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Verunsicherung bei den Kunden Nach Wirrwarr um 2G: So ergeht es dem Einzelhandel in Wallenhorst

Von Arlena Janning | 14.01.2022, 05:44 Uhr

Die Corona-Pandemie dominierte das Weihnachtsgeschäft. Eine zwischenzeitlich eingeführte 2G-Vorgabe für den Einzelhandel in Niedersachsen wurde nach vier Tagen wieder außer Kraft gesetzt. Auf die Geschäfte in Wallenhorst hatte das unterschiedliche Auswirkungen.

Trotz steigender Infektionszahlen im Dezember sollte es nicht wie im Winter 2020 zu einem Lockdown kommen. Als eindämmende Maßnahme beschlossen Bund und Länder stattdessen eine 2G-Regelung für den Einzelhandel. In Niedersachsen wurde diese zum 13. Dezember eingeführt. Doch bevor Kunden und Händler sich so richtig daran gewöhnen konnten, war die Regelung schon wieder hinfällig: Nach nur vier Tagen kippte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg den Beschluss der Landesregierung . Seit dem 17. Dezember ist Shoppen nun wieder ohne Impf- oder Genesenennachweis möglich, dafür muss jedoch eine FFP2-Maske getragen werden.

In der Stadt Osnabrück reagierten viele Einzelhändler positiv auf das Gerichtsurteil und freuten sich über den Wegfall der Beschränkungen im wichtigen Weihnachtsgeschäft. In manchen umliegenden Gemeinden fällt die Bilanz jedoch etwas anders aus. So verzeichneten in Georgsmarienhütte manche Händler einen Rückgang der Kundenzahl nach dem Wegfall der 2G-Vorgaben. Ähnliches konnte auch in der Gemeinde Wallenhorst beobachtet werden.

Einkaufsverhalten durch wechselnde Vorgaben beeinflusst

„Mit 2G war das Einkaufsverhalten bereits rückläufig“, berichtet Hans-Jürgen Klumpe, Vorsitzender des Marketingvereins „Wir für Wallenhorst“. Doch auch das schnelle Außerkraftsetzen der Vorgaben habe auf diese Entwicklung kaum Auswirkungen gehabt, führt er fort. Die Leute seien nach wie vor sehr zurückgezogen und durch das ganze „Wirrwarr“ noch mehr verunsichert. Das habe in der zweiten Dezemberhälfte zu einer deutlich geringeren Kundenfrequenz als üblich geführt. Insbesondere ältere Menschen, die mit neuen Medien weniger vertraut seien, könnten sich nicht so einfach über die wechselnden Vorgaben informieren, vermutet Klumpe. „Das prägt das Einkaufsverhalten“, lautet sein Fazit. Wer früher noch spontan shoppen gegangen sei, entscheide sich heute sehr bewusst dafür – und oft auch nur, wenn es wirklich notwendig sei.

„Es wäre kein Problem gewesen, wenn die Maßnahme nicht gekippt worden wäre“, so Klumpe weiter. Die Einzelhändler in Wallenhorst hatten seinen Angaben zufolge, wie in vielen Städten und Gemeinden, ein gemeinsames Bändchen-System zur erleichterten Kontrolle der Vorgaben entwickelt. Zudem hätten viele Kunden durch 2G ein gewisses Sicherheitsgefühl gehabt. Zwar sei ein Teil der Bevölkerung vom Einzelhandel ausgeschlossen gewesen, der nun wieder einkaufen gehen dürfe, dennoch sei das generelle Einkaufsverhalten nach wie vor gehemmt, berichtet Klumpe.

Kein gestiegener Zulauf nach Gerichtsurteil

Thomas Jasper, Inhaber des Modehauses Lemme Jasper, bestätigt diese Einschätzung. „Der Wegfall von 2G hat für uns nichts gebracht“, erzählt er. Er könne nachvollziehen, dass aufgrund der hohen Infektionszahlen Vorsicht geboten sei, dennoch empfinde er die wechselnden Vorgaben der Landesregierung als entmutigend. Im Dezember habe er sich selbst um die Organisation des gemeinsamen Bändchen-Systems gekümmert, doch nach nur wenigen Tagen sei der ganze Aufwand hinfällig gewesen, berichtet Jasper. Das weitaus größere Problem sei jedoch die daraus resultierende Verunsicherung der Kunden: Wer sich nicht vor jedem Einkaufsbummel nach neuen Vorgaben erkundigen wolle, bleibe lieber gleich zuhause, so Jaspers Eindruck. Seine vorsichtige Vermutung lautet: „Es reicht den Leuten so langsam.“

Nicht so stark vom Kundenrückgang betroffen war dagegen Sport Dierker. Die Erfahrungen mit 2G seien positiv gewesen, erzählt Inhaberin Silvia Wulftange. Die meisten ihrer Kunden hätten sehr viel Verständnis für die anfallenden Kontrollen gehabt und auch das schnelle Ende der Vorgaben habe sich nicht negativ auf ihr Geschäft ausgewirkt. Vielmehr sei sie durch das Gerichtsurteil erleichtert gewesen, da der Einzelhandel darin nicht als Treiber der Pandemie angesehen werde. Über ihre Homepage, Social-Media-Kanäle und den Anrufbeantworter im Laden habe Wulftange ihre Kunden über die Neuerung informieren können. „Dennoch wurde man etwas im Regen stehen gelassen und musste sich die Informationen selbst besorgen“, richtet auch sie kritische Worte an die Politik. Insgesamt seien für sie aber weder die 2G-Vorgaben noch deren Wegfall das eigentliche Problem, sondern die Pandemie im Ganzen.

Phase der Umorientierung

„2G hat für Verunsicherung gesorgt, das hat man an der Kundenfrequenz bemerkt“, hat wiederum Mario Heinhold beobachtet, Geschäftsführer von Möbel Porta in Wallenhorst. Dieses Phänomen bemerke er jedoch bei jeder Änderung der Corona-Verordnung. „Die Leute brauchen immer ein bis zwei Wochen, um sich über die Neuerungen zu informieren“, berichtet er. Noch bevor sich die Kunden also an 2G hätten gewöhnen können, sei die Maßnahme auch schon wieder gekippt worden. Vielleicht eine Erklärung dafür, dass die Kundenfrequenz im Einrichtungshaus nach dem Gerichtsbeschluss recht schnell wieder angestiegen sei, vermutet Heinhold. „Keine 2G-Einschränkungen und dafür eine FFP2-Maskenpflicht tut dem Einzelhandel gut“, lautet seine Einschätzung der aktuellen Situation. Nach dem Weihnachtsgeschäft, bei dem vor allem kleinere Geschenkartikel gekauft worden seien, sei der Jahresbeginn für Möbel Porta sehr erfolgreich verlaufen, zieht er eine erste Bilanz.

Hoffnungen für 2022

Bei ihren Wünschen für das noch junge Jahr 2022 sind sich Silvia Wulftange und Thomas Jasper, die beide in der Bekleidungsbranche tätig sind, einig: „Endlich wieder planen können“, heißt es von ihnen. Zurzeit müssten sie die Ware für Herbst und Winter bestellen, doch wie sich die Pandemie bis dahin entwickle, sei kaum abzuschätzen, berichten beide. „Aktuell guckt man mehr in die Glaskugel, als dass man sich auf fundierte Daten verlassen kann“, sagt Wulftange. Derzeit müsse sie überlegen, ob im Herbst und Winter mehr Indoor- oder mehr Outdoor-Sport betrieben werde. Ein klares Vorgehen der Politik sei deshalb wünschenswert.