollen sich Kinder in ihrer Freizeit noch zusätzlicher Kunsterziehung stellen. Ist das nicht zu viel verlangt?

Unsere Veranstaltungen unterliegen nicht den Zwängen eines Lehrplans. Deshalb kommen die Kinder freiwillig zu uns. Kunst schafft Freiräume, und diese wollen wir den Kindern gerne anbieten. Wer spielerisch und ohne Zielvorgaben ergebnisoffen experimentieren kann, erfährt mehr über sich und entwickelt ein starkes Selbstbewusstsein. Ich möchte die jungen Menschen ermutigen, ihren Blick auf ihr eigenes Tun und die Welt zu schärfen, immer wieder neue Perspektiven einzunehmen und so ihr Weltverständnis zu erweitern. Mir ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen die Blickrichtungen der Künstler nahezubringen. Dabei stelle ich oft fest, dass sich Kinder meist vorbehaltlos darauf einlassen können, während sich Erwachsene oft schwer damit tun.

Das hört sich sehr abstrakt an. Wie genau sieht Ihre Arbeit aus?

Nun, einerseits können wir dank der Fördermittel des Landschaftsverbandes, des Landkreises und des Landes Niedersachsen Künstler einladen, ihre Arbeiten im Ruller Haus zu zeigen und jeweils einen Workshop für Schüler zu entwickeln. Hier arbeiten wir eng mit den Wallenhorster Schulen zusammen. Andererseits steht alle vier Wochen im Ruller Haus die Experimentierwerkstatt auf dem Programm. In der Kuscheltierwerkstatt beispielsweise kreierten die Kinder aus einem Berg alter Stofftiere ihre neuen und ganz individuell gestalteten Fantasiewesen. Als Drittes ist es uns möglich, mit verschiedenen Förderprogrammen des Bundes Langzeitangebote für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen zu entwickeln.

Wie sehen diese Angebote aus?

Wir haben von August 2013 bis jetzt zahlreiche Angebote in den Bereichen Kreativ- und Medienwerkstatt zusammen mit dem Jugendtreff Haste und dem Jugendzentrum JAB 2 durchgeführt. Als Höhepunkt haben Jugendliche in den Osterferien zusammen mit dem Osnabrücker Musiktheater Lupe ein Rap-Musical mit eigenen Songtexten einstudiert. Neben den Schauspielern hat eine Video-Gruppe für die Aufführung parallel Videoprojektionen hergestellt, die ein stimmungsvolles und ausdrucksstarkes Bühnenbild ergaben. Das war für alle Beteiligten unglaublich anstrengend, aber der Erfolg am Ende war beeindruckend.

Und wie steht es um Ihr persönliches Engagement?

Mir war schon zu Beginn meines Engagements für das Ruller Haus klar, dass ich mich als Kunstpädagogin nicht darauf beschränken möchte, Ausstellungen zu organisieren. Kunstvermittlung ist meine Leidenschaft und mein Beruf. Ich finde, sie ist für alle Altersstufen wichtig. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, mit neuen Angeboten dorthin zu gehen, wo wir Kinder und Jugendliche treffen – in Schulen und Jugendzentren. Mein Ziel ist es, ein kontinuierliches Angebot auf hohem Niveau zu schaffen, um jungen Menschen in Wallenhorst nachhaltig einen Zugang zur Kunst und zu aktuellen Diskursen, Stichwort „Neue Medien“, zu ermöglichen. Dazu gehört Kontinuität. Ich selber stoße hierbei an meine Grenzen. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht mir sehr viel Spaß, aber der organisatorische Aufwand nimmt enorm viel Zeit in Anspruch. Gerne würde das Ruller Haus einen Kulturmanager in seinen Reihen installieren. Hierzu fehlt uns jedoch momentan noch der politische Zuspruch. Auf Dauer werde ich persönlich diesen Arbeitsaufwand nicht mehr stemmen können.