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Historisch schlechtes Ergebnis CDU: Lammerskitten in Wallenhorst wiedergewählt

Von Joachim Dierks | 07.03.2015, 01:03 Uhr

Mit dem historisch schlechten Ergebnis von 63,7 Prozent ist Clemens Lammerskitten als Vorsitzender des Gemeindeverbands der Wallenhorster CDU wiedergewählt worden. Die Wahl war mit Spannung erwartet worden, weil die Partei nach der aus CDU-Sicht desaströs verlaufenen Bürgermeisterwahl im vergangenen September zerrissen war.

Viele Parteimitglieder hatten den Vorsitzenden Lammerskitten dafür verantwortlich gemacht , dass der CDU-Bürgermeisterkandidat Stefan Düing nach einer verunglückten Kandidatenkür nur 18,7 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Ein Drittel der CDU-Gemeinderatsmitglieder hatte daraufhin die CDU-Fraktion verlassen und eine neue Fraktion „Christlich, Demokratisch für Wallenhorst“ (CDW) gegründet.

Scharfe Kritik

In der Mitgliederversammlung übten insbesondere Mitglieder aus den Ortsvereinen Wallenhorst und Lechtingen scharfe Kritik am Gemeindeverbands- und Fraktionsvorsitzenden Lammerskitten, während Mitglieder aus Hollage und Rulle mehrheitlich seinen Kurs verteidigten. Die Kritiker präsentierten jedoch keinen Gegenkandidaten. Bei der Wahl zum Gemeindeverbandsvorsitz erhielt Lammerskitten 79 Stimmen bei 45 Gegenstimmen und 4 Enthaltungen. Lammerskitten nahm die Wahl an, ohne eine Miene zu verziehen, und erklärte, es werde sein Bestreben sein, die jetzt ablehnenden Stimmen in den nächsten Monaten in zustimmende zu verwandeln.

Junge Garde mit guten Ergebnissen

Die Stellvertreter, die satzungsgemäß die vier Ortsverbände repräsentieren, erreichten folgende Wahlergebnisse: Stefan Botterhuis (Wallenhorst) 59,6 Prozent, Dennis Schratz (Rulle) 74,3 Prozent, Stefan Düing (Lechtingen) 85,7 Prozent, Stefan Gutendorf (Hollage) 81,9 Prozent. Schatzmeisterin Anna Schwegmann wurde mit 97,4 Prozent wiedergewählt. Auch die junge Garde mit dem 21-jährigen Lukas Havliza (Schriftführer) und Detlev Vennemann (Medienbeauftragter) erreichten mit 99,1 und 100 Prozent überragend gute Ergebnisse.

Bildsprache gewählt

Zuvor hatte Lammerskitten unter dem Tagesordnungspunkt „Bericht des Vorsitzenden“ das Bild eines „Schiffs, das sich Gemeindeverband nennt“ gewählt. Dieses Schiff habe jahrelang nur eine Richtung gekannt: „unter vollen Segeln nach vorne“. Das habe sich mit der Bürgermeisterwahl geändert. Da sei das Schiff auf Grund gelaufen. „Natürlich trage ich als Kapitän dafür die Verantwortung“, sagte er, „aber in geordneter Weise, ich stehle mich nicht einfach von Bord“. Anders ein Teil der Mannschaft: Fünf „Meuterer“ hätten das Schiff verlassen und ruderten nun auf einem anderen Boot in andere Richtung, verfolgten eigene Ziele. Er hoffe, dass sie wieder zum Mutterschiff, der CDU, zurückfänden.

Diskussion um Wiedervereinigung

Dass dafür die Wogen noch nicht ausreichend geglättet sind, erwies sich bei der Abstimmung über den Antrag auf Entlastung des Vorstands. 13 Mitglieder stimmten dagegen. In der Aussprache warfen einzelne Mitglieder Lammerskitten vor, nicht genug für eine Wiedervereinigung mit den fünf Abtrünnigen (Manfred Gretzmann, Mark Brockmeyer, Marlene Posnin, André Schwegmann und Dirk Hagen) getan zu haben. „Hast du denn überhaupt schon mal wieder mit denen geredet?“, fragte einer. Nein, antwortete Lammerskitten, das solle erst nach den heutigen Wahlen unter Moderation des Kreisverbandsvorsitzenden Christian Calderone stattfinden. Falsch, fand eine Dame, „das ist deine Aufgabe, du bist hier der ‚Kapitän‘, nicht Calderone!“. Lammerskittens Fürsprecher argumentierten, die Abtrünnigen hätten vorher das Gespräch suchen müssen, bevor sie austreten, anstatt erst auszutreten und dann Gespräche zu fordern. So ein Verhalten grenze an Erpressung.

Ulf Thiele zu Gast

Der aus Hannover angereiste Generalsekretär der Landes-CDU, Ulf Thiele, zeigte denn auch schon mal die Instrumente. Lammerskitten hatte ihn als den Fachmann angekündigt, der sich am besten in den CDU-Parteistatuten auskenne. „Ich platze, wenn ich das hier höre“, sagte Thiele, „überzeugende Gründe für den Fraktionsaustritt der fünf habe ich hier nicht gehört. Aber ich mische mich nicht ein, das müsst ihr untereinander ausmachen. Nur eins ist klar: Ein Austritt aus der Fraktion ist ein schwerer Verstoß gegen die Parteiordnung. Man kann dann nicht mehr in der Partei bleiben.“ Deshalb appelliere er an die CDWler, in die Fraktion zurückzukehren, sich dort auseinanderzusetzen, dann aber auch Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. „Wenn ihr mit zwei getrennten Listen zur Kommunalwahl 2016 antretet, dann geht ihr alle zusammen gründlich baden“, prophezeite Thiele und erhielt dafür viel Beifall.