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Expressive Spieltechnik Gitarrist Don Ross beeindruckt im Ruller Haus in Wallenhorst

Von Rolf Habben | 10.06.2018, 17:18 Uhr

Mit dem Gitarristen und Komponisten Don Ross war am Freitagabend ein außergewöhnlicher Saitenakrobat zu Gast im Ruller Haus.

Mit seiner ganz eigenen expressiven Spieltechnik und einem einmaligen Gemisch aus explosiver Musikalität und intimer Nähe begeisterte der Kanadier die Besucher in der beschaulichen Spielstätte über zwei Stunden lang.

In der einschlägigen Szene und der internationalen Fachpresse gilt der Sohn eines schottischen Immigranten und einer Indianerin zu Recht als einer der besten Akustikgitarristen überhaupt. Ihm gelang zweimal der Sieg im prestigeträchtigen US-Wettbewerb National Fingerstyle Guitar Championship, einer jährlich stattfindenden Weltmeisterschaft.

Gitarre und Harpolyre

Kräftige Schläge an seinen sechs Saiten, angereichert mit perkussiven Elementen, brachten den Künstler bereits frühzeitig mächtig ins Schwitzen. Hatte man ihm die teils wuchtigen Anschläge am Hals und am Klangkörper seiner Gitarre ohne Weiteres zugetraut, verblüffte der stämmige Musiker mit der Statur eines Dorfschmieds wiederholt auch mit filigranen, zart „besaiteten“ Klängen an seinem Spielgerät. Letzteres vor allem mit der eher seltenen Harpolyre, einer Harfe-Gitarre mit zwei Hälsen als Duo-Instrument unter anderem in seinem Song „Marie“, das er seiner Mutter gewidmet hat.

Überhaupt unterhielt Ross hin und wieder mit kleinen Geschichten rund um seine Konzertauftritte und die Entstehung und Herkunft seiner Songs. Sein neuestes von zahlreichen Alben, „ A Million Brazilian Civilians, sei inspiriert von einer Nachrichtensendung im Radio, wo es um politische Demonstrationen in Rio de Janeiro ging.

Querschnitt seines Schaffens

Neben dieser Neuerscheinung, auch als Vinylscheibe in strahlendem Orange am Veranstaltungsabend erhältlich, präsentierte Ross überwiegend instrumental vorge-tragen einen ebenso unterhaltsamen wie beeindruckenden Querschnitt seines bisherigen Schaffens, natürlich einschließlich seiner bekannten Stücke „Michael, Michael, Michael“ als Youtube-Hit im Medley mit „Crazy“ sowie „Tight Trite Night“.

Humorvoll rechtfertigte der Musiker das Eintrittsgeld mit dem Hinweis, „dafür habe er auch gleich drei Gitarren mitgebracht“, neben der traditionellen Akustikgitarre auch eine Bariton-Gitarre mit tiefen Bassklängen und letztlich seine Harfe-Gitarre als sein sorgsam behütetes Prunkstück. Seine ausgedehnten Tourneen führen ihn seit Jahren zu renommierten Festivals, in große Hallen, aber auch in profilierte kleinere Klubs. Seine Videos auf der Internet-Plattform YouTube verzeichnen regelmäßig hunderttausende von Zugriffen.

Ohne zwei vehement geforderten Zugaben, vor allem mit dem melodischen „Berkley“, wollte das begeisterte Publikum den sympathischen Kanadier dann auch nicht von der Bühne lassen. Als kleines Dankeschön und zusätzliches Honorar konnte Sven Göttsche, Verantwortlicher für die Sparte „Folk und Gitarre“ des Ruller Hauses, dem Musiker abschließend eine Flasche Rotwein überreichen.