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Drei Monate in Deutschland Besuch aus Uganda in Wallenhorst

Von Christina Halbach | 09.06.2016, 14:45 Uhr

Seit drei Wochen hat die Kirchengemeinde von St. Alexander Wallenhorst Besuch von ihrer Partnergemeinde St. Pauls im ugandischen Kumi: Caroline Kiyai (29) und Solomon Otwao (24). Drei Monate werden die beiden Ugander bei Gastfamilien in Hollage und Rulle verbringen.  Auf  ihrem Programm stehen Hospitanzen in sozialen Einrichtungen und Erkundungstouren durch das Gastland.

Autobahnen ohne Fußgänger, Straßen ohne spielende Kinder sowie die Entdeckung der Erdbeere und der deutschen Brotvielfalt: Die ersten drei Wochen in Wallenhorst bargen viele Überraschungen für die beiden jungen Ugander. Rund 6152 Kilometer mit einer Menge Fragen im Gepäck liegen hinter ihnen. Viele neue Eindrücke warten noch auf sie.

Organisiert von der Palexgruppe

Ihren Aufenthalt organisiert hat die ehrenamtliche Wallenhorster Palexgruppe . Sie ist Initiatorin und Fördererin der seit 2009 bestehenden Partnerschaft zwischen den katholischen Kirchengemeinden St. Pauls und St. Alexander. Gegenseitige Besuche bekräftigen seitdem die Freundschaft zwischen den beiden Kirchengemeinden.

Der dreimonatige Aufenthalt der zwei jungen Erwachsenen verbunden mit Schnuppertagen in der deutschen Berufswelt ist nun eine Premiere. „Das Land, die deutsche Kultur und Lebensweise kennenzulernen und vielleicht einen Technologie- und Wissenstransfer in ihr Heimatland zu vermitteln“, formuliert Markus Süllow, einer der Motoren der 15 Personen starken Palexgruppe, die Ziele des Besuchs.

Anschlussfamilie gesucht

Dessen Organisation war durchaus zeitaufwendig. Über ein Jahr habe es gedauert, bis in puncto Unterkunft, Versicherung, Visa und Finanzierung alles unter Dach und Fach war. Bei ihren Gastfamilien haben sich die beiden schon gut eingelebt. „Alle sind total begeistert von dieser neuen Erfahrung“, so Süllow, der für Caroline ab dem 20. Juni noch eine Anschlussfamilie sucht.

Wie alle Besuche der Ugander ist auch dieser Aufenthalt komplett spendenfinanziert. Caroline und Salomon hätten die Kosten für Flüge und Unterkunft nicht aufbringen können. Die Arbeitsmarktsituation in Uganda ist desolat: Nur 10 Prozent der ugandischen Bevölkerung habe, so Süllow, eine reguläre Arbeit. 90 Prozent seien Freiberufler und verdienten ihren Lebensunterhalt mit An- und Verkauf oder in der Landwirtschaft. Schule und Universität sind zudem nach der Grundschule kostenpflichtig.

Kein Geld für Ausbildung

Caroline musste ihr Studium des Personalmanagements abbrechen, weil ihre Eltern die Studiengebühren nicht mehr bezahlen konnten. Sie ist seitdem arbeitslos und engagiert sich in der kirchlichen Jugendarbeit. Bei Solomon ist es ähnlich: Der 24-Jährige hat aus finanziellen Gründen die Schule nur bis zur 11. Klasse besucht und baut auf dem elterlichen Hof „groundnuts“, eine ugandische Erdnuss-Variante, an.

Beide Besucher hatten im Vorfeld nur rudimentäre Vorstellungen von Deutschland: Der Farmer Solomon habe in einem Industrieland wie Deutschland nicht so viel Landwirtschaft erwartet, Caroline waren vor allem Fußballvereine wie der FC Bayern und RB Leipzig ein Begriff. Konkrete Erwartungen an ihren Aufenthalt habe sie nicht. „Ich möchte Berufe und das Land kennenlernen und erfahren wie die Menschen leben“, erzählt die junge Frau auf Englisch, neben Swaheli eine der Amtssprachen Ugandas.

Stockschläge

Einen Einblick sollen die beiden jungen Erwachsenen nun im Rahmen von Hospitanzen in Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und der Kirchengemeinde bekommen. An zwei Tagen waren sie bereits vor Ort, haben „einen Blick über die Schulter“ geworfen: Caroline an der Grundschule Lechtingen, Solomon an der Realschule Wallenhorst. Dort sei ihnen neben den kleineren Klassengrößen besonders das grundlegend andere Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern aufgefallen: „Sie sind nicht voneinander zu unterscheiden“, hat Solomon staunend festgestellt, der aus Uganda Schuluniformen und eine andere Disziplin der Schüler gewohnt ist. Nicht ohne Grund: In dem ostafrikanischen Land wird Fehlverhalten noch mit Stockschlägen bestraft.

Nach dem Besuch des Katholikentages in Leipzig mit der Kolpinggruppe Hollage stehen noch Exkursionen an die Nordsee oder nach Köln auf dem Plan. Markus Süllow will das kommende Vierteljahr jedoch nicht mit zu viel Programm überfrachten: „Das Ziel ist, dass sie ihren eigenen Weg finden und vielleicht auch mal alleine nach Berlin fahren.“ Caroline hat mit dieser Idee schon jetzt kein Problem: „Es gibt hier ja jede Menge Schilder.“ Sich zu verlaufen, sei also fast unmöglich.