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Chorgesang mit lockerer Hüfte „Vokal fatal“ aus Rulle begeisterte

Von Joachim Dierks | 12.04.2011, 17:20 Uhr

„Wo ist mein Chor? Die hören wieder nicht auf mich, ich bin einfach noch zu jung.“ Mit köstlich gespielter Resignation kokettiert die in der Tat noch sehr junge Chorleiterin Lena Geue (25) mit ihrem Alter und ihrer zierlichen Erscheinung, als keines der Chormitglieder ihrer Aufforderung zum Auftritt Folge leistet.

Doch dann kommen die Ersten nach vorne geschlenzt, es sind vier Herren. Locker swingend intonieren sie die Tenor- und Bass-Stimmen zu dem jiddisch-amerikanischen „Bei mir bist Du scheen“, nach und nach gefolgt von den Sopranistinnen und den Altistinnen, bis alle 20 Mitglieder von „Vokal-Fatal“ den knapp bemessenen Bühnenraum im Heimathaus Hollager Hof ausfüllen. Die Stilrichtungen der Musikstücke – Swing und Blues der Dreißiger- bis hin zu Schlagern der 80er-Jahre – legen viel Bewegung beim Auftritt nahe. Die Damen und Herren mittleren Alters setzen das mit großem Spaß an der Freud um, ja sie haben sich sogar für einen Übungsabend eine Tanzchoreografin ausgeliehen, die mit ihnen Schrittfolgen einstudierte, gesteht Moderatorin Martina Hollmann. Man sieht das Ergebnis: Mit DSDS-reifer Bühnenpräsenz interpretieren die Vokal-Fatalisten „Sittin’ on the dock oft he bay“, „O Champs Élysées“ und „Tuxedo Junction“.

In Wirklichkeit hat Lena Geue ihren Chor gut im Griff. Die Damen und Herren, die vom Alter her Lenas Eltern sein könnten, hängen an ihren Lippen und Handbewegungen, wenn sie die Einsätze gibt. Lena begleitet am Keyboard, übernimmt mit frech-frischer Jazz-Stimme aber auch einen Solo-Part. Mick Jaggers „As Tears go by“ gelingt dem Chor sauber a cappella, und „Crazy little thing called love“ gerät zum swingenden und jivenden Höhepunkt vor der Pause.

Die meisten Mitglieder von „Vokal-Fatal“ kommen aus Rulle. Als Keimzelle der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Formation kann der Chor „Mampas“ angesehen werden. Die Ruller „Mamas and Papas“ hatten sich als Eltern von Grundschulkindern der St.-Bernhard-Schule 1993 kennengelernt und aus Freude am Singen einen Chor gegründet. 15 Jahre lang brachten sie unter der Leitung von Evelyn Baller ein ähnliches Repertoire zu Gehör wie jetzt „Vokal-Fatal“. 2008 gab Baller den Taktstock aus der Hand, das Projekt „Mampas“ war zu seinem Ende gekommen. Esther Levermann, Christine Rohmann, Angela Trienen und Christoph Eichmeyer wollten sich damit nicht abfinden. Per Zeitungs-Annonce suchten sie Mitsänger und Chorleiterin. Die Musikstudentin Lena Geue meldete sich, Sangesbegeisterte aus Wallenhorst, Osnabrück und Belm kamen hinzu. So entstand „Vokal-Fatal“.

Nach der Pause wurde das Publikum Zeuge eines Familientreffens: Lena Geue hatte einen Gastchor aus Hamm engagiert, in dem ihre Eltern mitsingen. Mit vertonten Heinz-Erhardt- und Ringelnatz-Gedichten hatten „The Crooners“ die Lacher auf ihrer Seite.